Messerstiche im Himmelmannpark: Opfer erhielt sieben Blutkonserven

dzProzessauftakt in Dortmund

Vor sechs Monaten wurde ein 25-jähriger Mann im Himmelmannpark mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter will sich im Prozess in Dortmund schweigend verteidigen.

Fröndenberg

, 29.04.2020, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besonders lang war die Anklageschrift nicht, die Staatsanwalt Henner Kruse am Mittwoch vor dem Dortmunder Schwurgericht verlas. Doch sie hatte es in sich. Kruse wirft dem 30-jährigen Angeklagten einen versuchten heimtückischen Mord vor. Für eine solche Tat könnten die Richter am Ende sogar lebenslange Haft verhängen. Aber auch eine kürzere, zeitige Haftstrafe ist möglich.

Tathergang ist unklar

Bisher ist allerdings noch völlig unklar, was genau sich in der Nacht des 18. Oktober 2019 im Himmelmannpark abgespielt hat. Die Staatsanwaltschaft rekonstruiert das Geschehen so: Zwischen dem Angeklagten und dem später verletzten 25-jährigen Mann aus Menden sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf der Angeklagte den anderen Mann aufforderte, den Mond anzuschauen.

Jetzt lesen

Mit dem hellen Schein vor den Augen sei es dem Mendener dann nicht möglich gewesen, zu erkennen, was sein Gegenüber vorhatte, so Staatsanwalt Kruse weiter. Mit einem Küchenmesser habe er den Angreifer seinem Kontrahenten dann mehrere Messerstiche versetzt.

Zufall rettete das Opfer

Am Ende soll der Angeklagte den stark blutenden Verletzten im Bereich des Ruhrbalkons zurückgelassen haben. Und das, obwohl er genau gewusst habe, dass der Mann auch sterben könnte. „Dieser Bereich des Parks ist um diese Uhrzeit nur wenig frequentiert“, so Staatsanwalt Kruse am Mittwoch. Der Mann aus Menden verdanke sein Leben also vor allem dem Zufall, dass er überhaupt gefunden wurde.

Jetzt lesen

Natürlich hatten aber auch die Ärzte einen erheblichen Anteil daran, dass das Opfer die Stichverletzungen überlebte. Schon die kargen Angaben in der Anklageschrift sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Der 25-Jährige erlitt neben oberflächlichen Hautverletzungen an Kopf und Hals auch eine Reihe von tiefen Stichverletzungen am Oberkörper und sogar am Steiß. Die Lunge fiel in sich zusammen, der Dickdarm wurde perforiert. Im Rahmen der Notoperation mussten dem Verletzten sieben Blutkonserven verabreicht werden.

Zahlreiche schwere Verletzungen

Inzwischen hat der 25-Jährige zumindest die körperlichen Folgen aber so weit auskuriert, dass er im Prozess als Zeuge vernommen werden kann. Mit ihm zusammen sollen am Donnerstag auch Ermittlungsbeamte der Polizei und die Freunde geladen werden, die ihn schwer verletzt im Park gefunden haben.

Der Angeklagte hat sich derweil entschieden, selbst nichts zur Aufklärung des Falles beitragen zu wollen. „Wir werden keine Angaben zur Sache machen“, sagte Verteidiger Bernd Kachur den Richtern. Und Mitverteidigerin Gesine Ickert nickte heftig.

Jetzt lesen

Unmittelbar nach der Bluttat hatte der 30-Jährige bei der Polizei eine Notwehr-Variante geschildert, die ihn zunächst sogar von der Untersuchungshaft verschonte. Danach hatte er sich mit dem Mendener gestritten und sei von ihm in den Park verfolgt worden. Dort habe der Kontrahent dann ihn zuerst angegriffen und er habe sich nur gewehrt.

Chat-Verläufe werden eingeführt

Diese Version soll inzwischen jedoch auf wackeligen Beinen stehen, weil es Chat-Verläufe geben soll, die daran zweifeln lassen. „Die Niederschriften der Chats werden wir natürlich in den Prozess einführen“, sagte die Vorsitzende Richterin Britta Graja am Mittwoch. Das wird allerdings erst zu einem spätere Zeitpunkt geschehen.

Mit einem schnellen Urteil rechnet in Dortmund derzeit niemand. Die Kammer wurde sogar eigens um einen Ergänzungsschöffen aufgestockt - für den Fall, dass ein anderer in dem Verfahren erkrankt.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Schwimmen in Fröndenberg
Freibad Dellwig: Vorzeitige Vertragsverlängerung fast in trockenen Tüchern
Hellweger Anzeiger Verkehrssicherheit
Tempo 30 auf Schulweg von Behörden abgelehnt – Überholverbot soll Autofahrer ausbremsen
Hellweger Anzeiger Barrierefreiheit
Bushaltestellen „Vogt“ sollen im Zuge der Sanierung der L673 barrierefrei werden