Monika Kostorz verlässt den Rat: Das politische Interesse hatte sie „vom Oppa“

dzAbschied aus Kommunalpolitik

Die SPD-Politikerin verlässt den Rat der Stadt Fröndenberg früher als geplant – und blickt mit Wehmut, aber auch Stolz auf 31 Jahre aktive Politik zurück. Für die Zukunft wünscht sie sich starke Frauen.

Fröndenberg

, 27.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit der Gesundheit von Monika Kostorz ging es in den vergangenen Wochen und Monaten bergauf und bergab. Dieser Zustand hat sie dazu gezwungen, eine schwere Entscheidung zu treffen, die die SPD-Politikerin in der nächsten Zeit wohl sicherlich das eine oder andere Mal bereuen wird – wie sie selber sagt. Die engagierte Fröndenbergerin verabschiedet sich zum Ende des Monats vorzeitig aus dem Stadtrat.

Weil Kostorz nicht weiß, ob sie den Abschied in der Ratssitzung am Mittwoch, 4. März, in großer Runde wird feiern können, hat sie sich eine kleine Feierstunde im Rathaus gewünscht, im Kreise ihrer engsten Verbündeten und Wegbegleiter. Das Treffen fand am Mittwoch statt.

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Monika Kostorz war 31 Jahre lang Ratsmitglied – genauso lange im Haupt- und Finanzausschuss aktiv. Seit Beginn der Amtszeit von Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe im Jahr 2009 ist sie stellvertretende Bürgermeisterin. Eigentlich wollte sie sich im Herbst gemeinsam mit dem Bürgermeister zurückziehen. Jetzt kommt der Abschied noch etwas eher als geplant.

Dem Bürgermeister, einem „Quereinsteiger“ geholfen

Wenn Friedrich-Wilhelm Rebbe auf den Anfang seiner Laufbahn als Bürgermeister zurückblickt, als er im Rathaus noch „Quereinsteiger“ war, hat er die Unterstützung von Monika Kostorz in besonders guter Erinnerung. Die SPD-Frau gehörte damals schon zu den alten erfahrenen Hasen. Zudem kam Kostorz aus der Verwaltung, die Vorgänge im Rathaus waren ihr also auch dank ihre Berufs bekannt.

1986 bereits in der Bürgerinitiative für den Mühlenberg aktiv, ging es gerade an die Gestaltung des Himmelmannparks, als sich Monika Kostorz erstmals entschied, für ein politisches Amt zu kandidieren. Und das tat sie mit vollem Erfolg. Rebbe teilt die vergangenen 30 Jahre durch fünf: „Das bedeutet, dass Monika Kostorz sechs Mal in ihrem Wahlbezirk gewonnen hat – das ist schon eine herausragende Leistung.“

Schon immer ein politischer Mensch gewesen

„Einfluss nehmen und gestalten können“: Das reizte die Fröndenbergerin an der Politik. Und das ist es, was sie wohl auch 31 Jahre bei der Stange gehalten hat. „Ich bin einfach ein politischer Mensch.“

Ihr besonderes Engagement galt dem Mühlenberg, der Einrichtung des Lädchens an der von-Galen-Straße, der Verbesserung der Verkehrsanbindung ihres Wahlbezirks. Aber auch der Kampf für eine neue Bücherei – „eine ganz fantastische Sache“ –, die „nach wie vor spannende Innenstadtentwicklung“ und die Entwicklung des Sportparks waren Themen, die ihr am Herzen lagen.

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Jetzt, wo alles so toll im Fluss sei, nicht mehr weiter mitmischen zu können – dieser Gedanke ist für Monika Kostorz das Schwerste an ihrem Abschied aus den politischen Sitzungen. Der Fröndenberger SPD und auch dem Sozialen Netzwerk Mühlenberg möchte sie allerdings erhalten bleiben. Das am Ball bleiben, den politischen Biss, habe sie übrigens „vom Oppa“, wie Kostorz trocken sagt. Der war Kommunist in der Nazizeit, habe seine Reden immer vor dem Schlafzimmerschrank geübt.

Erfahrene Frauen sollten in die Kommunalpolitik

Monika Kostorz ist es genauso wie der SPD-Fraktionsvorsitzenden Sabina Müller sehr wichtig, dass ihrem Beispiel viele Frauen folgen und sich in der Kommunalpolitik engagieren. „Das müssen gar nicht unbedingt die jungen sein“, sagt Sabina Müller. Vor allem ältere Frauen hätten Wesentliches aus ihrem Erfahrungsschatz beizutragen. Sie kennen etwa die Situation an den Schulen und Kindergärten der Stadt, die Doppelbelastung von Familie und Beruf, et cetera.

Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe weiß von dem „Glück“ zu berichten, mit Monika Kostorz und Ute Gerling von der CDU gleich zwei weibliche Stellvertreter gehabt zu haben. Die Frauen hätten seine Arbeit mit unterschiedlichen Standpunkten und Sichtweisen bereichert.

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Auch wenn die Auseinandersetzungen im Rat oft hitzig waren: Im Kern waren sie immer an der Sache orientiert, sagt Kostorz rückblickend. „Wäre das anders gewesen, hätte ich es nicht so lange ausgehalten.“

Wenn die Ex-Ratsfrau nun im Sommer mit einem guten Buch auf der Terrasse liege und bemerke „oh, 17 Uhr“, dann werde es aber schon eine kleine (Schaden-)Freude für sie sein, nicht mehr im Stiftsgebäude sitzen zu müssen.

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