Lidl will doch Anbau: Politik von Plänen des Discounters mächtig überrascht

dzLebensmittelmarkt

Lidl will seinen Markt an der Wilhelm-Feuerhake-Straße doch erweitern. Die Stadtverwaltung räumte wenige Tage nach einer anderen Auskunft ein, dass der Discounter auch baulich wachsen will.

Fröndenberg

, 10.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst hatte es auf Anfrage dieser Redaktion geheißen, Lidl wolle lediglich die innere Gestaltung seines bestehenden Marktes ändern und modernisieren. Im Fachausschuss kam jetzt heraus: Der Lebensmittelmarkt soll deutlich größer werden.

In der ersten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt nach der Corona-Pause in der Schützenhalle Hohenheide brachte es eine Frage von SPD-Ratsherr Gisbert Herrmann ans Licht: Lidl plant viel mehr, als zunächst bekannt wurde.

Der Lokalpolitik hatte das Bauamt lediglich eine Tabelle vorgelegt, in der von einer „Voranfrage zur Erweiterung des Lidl-Lebensmittelmarktes, Wilhelm-Feuerhake-Straße 10“ die Rede war.

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Vor die Frontseite will Lidl den Anbau an seinen Markt an der Wilhelm-Feuerhake-Straße setzen.

Vor die Frontseite will Lidl den Anbau an seinen Markt an der Wilhelm-Feuerhake-Straße setzen. © Marcus Land

Die Adresse von Lidl kenne man, meinte Gisbert Herrmann ungeduldig, man wolle vielmehr wissen, was Lidl denn dort vorhabe. „Lidl plant dort einen Anbau“, teilte Bauamtsleiter Martin Kramme mit. Auf die gleichlautende Frage dieser Redaktion vor wenigen Tagen war davon noch nicht die Rede.

Um 17 Meter an der Frontseite, „bis kurz vor die Bäckerei“, so Kramme, wolle Lidl seine Filiale vergrößern. Es entfielen dadurch nur wenige Parkplätze, meinte Kramme auf Nachfrage von Ausschussmitglied Maria Lauschner. Betroffen sei nur die Parkplatzreihe direkt vor dem Lidl-Gebäude.

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Info

Städtebauliche Ziele und konkretes Baurecht

  • Das Baugesetzbuch schreibt den Kommunen vor, einen Flächennutzungsplan für das ganze Gemeindegebiet aufzustellen.
  • In Grundzügen soll darin die sich aus der gewünschten städtebaulichen Entwicklung ergebende Art der Bodennutzung nach den voraussehbaren Bedürfnissen der Gemeinde dargestellt werden.
  • Beispiele: Wo sollen Industrie- und Gewerbegebiete enstehen, wo soll großflächiger Einzelhandel angesiedelt werden?
  • Der Bebauungsplan, der eine Satzung ist, schafft auf dieser Grundlage konkretes Baurecht.
  • Die Kommune lässt durch ihren Stadtrat in dem B-Plan festlegen, welche Nutzungen in welchem Ausmaß auf einer bestimmten Gemeindefläche zulässig sind.

Weil es sich um eine Veränderung der Verkaufsfläche handelt, sind baurechtliche Vorgaben zu beachten. Der gültige Flächennutzungsplan sei aus dem Jahr 2004. Damals habe es noch andere Dimensionen bei Discountern und Supermärkten gegeben. „Seitdem hat sich die Landschaft verändert“, so Martin Kramme.

Bauvoranfrage soll Zulässigkeit klären

Fraglich ist daher, ob Lidl unter dem geltenden F-Plan sein Vorhaben überhaupt umsetzen dürfte. Wie bereits berichtet, spricht sich auch das Einzelhandelsstandorts- und Zentrenkonzept für Fröndenberg aus dem Jahr 2009 gegen eine Erweiterung der Verkaufsfläche an der Wilhelm-Feuerhake-Straße aus. Damit soll letztlich ein Ausbluten der Innenstadt verhindert werden.

Das Ansinnen von Lidl wird nun im Rahmen einer Bauvoranfrage, der Vorstufe eines Bauantrags, geprüft. Auch bei Erweiterungsplänen des Rewe-Marktes in Dellwig war so vorgegangen worden.

Sollte sich der Flächennutzungsplan dabei allerdings als Hindernis herausstellen, müsste dieser geändert werden. Im F-Plan wird die gewünschte städtebauliche Entwicklung gesteuert.

Eine Änderung könnte laut Martin Kramme eineinhalb bis zwei Jahre dauern.

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