Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Straßen sind wieder trocken, die Landwirte kratzen die letzten Schlammreste von ihren Höfen. Nach dem Unwetter am Dienstag ist Ruhe eingekehrt. Die Sorge vor der nächsten Überschwemmung aber bleibt.

Fröndenberg

, 29.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Wetterphänomen mit Hagel, Starkregen und Schlammwelle hatte am Dienstag besonders Fröndenbergs Ortsteile Dellwig, Strickherdicke, Frömern und Ostbüren getroffen. Mittlerweile sind die Straßen und Höfe wieder sauber, die Helfer haben ganze Arbeit geleistet. Der Hagel von Dienstag ist sozusagen Schnee von gestern. Doch was bleibt, ist die Gewissheit: Das nächste Unwetter wird gerade die Ostbürener wieder eiskalt erwischen. „Ein- bis zweimal im Jahr ist hier Land unter“, weiß Ostbürens Ortsheimatpfleger Gerd Höneise.

Ostbüren in unschöner Regelmäßigkeit überschwemmt

Gerade Ostbüren - und dort besonders die Anrainer der Ostbürener Straße - werden in unschöner Regelmäßigkeit von den Folgen des Klimawandels heimgesucht. Erst im April 2018 setzte Starkregen Fahrbahn und Höfe unter Wasser. Besonders an drei Stellen im Dorf sammelt sich das Wasser: auf Hof Pieper, Hof Albert und an der Kreuzung Burgstraße/Ostbürener Straße. Die Behörden sehen hilflos zu. Auch nach dem Vorfall am Dienstag sehen sowohl Stadt- als auch Kreisverwaltung keine Möglichkeiten zur Abhilfe. „Verursacher sind die Landwirte“, sagt Jürgen Busch, beim Kreis Sachgebietsleiter für die Straßenunterhaltung.

Nach dem Wasser ist vor dem Wasser - Ostbüren ist Folgen des Klimawandels ausgeliefert

Auch in Dellwig herrschte am Dienstag der Ausnahmezustand. Dennis Grondke hat aus seinem Haus Am Brauck die Schlammmassen auf der Hauptstraße fotografiert und unserer Redaktion zugesendet. © Dennis Grondke

Schlamm von den Feldern westlich der Ostbürener Straße

Er hat sich nach der Schlammwelle am Dienstag das Geschehen an der K24 (Ostbürener Straße) genau angesehen. „Wasser und Schlamm kamen von den Feldern westlich der Ostbürener Straße und wurden über den Postweg auf die Kreisstraße geschwemmt“, sagt Busch und bestätigt damit die Beobachtung der Familie Albert, die ihren Hof genau gegenüber der Einmündung Poststraße hat, und der regelrecht vom Hagel-Schlamm-Mix begraben wurde. Da die Felder nicht nur zur Ostbürener Straße, sondern auch zu dem Feldweg hin abschüssig sind, hätten Wasser und Schlamm freie Bahn gehabt. Hinzu komme, dass die Feldpflanzen noch zu klein waren, um den Mutterboden mit ihren Wurzeln festzuhalten.

Nach dem Wasser ist vor dem Wasser - Ostbüren ist Folgen des Klimawandels ausgeliefert

Die Feuerwehr hat in Dellwig ebenso alle Hände voll zu tun gehabt, die Straßen vom Schlamm zu befreien. Dieser stammte wie in Ostbüren von den umliegenden Feldern.

Der Kreis hat seiner Aussage nach ein ureigenes Interesse daran, dass diese regelmäßigen Überschwemmungen der Ostbürener Straße ein Ende finden. „Wir sind da Geschädigte“, sagt Busch. Schließlich müsse der Kreis jedes Mal die Abflüsse spülen und die zugeschlammten Gräben neu auskoffern. „Eigentlich dachten wir, wir hätten das Problem bereits in den Griff bekommen“, so Busch. Der Kreis hatte einen zusätzlichen Abfluss in Höhe des Hofes Pieper schaffen wollen. „Doch dann haben wir genau dort einen verschlammten Abfluss wiederentdeckt. Wir dachten mit der Säuberung wäre das Problem behoben“, berichtet Busch. Am Dienstag wurde der Kreis eines Besseren belehrt.

Kreis und Stadt wollen Gespräche führen

Deshalb will Busch nun Gespräche mit der Fröndenberger Verwaltung führen. Doch Markus Törnig vom zuständigen Fachbereich in Fröndenberg sieht ebenfalls kaum Möglichkeiten. „Egal, wie viele Einläufe es in den Kanal gibt, der Schlamm von den Feldern verstopft sie ruckzuck. Und dann spielt die Anzahl der Einläufe keine Rolle mehr“, sagt er. Diesmal seien die Einläufe durch den Hagel besonders schnell verstopft gewesen, wodurch die Auswirkungen entsprechend groß waren.

Auch Törnig sieht die Landwirte in der Pflicht. Sie seien klar Verursacher. Das neue Baugebiet Am Obsthof hingegen hat bei dem Starkregen am Dienstag keine Rolle gespielt, versichert Törnig. „Dort haben wir eigens einen Stauraumkanal gebaut. Von dort fließt weniger Wasser auf die Ostbürener Straße als vorher“, sagt er.

Nach dem Wasser ist vor dem Wasser - Ostbüren ist Folgen des Klimawandels ausgeliefert

Das Wetterphänomen brachte neben den unerfreulichen Überschwemmungen auch schöne Fotomotive mit sich: Den Hagel im Blumenarrangement hat Jennifer Reich fotografiert und uns via Facebook zugeschickt. © Jennifer Reich

Dieser Sommer bringt noch mehr Extreme, sagen Experten

Zwei bis drei Beschwerdeanrufe hat Törnig nach dem Unwetter entgegengenommen. „Offenbar wissen die Bürger, dass dieses außergewöhnliche Wetterphänomen dazu geführt hat“, sagt er. Allerdings müsse man mit Blick auf den Klimawandel künftig wohl vermehrt mit solchen Phänomenen rechnen. „Wetterexperten sagen jetzt schon voraus, dass der Sommer 2019 noch extremer wird als im letzten Jahr. Wenn dann nach drei Monaten Dürre so ein Regen kommt wie Dienstag, haben wir erst ein echtes Problem.“

Lesen Sie jetzt