Mobilfunkstation abgeschaltet - Rost am Windrad führt zu Funkstille in Frömern

dzFunkloch Frömern

Am Windrad von Helmut Mölle sind Mobilfunktstationen angebracht. Die haben Rost am Windkraftwerk verursacht und mussten abgeschaltet werden. Die Sanierungsarbeiten lassen auf sich warten.

Fröndenberg

, 20.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer kennt solche Situationen nicht: Man muss gerade ein wichtiges Telefonat führen oder eine Whatsapp-Nachricht versenden und das Netz spielt nicht mit. Auch schön ist, wenn die Verbindung mitten im Gespräch abbricht. Das kommt in Frömern derzeit häufiger vor - vorausgesetzt die Verbindung wird überhaupt erst aufgebaut. Der Ortsteil hat sich in ein Funkloch verwandelt. Dass ein rostiges Windrad der Auslöser dafür sein kann, klingt zunächst grotesk - genau so ist es aber.

Rost durch Kabelkanäle aus Stahl

Eigentlich hat Landwirt Helmut Mülle hervorragendes Netz, sitzen doch die Sender zweier Mobilfunkanbieter an seinem eigenen Windrad, das auf einem seiner Felder steht. Umzingelt von Pferdeweiden produziert dort ein 50 Meter hohes Windkraftwerk, das laut Mülle gleichzeitig als Mast für Mobilfunktstationen der Telekom und Telefonica dient, Strom. Seit einigen Wochen liegen die Stahlseile, mit denen Kabelkanäle am Mast befestigt waren, Antennen und alte Leitern aber auf dem Gras neben dem Windrad. Ein Arbeiter ist nicht in Sicht. „Ich hoffe aber, dass es nächste Woche losgeht“, sagt der 63-Jährige. Endlich habe die Telekom nämlich eine Firma gefunden, die den Rost am Windrad entfernt und es wieder weiß streicht – denn ebendieser Rost ist der Grund dafür, dass die Sender auf dem Boden liegen und nicht in luftiger Höhe am Windrad hängen.

Mülle habe die Telekom über die Schäden, die durch die Anlagen der Telefonanbieter verursacht wurden, informiert. Die kündigte eine drei- bis vierwöchige Sanierungsmaßnahme an. Doch fünf sind bereits verstrichen und noch immer herrscht Funkstille in Frömern.

Dass derzeit keine Verbindungen in das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom möglich sind, bestätigt Karin Unruh, Sprecherin bei der Telekom. „Die Sanierungsarbeiten wurden von uns beauftragt. Informationen über die Dauer der Baumaßnahmen liegen leider nicht vor. Wir prüfen, ob es möglich ist, eine mobile Mobilfunkstation für den Zeitraum zu errichten. Die Rückmeldung dazu ist noch offen.“ Womöglich wird also eine Übergangslösung eingerichtet, die den Frömernern das Leben erleichtert, solange am Mast gewerkelt wird.

Mobilfunkstation abgeschaltet - Rost am Windrad führt zu Funkstille in Frömern

Kabel, Halterungen, Leitern und Antennen: Auf dem Platz neben dem großen Windrad sieht es wüst aus. © Marcel Drawe

Komplizierte Arbeiten in luftiger Höhe

Wie lange die Arbeiten andauern werden, weiß auch Mülle nicht – wohl aber, dass sie mehr Zeit in Anspruch nehmen als erhofft. Nach der ersten Woche habe die Telekom festgestellt, dass die Schäden am Windrad größer seien als zunächst angenommen. Eine neue Firma musste gefunden werden und das habe gedauert.

Gummi statt Stahl

Mülle hofft, dass die Arbeiten in der kommenden Woche wieder aufgenommen werden und die Sender in zwei Wochen wieder angebracht sind. Statt dünner Stahlseile, die Rost verursachen können, sollen massivere Bänder mit Gummi-Unterlage die Kabelhüllen befestigen. Das Windrad habe keine Schäden davon getragen, sagt Mülle, der seit dem Bau des Windkraftwerks im Jahr 1996 noch nie so umfangreiche Arbeiten beobachtet. Kleinere Arbeiten, wie etwa Öl nachfüllen, übernimmt der Landwirt, dessen Hauptgeschäft die Unterbringung von Pensionspferden ist, selbst.

Mobilfunkstation abgeschaltet - Rost am Windrad führt zu Funkstille in Frömern

Am Windrad sind deutlich Roststellen zu erkennen. An einer Stelle haben sich die Stahlseile gelöst und einen großen Rostfleck hinterlassen. © Marcel Drawe

Mittlerweile sind in Frömern einige Windräder zu sehen – die meisten davon im Windpark in Ostbüren. „Damals waren wir noch Pioniere“, sagt Mülle. Es habe nur wenige Windkraftwerke in der Umgebung gegeben. Der Landwirt ist zufrieden mit dem Verdienst durch das Rad. Ein zweites dürfe er jedoch nicht bauen, weil das Gebiet mittlerweile zum FFH-Gebiet – einem Vogelschutzgebiet – erklärt worden ist. Er würde keine Genehmigung bekommen. Gut also, dass der Rost nur ein Schönheitsfehler ist und die Anlagen der Telefonanbieter keine größeren Schäden angerichtet haben. Dem Windrad kann so schnell nichts etwas anhaben, weiß Mülle. „Die Wände sind dick genug.“

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Helmut Mülle lässt sein Windrad sanieren

Helmut Mülle besitzt ein Windrad in Frömern. An diesem sind auch zwei Sender von zwei Telefonanbietern befestigt. Die stählernen Befestigungen für die Kabel haben jedoch Rost entstehen lassen. Nun muss saniert werden. Doch noch heißt es "Abwarten". Die Arbeiten sind nämlich komplizierter als gedacht.
19.10.2018
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Mit diesem Wagen fahren die Techniker an der Wand des Windrades entlang in die Höhe. © Marcel Drawe
Normalerweise führen die Kabel am Windrad in die Höhe bis zum Sender. Während der Reparaturarbeiten sind die Kabel nicht mehr verbunden. © Marcel Drawe
Ein Blick ins Innere eines Windrades. Alle paar Meter gibt es einen Zwischenboden. Ganz hohl sind die Windkraftwerke also nicht. © Marcel Drawe
Dieser kleine Sender verbindet das Windrad mit den Stadtwerken Fröndenberg. Sie können das Kraftwerk aus der Ferne steuern. © Marcel Drawe
Die Gerätschaften der beiden Telefonanbieter stehen verlassen neben dem Windrad und „warten“ darauf, wieder in Betrieb genommen zu werden. © Marcel Drawe
Die stählernen Kabelhüllen der Telefonanbieter haben deutliche Rostspuren an dem Kraftwerk hinterlassen. Diese gilt es nun, zu beseitigen. © Marcel Drawe
Das Windrad dreht sich in diesen Tagen kaum - und produziert demzufolge auch keinen Strom. Dazu braucht es circa 21 Umdrehungen pro Minute, weiß Besitzer Helmut Mülle. © Marcel Drawe

Dürre wirkt sich auf die Stromerzeugung aus

Der Strom seines Windrades fließt geradewegs zu den Stadtwerken Fröndenberg. Die können das Windkraftanlage per Funk abschalten - zum Beispiel bei Überbelastung. Pro Jahr produziere seine Anlage rund 400.000 kWh pro Jahr - wobei es dieses Jahr wegen des anhaltend heißen Sommers weniger gewesen sein dürfe. „Am besten sind wechselhafte Witterungen“, erklärt Mülle. Der Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten sorge für viel Wind. Die gute, erhöhte Lage des Rades sei ebenfalls von Vorteil und „auch wenn Südwind draufsteht, geht auch Nordwind.“ Übrigens erzeugt Mülles Windkraftanlage erst ab circa 21 Rotor-Umdrehungen Strom. Bei wenig Wind wird der Generator nicht ausreichend angetrieben. Das ist so wie beim Radfahren: Tritt man nicht schnell genug, kommt man nicht voran.

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