Messerstecher-Prozess: Männer stritten sich um eine 17-Jährige

dzMesserattacke im Himmelmannpark

Im Prozess um die blutige Messerattacke im Himmelmannpark äußert sich der Angeklagte erstmals selbst zu den Vorwürfen. Derweil versteht das Opfer auf dem Gerichtsflur die Welt nicht mehr.

Fröndenberg

, 12.06.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-jährigen Angeklagten aus Fröndenberg vor, am späten Abend des 18. Oktober 2019 auf seinen 25 Jahre alten Kontrahenten aus Menden eingestochen zu haben. Tatort war der Himmelmannpark.

Während das Opfer der Messerattacke den Richtern schon an einem der ersten Verhandlungstage lange und ausführlich Rede und Antwort gestanden hat, hatte sich der mutmaßliche Täter bisher noch nicht selbst zu den Vorwürfen geäußert. Bekannt war jedoch, dass er unmittelbar nach der Tat bei der Polizei angegeben hatte, er habe in Notwehr zugestochen.

Angeklagter sagt aus

Am Freitag wollte der Fröndenberger nun die Gelegenheit nutzen, auch die Richter an seiner Version der Geschichte teilhaben zu lassen. Seine Aussage zog sich über mehrere Stunden hin und beschäftigte sich ausführlich auch mit den Hintergründen des Streits zwischen den Männern. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht eine erst 17 Jahre alte Frau, von der das Opfer behauptet, sie sei seine Freundin gewesen und der Angeklagte habe versucht, sich an sie heranzumachen.

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In der Aussage des Fröndenbergers klang das jedoch anders. Er gab zwar zu, Kontakt mit der 17-Jährigen gehabt zu haben. Dieser sei jedoch nicht von ihm, sondern von der Jugendlichen ausgegangen.

In den Tagen und Wochen vor der Bluttat will der 30-Jährige dann immer wieder von dem späteren Opfer angerufen und angeschrieben worden sein, wobei dieser ihn auch immer beleidigt und provoziert habe. Kurz vor dem fatalen Abend im Himmelmannpark habe es sogar schon ein erstes persönliches Aufeinandertreffen gegeben, in dessen Verlauf der Mendener ihn aufgefordert habe: „Komm her und lass mich deine Männlichkeit sehen.“

Opfer muss wieder gehen

Nach Ansicht des Angeklagten war also allein der andere Mann der Aggressor, während er eigentlich immer bemüht gewesen sei, die Wogen zu glätten.

Genau das musste am Freitag auch Opfer-Anwalt Martin Düerkop tun, als er dem Opfer der Messerattacke auf dem Gerichtsflur mitteilen musste, dass die eigentlich geplante erneute Zeugenvernehmung leider abgesagt werden musste. Das Problem war nämlich: Die Richter hatten den Mann bereits zum dritten Mal erneut geladen und mussten ihn zum dritten Mal unverrichteter Dinge wieder entlassen.

Da war der Unmut natürlich groß. „Die wollen mich doch verar...“, fluchte der Mann und stapfte wütend davon. Wann er wiederkommen soll, steht noch nicht fest.

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