Abi – und was nun? Der direkte Weg zum Studium ist mit dem Reifezeugnis längst nicht vorgezeichnet. Das beweisen auch 2019 Abiturienten der Gesamtschule Fröndenberg. Der Weg kann auch nach Australien führen.

Fröndenberg

, 07.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Er hat 2019 bei den Jungs das beste Abi an der Gesamtschule Fröndenberg gebaut. Für Nils Droste war aber schon lange klar, dass es nicht nahtlos mit dem Lernen weitergehen soll. Der 19-Jährige entschwindet erst einmal nach Australien.

Auslandsjahr bietet sich an, wenn der Berufswunsch noch unklar ist

Das Abitur ist das Reifezeugnis, das Zeugnis der Hochschulreife. Eine akademische Laufbahn muss damit aber nicht zwangsläufig verbunden sein, schon gar nicht unmittelbar nach der Entlassung von Gesamtschule oder Gymnasium. Denn ganz ehrlich – dann ginge es mit dem Pauken ja sofort weiter, ohne schon genau zu wissen, welche berufliche Neigung tatsächlich in einem schlummert. Das hat sich auch Nils Droste gedacht. Er strebt zwar ein Studium an. Englisch ist wohl sein Favorit. „Ich habe aber noch keine konkreten Vorstellungen“, gibt Nils zu. Auch wenn ihm mit einem Abischnitt von 1,7 sicherlich viele Türen offen stehen.

»Vielleicht bin ich am Ende ja noch etwas selbstständiger.«
Abiturient Nils Droste, 19

Mit einem Kumpel wird Nils stattdessen ein Jahr lang nach Australien gehen. „Work and Travel“ heißt das landläufig, wenn junge Leute vor Ausbildung oder Studium erst noch mal die Welt erkunden wollen. Arbeiten und reisen. Denn bestenfalls verdient sich Nils in Down under genügend australische Dollar, um den fernen Kontinent kennen lernen zu können. Und das ist genau sein Traum: „Die Ostküste bereisen, nach Sydney und Melbourne gehen“, erzählt Nils von seinen Plänen. Um ausreichende Einkünfte macht er sich gar keine großen Sorgen. In Australien werden viele Erntehelfer gesucht, als Kellner kann man sich auch gut verdingen.

Working-Holiday-Visum kann man online beantragen

Neben vielen Eindrücken aus einem unbekannten Land erhofft sich Nils nach einem Jahr in der Fremde eine persönliche Weiterentwicklung, die man ihm allein schon wegen seiner Entscheidung für den Auslandaufenthalt ohne Weiteres zutraut: „Vielleicht bin ich am Ende ja auch noch etwas selbstständiger.“ Sein erstes Domizil, ein Hostel ab dem 1. September, hat Nils schon gebucht. Für Work and Travel benötigte Nils zudem ein Working-Holiday-Visum, das man online beantragen kann. Das Auswärtige Amt informiert darüber, mit welchen Staaten es Abkommen über Working-Holiday-Programme gibt. „Die Tendenz, sich diese Zeit zu nehmen, ist da“, sagt Klaus de Vries, Leiter der Gesamtschule Fröndenberg, zu Work and Travel.

»Die Tendenz, sich diese Zeit zu nehmen, ist da.«
Gesamtschulleiter Klaus de Vries

Jahresprogramm der Rotarier richtet sich an 16- und 17-Jährige

Während Nils Droste sein Auslandsjahr an das Schulende anhängt, muss man für das Jahresprogramm des Rotary-Clubs Unna/Westfalen noch Schüler sein. Für 16- und 17-Jährige, also meistens Zehnt- oder Elftklässler ist das Auslandsprogramm ausgelegt. Die Bewerber können ein Wunschland benennen, das nach Möglichkeit auch Wirklichkeit werden soll. Man besucht in dem Land die Schule und wechselt zwei bis dreimal in dieser Zeit die Gastgeberfamilie. „Es gibt eine sehr intensive Betreuung vor Ort“, weiß Rotarier Jürgen Schneider. Schließlich ist Rotary ein weltumspannender Serviceclub.

»Familien, die ein Kind in die Welt schicken, sollen die Welt auch aufnehmen.«
Jürgen Schneider, Rotary-Club Unna/Westfalen

Bei der Auswahl der Kandidaten gibt es einen langen Vorlauf. Wer es am Ende schafft, erfährt in einem Trainingsprogramm Wissenswertes über Kultur, Land und Leute. Der Rotary Club erhebt einen Bearbeitungspreis von 500 Euro, Auslandskrankenversicherung und Flug muss man selbst übernehmen. Vor Ort gibt es ein Taschengeld von den Rotariern. Eine Bedingung gibt es: eigene Gastfreundlichkeit. „Familien, die ein Kind in die Welt schicken, sollen die Welt auch aufnehmen“, sagt Jürgen Schneider. Für das Jahresprogramm 2020 kann man sich noch bis zum 31. Oktober bewerben unter www.unna-westfalen.rotary.de (Kontakt).

Für ein US-Stipendium kann man sich bis September bewerben

Eine weitere Möglichkeit, als Schüler, Azubi oder junger Berufstätiger über ein Stipendium ein Jahr im Ausland zu verbringen, konkret in den Vereinigten Staaten, bietet das Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) von Bundestag und US-Kongress. Übernommen werden die Reise- und Programm- sowie die Versicherungskosten. Um Junior-Botschafter für Deutschland zu werden, muss man als Schüler zwischen 15 und 17 Jahre alt sein, Azubis oder junge Berufstätige dürfen maximal 24 Jahre alt sein.

»Das ist eine tolle Gelegenheit, Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen.«
Oliver Kaczmarek, SPD-Bundestagsabgeordneter

Auch Oliver Kaczmarek, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Unna I, beteiligt sich wieder an dem interkulturellen Austausch und wirbt für das nächste Austauschjahr 2020/21: „Dieses Programm gibt jungen Menschen Gelegenheit, amerikanisches Familien-, Highschool- und Arbeitsleben zu erfahren. Das ist eine tolle Gelegenheit, eine andere Kultur kennenzulernen und Fremdsprachenkenntnisse zu vertiefen.“ Die Bewerbungsfrist für das 37. PPP 2020/21 endet am 13. September 2019. Weitere Informationen gibt es unter www.bundestag.de/ppp.

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