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Heinrich Böhle ist zwar selbst erst 46 Jahre alt, gibt seinen Betrieb aber schon an den Sohnemann ab. Die Kreishandwerkerschaft gratuliert und lobt den Familienbetrieb.

Fröndenberg

, 08.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Angst sei das falsche Wort. Kevin Böhle hat Respekt, aber positiven, vor der großen Aufgabe, die ihm zu Beginn dieses Jahres übertragen wurde. Der junge Mann ist erst 21 Jahre alt - und leitet inzwischen seinen ersten kleinen Betrieb für Sanitärtechnik mit zwei Angestellten. Ein Auszubildender und sein eigener Vater, Heinrich Böhle.

Die familiäre Prägung mache das Handwerk aus

Volker Stein, zuständiger Geschäftsstellenleiter der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, hat dem jungen Selbstständigen und Mitglied der Innung für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik nun die Glückwünsche des gesamten Handwerks ausgesprochen: „Ich finde es schön, wenn familiäre Betriebe weitergeführt werden, und das nicht aus Not, sondern weil es passt“, sagt Stein. Die familiäre Prägung sei das, was das Handwerk ausmache, sagte er im Kreise der Familie und des kleinen Betriebs am Kamin von Vater Heinrich Böhle. „Da komme ich auch gerne vorbei, weil das einfach Spaß macht.“

Berufswunsch stand schon in jungen Jahren fest

Dass Kevin Böhle eine Ausbildung macht, nach der 10. Klasse beim Vater im Betrieb mit einsteigt, stand für alle schon lange fest. War er doch im Alter von acht Jahren schon gerne mit Papa, der damals noch nicht selbstständig war, auf der Arbeit. Besonders gerne hat er damals unterschrieben. Es gebe heute noch Stammkunden, die Rechnungen mit der Unterschrift des achtjährigen Kevin zu Hause haben.

Die Ausbildung im Handwerk ist keine Einbahnstraße

Es sei wichtig, einen Beruf zu ergreifen, der Spaß macht, einfach passt, sagt Volker Stein von der Kreishandwerkerschaft. Viele junge Menschen würden von den Eltern zum Abitur und eventuell und anschließend noch ins Studium getrieben. Die Abbrecherquote sei hoch. Eine Ausbildung sei keine Einbahnstraße. Wer sich weiterentwickeln will, macht den Meister, kann in andere Bereiche wechseln. „Der Meister ist gleichbedeutend mit einem Bachelor“, sagt Kevin Böhle. „Wenn ich keine Lust mehr habe, könnte ich zum Beispiel Polizist werden.“

Geeignete Auszubildende sind nicht mehr einfach zu finden

Geeignete Auszubildende zu finden, falle den Betrieben schwer, sagt Volker Stein. Heinrich Böhle hat sich in der eigenen Familie bedient - und jüngst wieder im Freundeskreis. Seinen neuen Azubi Alexandro Perkovic kennt er schon, seit der Dortmunder ein kleiner junge war, der bei ihm auf dem Hof gespielt hatte. Und die steile Karriere von Kevin Böhle spornt den noch jungen Mitarbeiter jetzt an.

Kevin Böhle wurde ganz bewusst ins kalte Wasser geschmissen

Die Redewendung „ins kalte Wasser schmeißen“ wird im Gespräch zwischen den Böhle Mitarbeitern und Volker Stein von der Kreishandwerkerschaf mehrmals verwendet. Einige hätten ihm davon abgeraten, direkt so viel Verantwortung zu übernehmen, sagt Kevin Böhle. Abhalten konnte ihn das nicht: „Wo könnte ich besser Erfahrungen sammeln“, ist er sich sicher. Der Papa indes weiß, dass sein Sohn die neue Aufgabe meistert; ließ ihn schon in der Ausbildung Aufgaben selbstständig lösen, was in Großbetrieben oft nicht möglich sei: „Er ist total ehrgeizig, geht da richtig drin auf.“

Im Sommer auf dem Hof, im Winter im Betrieb

Die Übernahme des Betriebs durch den Sohn war gewollt und geplant. Mit 23 hatte Heinrich Böhle den Hof, den er nun mit mehr Zeit betreiben kann, bekommen. Es musste viel getan werden, bis er sich als Reitanlage rentieren konnte. Böhle hat sein Handwerk gelernt, weil es gut mit dem Saisonbetrieb auf dem Hof vereinbar war. Im Winter hatte er im Sanitärbereich mehr zu tun, im Sommer im landwirtschaftlichen Betrieb. Im Jahr 2010 machte er sich selbstständig und seitdem ist er noch flexibler.

„Inzwischen kann man von der Reitanlage leben, wir haben 65 Pferde“, sagt Heinrich Böhle. Die logische Konsequenz: Sein Sohn übernimmt - und entlastet den Vater, der seinen Sohn als günstiger Mitarbeiter weiter unterstützt.

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