Mit dicken Jacken im Unterricht: „Was ist, wenn es regnet oder stürmt?“

dzGrundschulen in Fröndenberg

Alle zwanzig Minuten muss derzeit in den Klassenräumen gelüftet werden. Schüler und Lehrer kämpfen gegen die kalten Temperaturen. Die Schulleiter blicken mit Sorge aufs Thermometer.

Fröndenberg

, 27.10.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Herbst kommen die kühleren Temperaturen. Viele holen bereits jetzt die dicken Jacken aus dem Schrank. Die Grundschulen in Fröndenberg müssen nach aktueller Corona-Allgemeinverfügung alle 20 Minuten kräftig durchlüften, ebenso während der Pausen. Müssen die Schüler nun während der kühleren Jahreszeit mit dicker Jacke im Unterricht sitzen?

„Das lässt sich leider nicht immer vermeiden“, sagt Silke Lakrabi, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule. Die Uhren werden gestellt und alle zwanzig Minuten werden die Fenster aufgerissen. „Da wird es durchaus mal frisch.“

Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem die Kinder in die Schule gehen können.
Anke Lochmann, Mutter

Monika Corbach, Schulleiterin der Overbergschule, versucht zu beruhigen: „Die Heizungen bleiben ja an. Und die meisten Kinder tragen derzeit Kleidung im Zwiebelprinzip.“ Dass Kinder mit einer Jacke für draußen im Unterricht sitzen müssen, gelte es ihrer Meinung nach zu vermeiden.

Schnell und effizient lüften

Die Kälte abhalten lässt sich allerdings schwer. „Irgendwann heizt sich der Klassenraum nicht mehr auf“, sagt Lakrabi. Gerade gegen Ende des Schultages werde es dann durchaus ungemütlich.

Damit es im Klassenraum nicht zu kalt wird, setzt die Overbergschule auf schnelles Lüften. „Wir können bei uns an vielen Stellen querlüften. Dann geht es schneller und man kann dann auch schnell wieder zumachen.“ Dabei komme es jedoch immer auf den Raum an. Je kleiner der ist, desto kälter wird es natürlich auch während des Lüftens.

Derzeit ist das Wetter gut, aber was ist, wenn es regnet oder stürmt? Dann können wir kaum lüften, ohne dass in der Klasse alles durcheinanderfliegt.
Monika Corbach, Schulleiterin Overbergschule

Schnelles, effizientes Lüften ist allerdings nicht die einzige Maßnahme, auf die die Overbergschule zurückgreift. „Wir bieten den Schülern die Möglichkeit, eine Flies- oder Strickjacke in der Schule zu lassen.“ Eine Option, auf die mitunter auch Eltern zurückgreifen. In der Gemeinschaftsgrundschule hingegen haben die Kinder ihre Jacken sowieso am Platz.

Sorge vor Sturm und Regen

Beide Schulleiterinnen blicken indes mit Sorge auf die unbeständige Jahreszeit. „Derzeit ist das Wetter gut, aber was ist, wenn es regnet oder stürmt? Dann können wir kaum lüften, ohne dass in der Klasse alles durcheinanderfliegt“, sagt Corbach. Man versuche Maßnahmen zu treffen, dass die Kinder nicht frieren, aber die Sorge vor den Minustemperaturen ist da. „Was ist, wenn es draußen noch kälter wird?“

Jetzt lesen

Eine ähnlich heikle Situation zeigt sich mit Blick auf den Sportunterricht. In der Halle stehen die Fenster auf Dauerkipp, damit die Luft im beständigen Austausch ist. „Da wird es natürlich etwas kühler.“

Besser so als gar nicht

Doch bei all den Unannehmlichkeiten überwiegt bei Eltern und Lehrern vor allem die Dankbarkeit, dass der Unterricht überhaupt stattfinden kann. „Ich bin dankbar für jeden Tag, an dem die Kinder in die Schule gehen können“, sagt Anke Lochmann, Elternvertreterin der Overbergschule.

Distanzunterricht mit Grundschülern sei immer schwierig. Mit Blick aufs regelmäßige Lüften würden die Kinder von den meisten Eltern entsprechend angezogen: „Da heißt es Zwiebeltechnik, ein Halstuch und notfalls sitzen die Kinder auch mal mit Winterjacke im Klassenraum.“

Mehr zum Thema

Sorge wegen Klassengrößen

  • Einige Eltern machen sich derzeit wegen der Klassengrößen Sorgen und wünschen sich kleinere Gruppen.
  • Zwei Wochen Quarantäne seien lang und Schüler mitunter nicht nur einmal betroffen, erklärt Elternvertreterin Anke Lochmann.
  • Quarantänezeit bedeute auch für die Eltern viel Stress, vor allem, wenn beide berufstätig sind.
  • Kleinere Gruppen zu betreuen ist für die Schulen allerdings schwer umzusetzen, da nicht genügend Personal dafür zur Verfügung steht.

Lakrabi vertraut darauf, dass „das richtig und wichtig ist, was wir hier machen müssen“. Man sei dankbar, Unterricht machen zu dürfen, auch wenn man sich gerade an die Beeinträchtigungen gewöhnen müsse. „Es ist umständlich. Natürlich wird man unterbrochen, aber so viel Zeit geht dabei ja nicht verloren. Das ist alles eine Sache der Gewöhnung.“ Corbach schließt sich an und ergänzt: „Wir haben ja keine Alternative.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Beißvorfälle in Fröndenberg
Hundebisse in Fröndenberg-Dellwig: Maulkorb für Hunde, die nicht gebissen haben
Hellweger Anzeiger Betrug in Unna, Kamen, Holzwickede, Fröndenberg
Enkeltrick: Betrügerin ergaunerte von Senioren in einem Fall 35.000 Euro