Robert Ochsner beim Abschlag: Der leidenschaftliche Golfer hat das Ende des Lockdowns für seinen Sport herbeigesehnt. © Marcel Drawe
Golfclubs Unna-Fröndenberg und Gut Neuenhof

Mit Video und Anleitung: Wie das Ende des Lockdowns gerade die Golfer berauscht

Wohin man blickt grüne Landschaft, Paare, die gemächlichen Schrittes eine Tasche mit Schlägern tragen, und herrliche Ruhe: So präsentieren sich die Fröndenberger Golfplätze nach dem Ende des Lockdowns.

Corona geht an die Nerven. Alles drängt jetzt nach draußen. In Natur und Landschaft. Zum Spaziergang und Sport. Die Golfer verbinden seit Wochenbeginn beides auf den weitläufigen Plätzen in Fröndenberg.

Robert Ochsner strahlt über das ganze Gesicht. „Ich hole schnell meine Tasche aus dem Kofferraum“, sagt der langjährige frühere Manager des Golfclubs Gut Neuenhof.

»Sechs Kilometer – wenn man gerade schlägt.«

Robert Ochsner über die ungefähre Länge der Golfrunde

Ochsner strahlt an diesem Dienstagvormittag mit der Sonne um die Wette. Man merkt dem Schweizer förmlich an, dass den Golfern mit dem Ende des Lockdowns ein Ballast von den Schultern gefallen ist.

Lockdown bei Golfern stieß auf wenig Verständnis

Sie dürfen wie auch die Reiter und Tennisspieler seit dem 22. Februar wieder ihrem Sport nachgehen. Ochsner hat den Lockdown für die Outdoor-Sportler, der nur in NRW und drei anderen Bundesländern angeordnet worden war, nie verstanden.

Werner Siepmann, Präsident des Golfclubs Unna-Fröndenberg, pflichtet Ochsner nicht nur in diesem Punkt bei: Die Sorge, dass sich Menschen auf den Parkplätzen der Clubs zwangsläufig sammeln und in Kontakt kommen, hätte man bei einer Maskentragepflicht nicht haben müssen.

Das ist Schnee von gestern. Nicht nur im übertragenen Sinn. Denn der kurzzeitige Wintereinbruch lastet schon noch auf den beiden schon wieder akkurat gemähten Plätzen, die sich so unvermutet links und rechts der Eulenstraße über zig Quadratkilometer erstrecken.

Englischer Rasen, das dürfte jedem Nichtgolfer als Erstes einfallen, wenn er die oft auf wenige Millimeter gestutzten Grüns sieht. Diese Greens, wie die Golfer zu sagen pflegen, das sind die Spielflächen rund um jedes Loch, die wegen der großen Nässe im Boden momentan noch geschont werden wie eine Luxuslimousine.

Eine Golfertasche ist nicht gerade leicht. Weil der Boden seit dem zwischenzeitlichen Wintereinbruch noch tief und weich ist, dürfen auf den Fröndenberger Golfplätzen zurzeit aber keine Trolleys gezogen werden. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Robert Ochsner lacht erst, als er das am Abschlag erzählt: Alle zehn Minuten, in diesen Etappen folgt Spielgruppe auf Spielgruppe, marschieren die Golfer über die Greens.

„Rechnen Sie gut hundert Schritte mal 80 Kilogramm pro Grün“, rechnet Ochsner vor, der ganz schnell wieder ernst geworden ist. Denn diese Menschengewichte setzen dem Rasen arg zu. Der gepflegte Spielgrund ist aber schlicht und einfach das A und O bei den Golfern.

Golfer spielen jetzt auf den Wintergrüns

Daher wird in diesen Tagen die Tasche mit den schweren Schlägern auf den aufgeweichten Böden noch selbst getragen; der Trolley muss im Kofferraum bleiben: Furchen auf dem Rasen – bitte nicht!

Es wird sogar eigens auf Wintergrüns gespielt, damit sich die Sommergrüns noch länger erholen können. Der Spielfreude tut das keinen Abbruch, wie man auf dem Platz unschwer erkennen kann: Neben Robert Ochsner verteilen sich zig Spielerpärchen auf dem Gelände – es ist Vormittag, daher sieht man wohl viele ältere Semester.

Für Robert Ochsner ist Golf Sport eine ideale Gelegenheit abzuschalten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe
Clubmanagerin Barbara Korte (r.) und Mitarbeiterin Isabel Stobbe müssen beim Golfclub Unna-Fröndenberg derzeit eine logistische Herausforderung bewältigen: Die Golfer strömen nach dem Ende des Lockdowns wieder auf den Platz. © Marcus Land © Marcus Land
Golfclub Unna-Fröndenberg

„Die Leute buchen strategisch“

  • Bei Clubmanagerin Barbara Korte und ihrer Mitarbeiterin Isabel Stobbe steht seit dem vergangenen Wochenende das Telefon nicht mehr still. „Morgens telefonieren wir beidhändig“, sagt Isabel Stobbe. Alles will auch beim Golfclub Unna-Fröndenberg auf die Grüns.
  • Corona brachte beim Traditionsclub an der Eulenstraße eine Neuerung mit sich: Statt mit einer Ballspirale, die zu viele Kontakte von Spielern untereinander verursacht hätte, werden die Spielzeiten per Timetable, also mit einem digitalen Zeitplan gesteuert.
  • Das sei anfangs von vielen Spieler durchaus skeptisch beäugt worden, weil man befürchtete, einige Golfer pickten sich die Rosinen heraus. Da man aber ohnehin nur dreimal in fünf Tagen Spielzeiten für den Platz erhält, war diese Angst schnell gebannt.
  • Im Gegenteil, mittlerweile gibt es viel positive Resonanz: Denn häufig fanden sich Zufallspaarungen in einem Zeitfenster, weil nicht nur allein, sondern immerhin auch zu zweit derzeit wieder gespielt werden darf – so traf man alte Freunde wieder oder fand neue Spielpartner.
  • Wer vom Golfen nicht genug bekommen kann, spielt auch öfter als dreimal in der Woche. „Die Leute buchen strategisch“, verrät Barbara Korte. Denn sobald ein Zeitfenster unbesetzt bleibt, kann es von anwesenden Golfern gebucht werden. Ein alter Hase beim GC Unna-Fröndenberg sage daher nicht zu Unrecht: „Buche clever und du kannst fast dauerhalft spielen.“
  • Während beim GC Unna-Fröndenberg bei 1150 Mitgliedern derzeit Aufnahmestopp ist, kann bei dem Verein ebenso wie beim Golfclub Gut Neuenhof aktuell aber wieder ein Schnupperkurs gebucht werden.

Die Spielrunde der 18-Loch-Anlage am Gut Neuenhof ist rund fünfeinhalb bis sechs Kilometer lang. „Wenn man gerade schlägt“, sagt Robert Ochsner schelmisch. Wer beim Abschlag oder beim Putten, also bei den konzentrierten Schlägen auf den Greens, häufiger mal stark verzieht, hält sich eben etwas länger auf dem Platz auf. Auf einen „Spaziergang“ von vier Stunden komme man bei einer Runde locker. Genau das Richtige, um den Winterspeck abzutrainieren, findet Thomas Weber, der jetzt am Abschlag wartet.

Golfen ist längst kein Fabrikanten-Sport mehr

Der Fröndenberger Entertainer, seit Monaten im Veranstaltungs-Lockdown gefangen, ist schon zum zweiten Mal in dieser Woche auf dem Platz. „Ich glaube, ich spüre gerade den Muskelkater von gestern“, raunt Weber.

Bestätigt Weber etwa gerade ein Vorurteil? Ist Golf ein Sport für erfolgreiche Künstler und reiche Unternehmer? „Das Publikum hier ist die Mittelschicht, das sind nicht die Fabrikanten“, sagt Robert Ochsner und winkt ab. Der elitäre Ruf hafte dem Golfsport zu Unrecht immer noch an.

„Ich bin auch kein Arzt oder Anwalt“, erzählt Ochsner, der den zweiten Fröndenberger Club mit aufbaute und vor einigen Jahren von Alexandra Fels als Manager beerbt wurde.

Von der Golfer-Community habe er sich aber persönlich nie ausgeschlossen gefühlt, auch wenn er damals, noch in der Schweiz, seinen Beitrag habe abstottern müssen. „Diese Scheu kann man nehmen.“

„Abschalten vom Stress“, so Ochsner, darum gehe es den Leuten, das leisteten sich auch kleine Angestellte. Der Club erhebt eine Jahresgebühr von 1040 Euro.

»Da hatte ich das Gefühl, ich fliege mit. Dieses Gefühl sucht man jetzt sein Leben lang.«

Robert Ochsner über seinen ersten gelungenen Abschlag

Nicht wenig Geld. Doch Ochsner vergleicht diesen Beitrag mit den gut 800 Euro, die eine Dauerkarte beim Fußball kosten kann – und das bei einer „je nach Club“, grinst Ochsner, ziemlich ungewissen Prognose, was man für sein Geld am Ende Qualitätvolles bekomme.

Dagegen lasse einen das Erweckungserlebnis beim Golf nie wieder los, so es denn eintritt. Was man nach einem Schnupperkurs aber schnell wisse. Als der kleine Golfball bei einem seiner Abschläge als Anfänger zum ersten Mal dahin flog, wohin er sollte, „da hatte ich das Gefühl, ich fliege mit“, sagt Robert Ochsner. „Dieses Gefühl sucht man jetzt sein Leben lang.“

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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