Eine junge Albanerin möchte Deutschen die Demokratie nahebringen, vor allem den Jungen: Keisa Dedja will, dass alle Menschen ihre Chancen wahrnehmen. Sie plant Workshops in der Windmühle.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 17.08.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Manchmal muss erst jemand von außen kommen: „In Deutschland gibt es so viele Möglichkeiten, sich zu engagieren und an der Demokratie mitzuwirken, das wissen viele in meinem Alter gar nicht!“ Die junge Frau, die das sagt, weiß aber, wovon sie redet. In Albanien hätte Keisa Dedja niemals so viele Chancen, sich zu bilden und zu engagieren. Die 18-Jährige will unbedingt viel lernen und ihr Wissen und ihre Talente an andere weitergeben – zum Beispiel in der Windmühle.

Im Kinder- und Jugendtreff auf dem Mühlenberg will Keisa Dedja einen Workshop machen: „Da möchte ich versuchen, Leuten zu zeigen, dass es sich lohnt, sich zu engagieren". Seit vier Jahren lebt Keisa schon in Deutschland, hat sehr gut Deutsch gelernt und immer wieder eine ihr unerklärliche Politikmüdigkeit in ihrem Umfeld erlebt. Bei jungen wie älteren Menschen gleichermaßen übrigens.

„Das kann doch nicht sein, hier kann man seine Meinung sagen und eine Idee haben und verfolgen.“ Das sei doch nicht selbstverständlich. Keisa appelliert: „Das muss man doch ausnutzen!“

Englisch hat ihr geholfen

Dass sie gut Englisch in Albanien gelernt hat, hat ihr beim Spracherwerb in Deutschland sehr geholfen, deshalb ist sie heute extrem wortgewandt und schlagfertig. Gerade macht sie eine Ausbildung zur Kinderpflegerin in einer Fröndenberger AWO-Kindertagesstätte, und sie ist Honorarkraft im Kinder- und Jugendtreff Windmühle auf dem Mühlenberg. Freunde hatten sie das erste Mal dorthin mitgenommen, jetzt gehört sie da zum Team der „guten Seelen“. Ja, lacht sie, da gebe es einige, ohne die der Laden gar nicht laufen würde.

Mit Keisa in die Demokratie: Junge Albanerin plant Workshops im Treffpunkt Windmühle

Mit dem Erweiterungsbau ist am Treffpunkt Windmühle 2018 auch ein Integrationszentrum eröffnet worden. Die Angebote der Einrichtung funktionieren nur so gut, weil viele Ehrenamtliche das Programm im Treffpunkt bereichern. © UDO HENNES

Keisa Dedja hat die Jugendleiterausbildung absolviert und hilft jetzt, wo sie kann. Pfandboxen für leere Plastikflaschen ist so ein Projekt, für das sie sich stark macht. Der Erlös geht an Frauenprojekte. Und einen Workshop will sie machen, in dem Kinder und Jugendliche etwas zum Thema Mitbestimmung und Demokratie erfahren. „Die da oben machen ja doch, was sie wollen“ – das höre sie von Erwachsenen so oft, und es sei so falsch wie nur irgendetwas. Die Deutschen schicken Abgeordnete in die Parlamente, die müssen dann nach Keisas Verständnis das umsetzen, was die Menschen wollen: „Dann müssen die Politiker auch wissen, was wir wollen. Wir dürfen nicht stumm sein.“

Sie weiß, was sie will

Keisa Dedja weiß genau, was sie will. Sie ist im besten Sinne ehrgeizig, zielstrebig. „Ich will aber nie eine von vielen sein und tun, was andere wollen.“ Das müsse sie in Deutschland ja auch nicht. Und weiter: „Ich will kämpfen, nicht klauen.“ Geschenkt bekam sie nun wirklich nichts auf ihrem Weg. Sie selbst nennt sich stur: „Wenn ich ein Ziel habe, darf das niemand ändern, nur ich.“

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Sie meint, sie sei Kind im Herzen und erwachsen im Kopf – das ist wohl auch so. Keisa hat sich eine unbeschwerte Fröhlichkeit erhalten, obwohl sie auch mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert wurde und wird. Sie achtet aber auch sehr auf sich, denn nur wenn es ihr gut gehe, könne sie schauen, wie es anderen gehe.

Warum sie nicht schlicht an ihrer Karriere bastelt? „Tue ich doch, ich lerne dauernd etwas dazu, ich nehme so unglaublich viel mit bei allem, was ich so mache. Ich kann das nur empfehlen, sich immer für andere einzusetzen, die es vielleicht gerade weniger gut können, als man selbst.“

Mit Keisa in die Demokratie: Junge Albanerin plant Workshops im Treffpunkt Windmühle

Keisa Dedja fährt in diesem Jahr zu einem länderübergreifenden Jugendgipfel: Die Teilnehmer aus Deutschland haben sich bereits kennengelernt. Im Dortmunder U haben sie eine Ausstellung zum Thema Rechtsextremismus um Internet besucht. © Privat

Auch Andere erkennen Keisa Dedjas Talente. Sie bewirbt sich ständig für Workshops und Seminare, hat auch als eine von wenigen Altersgenossen und Altersgenossinnen ein Stipendium für eine zusätzliche dreijährige schulische Ausbildung bekommen.

Andere engagierte Menschen empfinde sie nicht als Konkurrenz – „ich lasse meine Beweise reden“. Damit meint sie, sie überzeuge mit Fakten, Kenntnissen und Talent.

Man wird von ihr hören...

Keisa Dedja ist ein Optimist: „Man verliert nie, und wenn, dann hast du daraus auch etwas gelernt.“ Sie habe Vorbilder, denen sie nachzueifern versuche. Das müssen junge Menschen doch, aber gleichzeitig will sie auch selbst Vorbild sein. Sie will vorleben, wie sie sich ein Dasein in Deutschland vorstellt – engagiert und empathisch, unter Ausnutzung aller Chancen und Herausforderungen. Man wird von ihr hören...

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