Auf Unverständnis stößt die Regel, dass der Stadtsportverband Fröndenberg erst Sportler ab 15 Jahre für ihre hervorragenden Leistungen ehrt. Im Vorstand setzt jetzt offenbar ein Umdenken ein.

Fröndenberg

, 24.05.2019, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einer Woche ehrte der Stadtsportverband Fröndenberg traditionell die 2018 erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler der Stadt. Unter den rund 150 geladenen Gästen befanden sich keine Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre. Diese Beschränkung hält Claudia Scharwat für völlig unverständlich.

Einen elfjährigen Tischtennis-Kreismeister sehen die Statuten nicht vor

Scharwats Sohn Nils ist amtierender Kreismeister im Tischtennis bei den C-Schülern und holt in der vorigen Saison auch den Vize-Bezirkstitel. Nils kommt mit seinen elf Jahren für eine Ehrung durch den Stadtsportverband allein aufgrund seines Alters aber nicht in Frage.

Mutter übt Kritik an fehlender Ehrung von Kindern und Jugendlichen durch den Stadtsportverband

Rund 150 erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler kamen am 17. Mai in die Schützenhalle auf der Hohenheide um die Ehrungen durch den Stadtsportverband entgegenzunehmen. Kritik gibt es daran, dass laut Ehrungssatzung erst ab einem Alter von 15 Jahren sportliche Leistungen offiziell gewürdigt werden. © Michael Neumann

„Ich habe da Bauschmerzen mit“, sagt Klaudia Scharwat. Es gehe ihr gar nicht nur um ihren eigenen Sohn, sondern um die grundsätzliche Frage, warum eine Altersgrenze bei den Ehrungen eingezogen werde. „Die Wertigkeit solcher Auszeichnungen nimmt im Alter doch ab“, findet Schwarwat, die neben ihrem Sohn auch von anderen enttäuschten Nachwuchssportlern weiß. „Kinder ticken da halt anders.“

Mutter übt Kritik an fehlender Ehrung von Kindern und Jugendlichen durch den Stadtsportverband

Auf dem Mannschaftsfoto ist links als Mannschaftsführer der Tischtennis-Jugendmannschaft des GSV Fröndenberg Pascal Lewald (17) zu sehen. Im September 2018 hat er die Kreismeisterschaft Tischtennis in der Kategorie Herren D gewonnen. Für die Sportlerehrung zählt jedoch nur die Herren-A-Wertung, sodass auch Pascal keine Einladung erhielt. Nils Scharwat (2.v.l.) wurde 2018 Kreismeister bei den Schülern C und ist laut Statuten des Fröndenberger Stadtsportverbandes mit elf Jahren zu jung für eine Auszeichnung. © privat

Stefan Fobbe bestätigt, dass der Stadtsportverband die Sportler aufgrund einer Ehrungssatzung einlädt. „Die Nominierungskriterien sind vor längerer Zeit aufgestellt worden“, so der 2. Vorsitzendes des Verbandes. Die Richtlinie stamme womöglich noch aus der Zeit, als die Stadt Fröndenberg die Sportlerehrung selbst vornahm, möglicherweise ist sie einige Jahrzehnte alt. „Das ist aus dieser alten Tradition weiter immer so gemacht worden“, vermutet Fobbe.

Demnach werden Jugendliche erst ab einem Alter ab 15 Jahre nominiert, die besondere Leistungen erbracht haben. Das bedeute dann auch, räumt Fobbe ein, dass Meistertitel von 13- oder 14-jährigen Sportlern nicht gewürdigt werden könnten.

»Die Wertigkeit solcher Auszeichnungen nimmt im Alter doch ab.«
Claudia Scharwat, Mutter aus fröndenberg

„Ich finde das nicht mehr zeitgemäß und am Ziel vorbei“, hält Klaudia Scharwat dem entgegen. Kinder und Jugendliche erführen eine erhebliche Motivation, wenn ihre sportlichen Leistungen und Erfolge in einem entsprechendem Rahmen gewürdigt werden. Scharwart wird deutlicher: „Wir brauchen keine Veranstaltung, bei der sich ältere Leute gegenseitig beweihräuchern.“

Mutter übt Kritik an fehlender Ehrung von Kindern und Jugendlichen durch den Stadtsportverband

2012 fand die Sportlerehrung noch in der Kulturschmiede statt. Mittlerweile reicht die Kapazität nicht mehr und man zog in die Schützenhalle auf der Hohenheide um. © Borys Sarad

Immerhin werden in Fröndenberg Nachwuchssportler ab 15 Jahre geehrt. Bei der Gala des Kreissportbundes seien sogar erst Jugendliche ab 16 Jahre mit von der Partie, gibt Stefan Fobbe zu bedenken. Auch in den Nachbarstädten werde wohl ähnlich verfahren. Fobbe: „Wir sind da nicht die Ausnahme.“ Der Grund dafür, erst ab 15 Jahre plus zu ehren, sei vermutlich ein ganz einfacher: Die Sportlerehrung sei eine Abendveranstaltung, die bis weit nach 22 Uhr dauere. Der Jugendschutz setze daher bei den Teilnehmern altersmäßig Grenzen.

Mutter übt Kritik an fehlender Ehrung von Kindern und Jugendlichen durch den Stadtsportverband

Die Sportlerehrung für das Jahr 2003 fand im März 2004 in der Schützenhalle Ruhrtal in Warmen statt. Damals ehrte der Stadtsportverband Fröndenberg 55 Einzelsportler, 18 Mannschaften und sechs langjährige Vorstandsmitglieder einzelner Vereine. © Grzelak

Auch Klaudia Scharwat vermutet, dass die Ehrungssatzung und die abendliche Veranstaltung seit Jahrzehnten nicht verändert worden sind. „Das heißt dann aber auch: Es hat sich nie jemand über die Jugend Gedanken gemacht.“ Stefan Fobbe, der auch 1. Vorsitzender des Gesamtschulsportvereins Fröndneberg ist, räumt ein, dass das Prozedere in den zurückliegenden Jahren tatsächlich nicht hinterfragt worden ist. Im Februar jedoch sei der Vorstand des Stadtsportverbandes in das Thema eingestiegen. Fobbe: „Es ist uns schon bewusst, dass es auch Kinder gibt, die erste große Erfolge haben.“ Man sei aber noch zu keiner Lösung gekommen.

»Ehrungen bedeuten Motivation für die Kinder – die Frage ist, auf welche Art und Weise man eine solche Ehrung durchführt.«
Stefan Fobbe, 2. Vorsitzender des Stadtsportverbandes Fröndenberg

Es gebe im Grunde zwei Möglichkeiten: Die Sportlerehrung wird künftig nachmittags veranstaltet, wenn auch Kinder problemlos teilnehmen können oder aus einer Veranstaltung werden zwei: eine für Erwachsene, eine zweite für Kinder und Jugendliche. Dazu müsse man klären, wie groß der Bedarf überhaupt ist, wie viele Titelträger und Aufsteiger in den jüngeren Jahrgängen es in jeder Saison überhaupt gibt. Diese Zahlen fehlen dem Stadtsportverband bislang noch. Dass es etwa im Turnen, Schießsport oder auch beim Mountainbikefahren große Erfolge von Kindern und Jugendlichen gebe, sei ihm aber durchaus bekannt, so Fobbe.

Mutter übt Kritik an fehlender Ehrung von Kindern und Jugendlichen durch den Stadtsportverband

In der Vergangenheit sind durchaus auch schon Nachwuchssportler vom Stadtsportverband ausgezeichnet worden, so wie bei der Sportlerehrung im Jahr 2004 die Aufstiegsjunioren des damaligen FC 09 Fröndenberg. © Roman Grzelak

Für Stefan Fobbe persönlich, der seit 2018 mit dem GSV Fröndenberg auch einen der größten Sportvereine der Stadt führt, ist klar: „Ehrungen bedeuten Motivation für die Kinder – die Frage ist, auf welche Art und Weise man eine solche Ehrung durchführt.“ Klar ist auch noch etwas anderes: Die Regularien der Sportlerehrung müssten von der Hauptversammlung des Stadtsportverbandes Fröndenberg beschlossen werden.

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