Bunt beleuchtete Kirchtürme sieht man selten. Das findet David Dinse aus Dellwig schade – und bringt den heimischen Kirchturm im Advent zum Strahlen. Ganz fertig ist er aber noch nicht.

Fröndenberg

, 07.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Spätestens als David Dinse im Alter von sieben Jahren den Unnaer Lichtkunstkeller im Keller seiner Eltern nachgebaut hat, war klar, dass er einmal ein eingefleischter Techniker und Tüftler werden wird. Heute bringt er einen ganzen Kirchturm zum Erleuchten. Die Fenster der evangelische Kirche in Dellwig schimmern seit dem ersten Advent jeden Abend in einem „adventlichen“ blau. Dinse hat sparsame LED-Leuchten in neun Kirchturmfenstern platziert und entwickelt das Projekt immer weiter. Er tauscht Lampen aus, verändert die Farben und kontrolliert die Technik regelmäßig. Derzeit leuchtet der Turm täglich ab 17 Uhr blau, doch schon morgen könnte es violett sein. Das passe gut zum Advent, erklärt der 20-jährige Student.

Licht als Leidenschaft: David Dinse erleuchtet den Dellwiger Kirchturm

Inmitten von Balken und Glocken tüftelt David Dinse an seinem Controller und den Lampen herum. © Pott

Lichtkunst über die Stadtgrenze hinaus

David Dinse studiert im fünften Semester Technische Informatik an der Fachhochschule Südwestfalen in Hagen. Er möchte später aber nicht im Bereich Lichttechnik arbeiten, sondern mit Robotern. Dem Licht wendet er sich stattdessen in seiner Freizeit zu – mit vollem Elan. Bei Orgelkonzerten in der Kirche Dellwig sorgt er regelmäßig für atmosphärisches Licht. Sein Herzensprojekt ist aber das jährliche Orgelkonzert in der Abteikirche Marienstatt.

„Es ist beeindruckend, wie eine Kirche wirken kann, wenn man am Licht feilt.“

Zum dritten Mal hat er die Orgelspieler dieses Jahr mit Licht begleitet – im wahrsten Sinne des Wortes. Dinse hat es der Musik angepasst und war am Ende selbst überrascht von dem Ergebnis. „Es ist beeindruckend, wie eine Kirche wirken kann, wenn man am Licht feilt.“

Enger Kontakt zur Evangelischen Kirchengemeinde in Dellwig

Seine Idee, die Kirche in Dellwig nicht nur von innen, sondern in der Adventszeit auch von außen zu beleuchten, kam bei Pfarrer Jochen Müller gleich gut an, erinnert sich Dinse. Der Kontakt zur Kirchengemeinde besteht schon lange. Dinses Mutter, Marion Winkler, spielt die Orgel und ist in der Gemeinde sehr aktiv. Auch ihr Sohn ist musikalisch, spielt er doch nicht nur mit dem Licht, sondern auch die Oboe. Eine feste Position hat er in der Gemeinde jedoch nicht und auch die Gottesdienste sind nicht das, was ihn in die Kirche lockt - ihm gefalle einfach das alte Gebäude und natürlich die Möglichkeit, die alten Gemäuer mit modernster Technik ins beste Licht zu rücken. „Ich bin ständig hier in der Kirche. Jeder kennt mich“, so Dinse. Praktisch ist da auch, dass er nur 50 Meter entfernt wohnt.

Geringer Stromverbrauch dank moderner LEDs

Die Kabel, die Lampen und der Controller, der den Strom verteilt und die Temperatur regelt, gehören Dinse selbst. „Die LED-Lampen verbrauchen weniger Strom als die vorhandenen Lichter“, sagt Dinse. Die Kirche wird standardgemäß von fest installierten Strahlern beleuchtet. Sie werfen jeden Abend ein orangefarbenes Licht auf das Gebäude. Ursprünglich sei die Idee gewesen, die zusätzlichen Lichter von Dinse im Turm nur an den vier Adventssonntagen anzuknipsen.

Das wäre jedoch zu schade gewesen, sagt er - und zu viel Aufwand. Immerhin muss er erst Bretter losschrauben oder Drähte abnehmen, um an die einzelnen Fenster zu gelangen. Nachdem er steile Treppen und eine Leiter hochgeklettert ist, schlängelt er sich zwischen Balken und großen Glocken hindurch zu den Öffnungen im Kirchturm, um an den Strahlern zu arbeiten. Es sei dabei auch schon vorgekommen, dass plötzlich und ohne Vorwarnung die Glocken anfingen zu läuten – das komme in der Adventszeit ziemlich oft vor und habe ihm schon den ein oder andern Schrecken eingejagt.

David Dinse ist ein leidenschaftlicher Tüftler

Teils hat Dinse große Panels mit kleinen Lämpchen in die Fenster gelegt und teils kleinere Schweinwerfer, auf die er blaue Folie geklebt hat. Mit der Farbe der Folie ist er aber noch nicht vollends zufrieden. Sein Projekt ist also noch nicht beendet, schließlich soll alles perfekt sein. Und er tüftelt auch einfach gerne. „Ich bin ein Fan von Fischer-Technik. Das funktioniert ähnlich wie Lego.“ Einen Namen für das Kirchturmprojekt hat David Dinse übrigens auch schon: „Die blauen Fenster von Dellwig“.

Licht als Leidenschaft: David Dinse erleuchtet den Dellwiger Kirchturm

Ein seltener Anblick. Dass Kirchtürme in bunten Farben erstrahlen, sieht man nicht oft. In Dellwig schon. © Pott

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