NABU will einen Kiosk für Insekten

dzBauernmarkt

Aufgeräumte Gärten mit immergrünen Pflanzen, untergepflügte Feldränder ohne Blüten in weiter Sicht: Die Quittung für solche Fehler bekommt der Mensch jetzt: Es mangelt an Insekten und damit wichtigen Bestäubern im Lebensmittelanbau.

Fröndenberg

, 05.10.2018, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die NABU-Gruppe Fröndenberg will die Notbremse ziehen: Wenn am Sonntag der Bauernmarkt stattfindet, sind die Mitglieder mit einem Stand vertreten. Über viele Aktionen wollen die Naturschützer sprechen und über viele Zusammenhänge aufklären, Wolfgang Schumacher und seinen Mitstreitern liegt das Thema Blühstreifen und Blütenflecken dabei jedoch besonders am Herzen.

„Drei Quadratmeter Blumenbeet versorgen 200 bis 400 Insekten“, erklärt er. Die weite Spanne erklärt sich dadurch, dass viele Insekten wetterabhängig sind. „Die Hummel zum Beispiel fliegt erst bei einer Körpertemperatur von 31 Grad Celsius.“ Ein paar Grad könne sie über ihre eigene Muskelkraft erzeugen, aber nicht viele. Sei es zu kalt, bliebe sie weg. „An Sonnentagen wimmelt es jedoch in einer Blühwiese von Insekten“, so Schumacher.

Blühschlangen inmitten von Wiesen

Seit Jahren säht der NABU Blühstreifen an Straßenrändern, Blühschlangen inmitten sonst gemähter Wiesen und arbeitet eng mit Landwirten zusammen, damit deren Feldränder oder Brachflächen genutzt werden können. „Man braucht aber eigentlich nur die einfachsten Mittel, um Insekten zu helfen“, weiß Schumacher und will möglichst viele Bürger dabei ins Boot holen. Viele kleine, freie Stellen im heimischen Garten zu nutzen, sei schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

„Es geht um die Bestäubung und damit um unsere Ernährung“, betont Schumacher. Ohne Nektar und Pollen sammelnde Bienen beispielsweise bliebe so mancher Obstbaum nämlich fruchtlos.

„Wir brauchen aber viele, überall verteilte kleine Flächen, damit die Insekten ihre Signale untereinander deuten können“, sagt Schumacher und erinnert an den Tanz der Biene, mit dem sie ihren Artgenossen den Weg zu nektarreichen Standorten beschreibt. „Wir brauchen viele kleine Kioskbuden, bei denen die Insekten wissen, dass sie da Nahrung finden.“ Und je vielfältiger das Angebot an blühenden Pflanzen dort ist, desto besser. „Die wollen auch mal Würstchen mit Sauerkraut zwischendurch und nicht nur jeden Tag Schnitzel“, findet er einen Vergleich zu menschlichen Küche.

Praktische Tipps beim Bauernmarkt

Die NABU-Gruppe Fröndenberg will aber nicht nur über die Notwendigkeit von Blühstreifen informieren, Schumacher hat auch schon praktische Tipps ausgearbeitet, wie die Bürger diese im heimischen Garten anlegen können. Das genaue vorgehen mithilfe eines Rasters, einem Eimer Sand und entsprechenden Samen will er am Stand erklären. „Es gibt nämlich einen Trick, wie das Saatgut nicht vom Winde verweht wird, sondern tatsächlich zu Boden fällt –und das auch noch verteilt und nicht nur an einer Stelle“, verrät er augenzwinkernd. „Denn eigentlich reichen zehn Gramm Samen für fünf Quadratmeter und mehr, wenn man eine Blühwiese richtig anlegt.“ Und natürlich sollten die Hobbygärtner dann auch darauf achten, dass die Ganzjahrespalette bedient wird und zu jeder Jahreszeit etwas blüht, das Insekten versorgt.

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