Mordversuch im Himmelmannpark: Chats und Rechtsmediziner bringen Klarheit bei Messerattacke

dzMesserangriff

In Sachen Messerattacke im Himmelmannpark hat die Staatsanwaltschaft Dortmund jetzt Anklage beim Schwurgericht erhoben. Ein Chatverlauf und die Aussage eines Rechtsmediziners brachten Licht ins Dunkel.

Fröndenberg

, 28.01.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen den mutmaßlichen Messerangreifer aus dem Himmelmannpark Anklage wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Es gibt weitere Indizien, die den Tatverdacht erhärten.

»Es ist deutlich plausibler, was das Opfer sagt.«
Staatsanwalt Felix Giesenregen

Er habe die Anklage jetzt beim Schwurgericht in Dortmund erhoben, bestätigte der ermittelnde Staatsanwaltschaft Felix Giesenregen am Dienstag auf Nachfrage. Als Schwurgericht wird die Große Strafkammer des Landgerichts bezeichnet, die sich mit Kapitalverbrechen, also vor allem mit Tötungsdelikten befasst.

Der Tatvorwurf des versuchten Mordes gegen den Mann aus Fröndenberg habe sich bei den weiteren Ermittlungen in den vergangenen Wochen erhärtet.

So könnten die Angaben des damals 30-jährigen Beschuldigten, von dem Tatopfer aus Menden zuvor selbst angegriffen worden zu sein, durch mehrere Indizien widerlegt werden. Die behauptete Notwehr sei damit widerlegt.

Inzwischen ist nämlich der Gesprächsverlauf eines Chats auf den Handys der beiden Männer ausgewertet worden. Der Chat war in einem arabischen Dialekt geführt worden.

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Info

Strafmaß bei Mord und Mordversuch

  • Den Tatbestand des Mordes regelt das Strafgesetzbuch in Paragraf 211. Mörder ist demnach unter anderem, wer bei der Tötung heimtückisch handelt. Heimtücke bedeutet, dass das Opfer arglos war, also nicht mit einem Angriff auf seine Person rechnen musste.
  • Auf vollendeten Mord steht in der Regel die Verhängung einer lebenslangen Haftstrafe. Der Versuch kann, muss aber nicht milder bestraft werden. Gibt es Milderungsgründe, darf die Mindesstrafe bei einem versuchten Mord aber nicht unter drei Jahren liegen.
  • Die in Tateinheit angeklagte gefährliche Körperverletzung (wegen des Einsatzes eines Messers) wird voraussichtlich in das Gesamtstrafmaß eingeschlossen. Als eigener Straftatbestand könnte sie dann wieder von Bedeutung werden, wenn das Gericht anders als die Staasanwaltschaft keine Mordmerkmale sieht.

Der zum Tatzeitpunkt 25-jährige Mendener hatte bereits zuvor ausgesagt, dass es am Abend des 18. Oktobers im Himmelmannpark zunächst zu einem Streit zwischen den beiden Männern gekommen sei und der Fröndenberger dann mit einem Messer auf ihn eingestochen habe.

Der Austausch im Chat belege nun, „dass der Geschädigte die Wahrheit gesagt hat“, so Staatsanwalt Giesenregen. Als kuriosen Begleitumstand hatte das Opfer geschildert, wie er nach Aufforderung des Fröndenbergers den Mond habe anschauen sollen, vor dem Messerstich durch das Mondlicht dann geblendet wurde.

Zudem bestätigten die Analysen des Rechtsmediziners das vom Opfer geschilderte Tatgeschehen. Während der Beschuldigte von „einem Kampfgeschehen auf dem Boden“ berichtet habe, seien bei diesem allerdings überhaupt keine Verletzungen feststellbar gewesen. „Es ist deutlich plausibler, was das Opfer sagt“, so der Anklagevertreter.

Welches Strafmaß er letztlich fordern werde, hänge noch mitentscheidend von den Ergebnissen des Strafprozesses ab. So könnten sich zurückgebliebene körperliche oder psychische Beeinträchtigungen des Opfers strafschärfend auswirken. Augenzeugen der Tat gibt es nicht.

Staatsanwalt Giesenregen geht davon aus, dass die Hauptverhandlung spätestens Ende April eröffnet wird; bis dahin dauert auch mindestens die U-Haft an.

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