Messie-Haus in Bausenhagen: „Man hat neben einer tickenden Zeitbombe gewohnt“

dzWaffenfund in Fröndenberg

Ein Kampfmittelräumdienst birgt seit Wochenbeginn Waffen und Munition aus dem Messie-Haus an der Palzstraße. Eine Nachbarin ist schockiert, was alles aus dem Haus geholt wird.

Fröndenberg

, 23.07.2020, 17:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass ein Messie in dem Haus an der Palzstraße wohnt, wussten die Bausenhagener schon lange. Wie schlimm es in der Wohnung wirklich aussah und welche Waffenberge sich darin türmten, ist ihnen allerdings erst seit einigen Tagen bewusst. Seit Anfang der Woche räumt ein Kampfmittelräumdienst die Wohnung aus und birgt dabei Pistolen, Munition, Handgranaten, Zünder und auch Teile einer Panzerfaust.

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„Dass das so heftig ist, was er da hortet, wusste keiner“, sagt Desirée Voß. Die Bausenhagenerin wohnt zwei Häuser weiter die Palzstraße hinauf. Täglich fährt sie mit ihrem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit an dem Haus vorbei. „Man hat neben einer tickenden Zeitbombe gewohnt.“

In Bausenhagen bekannt gewesen

Sie erinnert sich, dass der Vorbesitzer im Dorf vor allem bei den älteren Einwohnern für seine aggressives Verhalten bekannt war. „Man hatte Angst vor ihm. Man sollte ihn bloß nicht schief anschauen.“ Dabei habe sich der Mann nur selten im Dorf blicken lassen, sei meist in seiner Wohnung geblieben.

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Voß selbst hat keine schlechten Erfahrungen mit ihm gemacht. „Mir hat er nie was getan, ich hatte keine Angst vor ihm.“ Sie erinnert sich noch daran, dass ihre Familie mit den Eltern des Vorbesitzers ein freundliches Verhältnis hatten. „Mein Opa hat dort immer frische Eier gekauft.“

Waffen gibt es in dem Haus an der Palzstraße noch haufenweise. Die "scharfen" sind bereits vor einigen Wochen von der Polizei beschlagnahmt worden. Hier zeigen Maschinist Jonas Schramek (r.) und sein Kollege vom Kampfmittelräumdienst einige Pistolen, die sie unter Bergen von Müll gefunden haben.

Waffen gibt es in dem Haus an der Palzstraße noch haufenweise. Hier zeigen Maschinist Jonas Schramek (r.) und sein Kollege vom Kampfmittelräumdienst einige Pistolen, die sie unter Bergen von Müll gefunden haben. © Hornung

Trotzdem hat sie jetzt ein mulmiges Gefühl, wenn sie an dem Haus vorbeifährt. „Ich habe gar nicht gewusst, dass er Waffen und dergleichen hortet.“ Sie ist froh, dass nie etwas passiert ist. „Da hätte ja auch mal eine Handgranate durch die Gegend fliegen können.“ Was bei ihr allerdings auch andere Fragen aufwirft: „Was hatte er damit vor? Und wo hatte er die Waffen eigentlich her? Wir leben ja nicht in der USA, wo man in den nächsten Laden geht und sowas kauft.“

Mulmiges Gefühl im Bauch

Mit Blick auf die Geschehnisse im Messie-Haus ist sie erleichtert, dass endlich „klar Schiff“ gemacht wird. „Ich würde da trotzdem nicht wohnen wollen“, sagt sie. „Bei der Vorgeschichte hätte ich immer ein mulmiges Gefühl.“

Dass die Stadt wegen des Messie-Hauses nie etwas unternommen hat, kann die Bausenhagenerin nicht verstehen. „Das sah ja schon immer so aus.“ Der Vater des Vorbesitzers habe bereits eine kleine Sammelwut gehabt, wie Voß es beschreibt, nach seinem Tod sei es dann eskaliert. „Es ist schon Wahnsinn, wenn man sieht, was da aus dem Haus geholt wird“, sagt sie. „Mir tun die Eigentümer leid. Da ist bestimmt noch viel zu tun.“

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