Masern-Impfpflicht wird für junge Lehrer und Erzieherinnen zur Herausforderung

dzImpfgesetz

Masern gelten als Kinderkrankheit. Die Impfpflicht ab dem 1. März beschäftigt daher die Schulen und Kitas. Auch für Eltern sowie jüngere Lehrer und Erzieherinnen gilt es aber nun, Wichtiges zu beachten.

Fröndenberg

, 16.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Deutschland erreicht derzeit bei der empfohlenen Zweitimpfung gegen Masern nicht die von der Ständigen Impfkommission geforderte Impfquote. Ab dem 1. März gilt daher eine Impfpflicht. An wen sich die Pflicht richtet, was Eltern, Lehrer und Erzieherinnen jetzt beachten müssen, erklären wir hier:

? Muss jeder ab dem 1. März seinen Impfpass bei sich tragen und eine Impfung gegen Masern nachweisen?

Nein. Die Impfpflicht betrifft ausdrücklich einen ganz bestimmten Personenkreis: Es handelt sich dabei um Kinder und Jugendliche, die in einer sogenannten Gemeinschaftseinrichtung, also zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen, betreut werden sowie dort Beschäftigte.
Eine entscheidende Einschränkung betrifft das Alter der Personen: Die Impfpflicht erstreckt sich nur auf Menschen, die nach 1970 geboren sind. Damit kommen auf jüngere Lehrer und Erzieherinnen besondere Pflichten zu.

Monika Corbach

Monika Corbach © Udo Hennes

»Wir können nicht selbst auf Eltern einwirken, sondern fragen beim Gesundheitsamt nach.«
Monika Corbach, Leiterin der Overbergschule

? Müssen Eltern, deren Kinder eine Kita oder die Schule besuchen, bis zum 1. März den ausreichenden Impfschutz prüfen lassen?

Die Impfung gegen Masern muss ab diesem Datum nur bei Neuaufnahmen in eine Kita oder Schule nachgewiesen werden, erläutert Monika Corbach. Praktisch werde dies für die Overbergschule in Fröndenberg und alle anderen Schulen daher erst zur nächsten Einschulung im Sommer, so die Schulleiterin.
„Wechselt vorher ein Kind von einer anderen Schule zu uns, fragen wir bei der alten Schule nach“, erklärt Corbach. Liegen bei der früheren Schule des Kindes keine Informationen vor, meldet die Overbergschule den Fall dem Gesundheitsamt beim Kreis Unna.

? Welche Pflichten kommen auf Eltern zu, deren Kinder demnächst eine Grundschule besuchen?

Im Fall der Overbergschule sind die Anmeldungen der i-Männchen für das nächste Schuljahr bereits abgeschlossen. Die Eltern werden nun vom Kreisgesundheitsamt zur Vorschuluntersuchung eingeladen.
Routinemäßig wird in diesem Rahmen auch der Impfstatus der Kinder überprüft – soweit die Eltern dieser Einladung nachkommen. Das Gesundheitsamt teilt den Grundschulen den Impfstatus der künftigen Erstklässler mit. „Wir müssen uns von den Eltern daher keine Impfbücher zeigen lassen“, sagt Monika Corbach.

Zur Sache

Schulpflicht geht vor Impfpflicht

  • Wird der Nachweis über einen ausreichenden Impfschutz nicht erbracht oder verweigern Eltern die Impfung ihres Kindes, befreit das nicht von der Schulpflicht: Wegen einer fehlenden Impfung dürfen Schüler von den Schulen nicht abgewiesen werden.
  • Das Impfgesetz droht zwar Bußgelder an für den Fall, dass der Impfpflicht nicht nachgekommen wird; beim Kreis Unna setze man zuvorderst aber auf Information und Beratung der Eltern, sagt Pressesprecherin Constanze Rauert.
  • Ohnehin gebe es im Kreis Unna bereits heute eine ausreichende Impfquote, die für die Zweitimpfung bei 95 Prozent liegen soll.
  • Der Kreis führt diese gute Rate auf seine vor 15 Jahren gestartete Impfkampagne „Kreis Unna – besser geimpft“ zurück, die sehr gut angenommen wird.
  • Im Zeitraum zwischen 2013 und 2019 sind beim Kreisgesundheitsamt insgesamt neun Fälle von Masern angezeigt worden; 2019 waren es allein zwei Fälle. Zum Vergleich mit einer anderen ansteckenden Krankheit: 2018 gab es 1130 und 2019 immerhin 610 Fälle von Influenza.
  • Der Kreis Unna informiert allgemein über Infektionskrankheiten sowie speziell über Masern im Internet unter www.kreis-unna.de.

? Und wie verhält es sich bei Kindern, die erstmals in eine Kita gehen?

Die Betreuungsverträge für das neue Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, sind im Fröndenberger Matthias-Claudius-Kindergarten im Januar bereits mit den Eltern abgeschlossen worden.
In den Beratungsgesprächen hat Leiterin Dagmar Huth daher auf die Pflicht zur Impfung gegen Masern hingewiesen. „Zweijährige haben erst eine Impfe“, spricht Huth ein Problem für Kitas an. Denn viele Eltern lassen ihre Kinder nicht, wie empfohlen, auch tatsächlich im empfohlenen Alter von 24 Monaten ein zweites Mal impfen.
Im vergangenen Jahr habe sie aus den Gesprächen mit Eltern erfahren können, dass sämtliche Kinder durchgeimpft waren.

? Gilt für Kinder, die am 1. März bereits auf der Schule oder im Kindergarten waren, denn keine Impfpflicht mehr?

Doch, aber im Gesetz ist eine Frist bis zum 31. Juli 2021 für den Nachweis über die erfolgte Impfung eingeräumt worden. Dagmar Huth hält das für durchaus problematisch. „Wie kontrolliert man das?“, fragt die Erzieherin.
Weil der Matthias-Claudius-Kindergarten eine recht kleine Einrichtung ist, hat Dagmar Huth bereits Gewissheit darüber, dass alle Kinder, die zurzeit betreut werden, einen ausreichenden Impfschutz haben. Womöglich werde man andernfalls und andernorts darum bitten müssen, einen Blick ins Impfbuch werfen zu dürfen.
Auch Monika Corbach überlegt noch, wie der Nachweis am einfachsten zu führen sein wird. In Frage kommen an der Overbergschule sämtliche Dritt- und Viertklässler des kommenden Jahres. Man könne sich zum Beispiel bei Elternsprechtagen den Impfpass des Kindes zeigen lassen.

Dagmar Huth

Dagmar Huth © Marcus Land

»Die Schwierigkeit besteht bei den Kindern, die schon da sind.«
DAGMAR HUTH, LEITERIN DES MATTHIAS-CLAUDIUS-KINDERGARTENS

? Und wie finden Mitarbeiter der Schulen und Kindergärten heraus, ob sie einen ausreichenden Impfschutz haben?

Weil die Masern vor 1970 in Deutschland noch grassierten, wird von einem ausreichenden Schutz wegen der durchgemachten Krankheit bei älteren Jahrgängen ausgegangen. Nach Einführung der Masernimpfung 1970 könnten aber Impflücken entstanden sein, weil Eltern Impftermine ihrer Kinder verpasst haben.
Der Träger des Matthias-Claudius-Kindergartens beispielsweise hat bereits im vergangenen Jahr eine betriebsärztliche Untersuchung angeordnet, bei der Erzieherinnen sich bei Bedarf auch gegen Masern impfen lassen konnten. Für die Lehrerinnen und Lehrer der Overbergschule steht ein solcher Nachweis noch an.
Bis zum 31. Juli 2021 heißt es dann: alte Impfbücher suchen, die eigenen Eltern nach eventuell durchgemachter Masernerkrankung befragen oder notfalls eine Impfung nachholen. Denn alle Personen aus Gemeinschaftseinrichtungen ohne Impfschutz müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

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