Das passiert mit den leeren Geschäftslokalen in der Fröndenberger Innenstadt

dzEinzelhandel

Der Leerstand auf der Alleestraße wird in Kürze um ein Geschäftslokal reicher. Händler und Immobilienbesitzer sprechen über die Ursachen. Sie sind sich einig: Es liegt nicht am Standort.

Fröndenberg

, 07.02.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Gang über die Alleestraße wirken die verwaisten Schaufenster an diesem regnerischen Dienstagmorgen gleich noch viel trister als sonst. Und bald gesellt sich noch ein weiterer Leerstand hinzu. Händler verraten in Gesprächen mit der Redaktion ihre Motive, Immobilienbesitzer ihre Pläne.

»Es müssen alle an einen Tisch!«
Immobilienmaklerin Marion Kappenstein

Andreas Bruners gibt Angelbedarf trotz vieler Kunden auf

„Räumungsverkauf“ und „Zu vermieten“ ist an der Alleestraße 19 angeschlagen. Spätestens Ende Februar werde er sein Ladenlokal geräumt haben, sagt Andreas Bruners, der dort etwas mehr als vier Jahre lang sein Angelsport-Fachgeschäft betrieben hat.

Das passiert mit den leeren Geschäftslokalen in der Fröndenberger Innenstadt

Alleestraße 19: Andreas Bruners verlässt das Ladenlokal, in dem er mehr als vier Jahre erfolgreich Angelbedarf an Kunden aus näherer und weiterer Umgebung verkaufte, aus persönlichen Gründen. Marion Kappenstein, die die Immobilie vermarktet, beginnt bereits mit der Suche nach einer Nachfolge, um einen sich abzeichnenden weiteren Leerstand möglichst zu vermeiden. © Marcus Land

»Die Alleestraße hat Frequenz!«
Geschäftsinhaber Andreas Bruners

Lohnt es sich nicht mehr? Der Fröndenberger wehrt diese Vermutung ab. Er orientiere sich schlicht anderweitig, schließlich habe er neben seiner Leidenschaft Angelsport auch noch einen Hauptberuf, der ihn ausfüllt.

Sein Geschäft sei gut gelaufen, viele Kunden aus dem näheren und entfernten Umkreis hat er begrüßt. Von der Ladentheke aus hat er auch beobachtet, dass es zumindest nicht zu wenig Leben in der Innenstadt ist, was den Geschäften die größten Probleme macht.

„Die Alleestraße hat Frequenz“, sagt Andreas Bruners nachdrücklich. Aber die Kaufkraft werde eben immer stärker verlagert – ins Internet. „Und das macht die Kleinen alle platt.“ Er selbst ist immer schon zweigleisig gefahren, hat schon bald 16 Jahre auch einen Online-Handel.

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Eulenstraße 6: Michael Möller wird seine lange dauernde Suche nach einem Mieter für das Geschäftslokal beenden und die Räume in eine Wohnung umwandeln. Er weiß, dass sogar zwei Bäckereiketten bereits eine Standortanalyse vorgenommen hatten; aus unterschiedlichsten Gründen kam es aber nicht zu einer Vermietung. © Marcus Land

Michael Möller wandelt Geschäftslokal in Wohnung um

Schlecht reden will auch Michael Möller die Innenstadt als Einzelhandelsstandort nicht. Dem Dachdeckermeister aus Menden gehört das Eckhaus an der Eulenstraße 6. Ältere Fröndenberger erinnern sich noch: 40 Jahre lang gab es hier bei der Bäckerei von Harald Agne frische Backwaren.

Jetzt dauert der Leerstand schon viele Jahre an. Michael Möller hat sich entschlossen, das Geschäftslokal in eine seniorengerechte Wohnung umzubauen. Persönlich findet er diese Lösung schade, weil der Innenstadt damit ein potenzielles Einzelhandelsangebot verloren gehe.

Das passiert mit den leeren Geschäftslokalen in der Fröndenberger Innenstadt

Alleestraße 15: Das zentral in der Ladenzeile gelegene Ladenlokal ist das frühere Domizil des Kunstvereins Fröndenberg und steht noch leer. Die Hauseigentümer sind hier allerdings aktiv bemüht, wieder Leben in die Räumlichkeiten zu bekommen. © Marcus Land

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Alleestraße 11: Während der Altsstadt-Grill nebenan dank des Fassadenprogramms der Stadt in neuem Glanz erstrahlt, fristet diese Immobilie mit zwei kleinen Ladenlokalen – in einem war zuletzt ein Kiosk beheimatet – ein Mauerblümchendasein und verfällt immer mehr. Das Gebäude ist im September 2018 zwangsversteigert worden. „EG Financial Services“ ist an einem Briefkasten zu lesen; mehr war über das Schicksal des Hauses nicht zu erfahren. © Marcus Land

Zur Sache

Städtischer Mietzuschuss bisher einmal bewilligt

  • Das Mietzuschussprogramm wird von der städtischen Wirtschaftsförderung verwaltet und beworben.
  • Durch einen Mietzuschuss von 50 Prozent der Nettokaltmiete (höchstens 300 Euro/Monat) über einen Zeitraum von zwölf Monaten sollen seit März 2019 Neuansiedlungen im Stadtumbaugebiet Innenstadt gefördert werden.
  • Laut Günter-Freck, Beigeordneter der Stadt Fröndenberg, gab es bereits verschiedene Anfragen. In einem Fall sei bislang der Mietzuschuss gemäß den Förderrichtlinien bewilligt worden.
  • Im städtischen Haushalt 2020 sind für das Programm 10.800 Euro bereit gestellt worden.
  • Die Förderrichtlinienfinden sich auf der Homepage der Stadt unter www.froendenberg.de. die Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung unter a.wehrmann@froendenberg.de oder Tel. (02373) 976-293.

Das Ladenlokal gleich links daneben hatte er topsaniert, Granitfußboden verlegt, eine moderne Heizungsanlage installiert – es war im Handumdrehen vermietet. Bestatter Wilms-Basel ist nun dort ansässig.

Für ihn sei das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Innenstadt ein durchaus rentabler Standort ist. Denn Fröndenberg biete vergleichsweise günstige Geschäftsmieten. Dieser Trumpf könne selbst Unna oder Menden ausstechen, zumindest wenn man bereits einen Kundenstamm mitbringe.

Und: „Es gibt eine enorme Kaufkraft in Fröndenberg“, weiß Möller – das sei eigentlich ein weiterer Anreiz, das Geld in der Stadt zu binden und nicht in die benachbarten Mittel- und Oberzentren abfließen zu lassen.

Marion Kappenstein warnt vor dem Schneeballprinzip

Immobilienmaklerin Marion Kappenstein, die in Fröndenberg schon etliche Geschäftslokale vermittelt hat, regt an: „Es müssen alle an einen Tisch!“ Privates Engagement der Eigentümer müsse gefördert werden.

Es drohe bei einer hohen Leerstandsquote in derselben Straße nach dem Schneeballprinzip stets eine weitere Verschlechterung der Situation – schließlich leben sämtliche Geschäfte auch von jenen Kunden, die der Nachbarladen anlockt.

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Markt 1: Das Familienbüro des Kreisjugendamtes wird definitiv in das leerstehende Ladenlokal einziehen. Es geht nur noch um das Wann. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagt Katja Schuon, Leiterin des Fachbereichs Familie und Jugend beim Kreis Unna. Im Frühjahr soll es so weit sein: Die Räume sollen werktags durchgängig mit dem Serviceangebot des Kreises für Familien, mit einer Erziehungsberatung sowie einem Elterncafé in Kooperation mit Partnern belebt werden. © Marcus Land

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Markt 9: Buchhandlung und Stadtbücherei sind aus dem Geschäftslokal bereits Mitte Januar ausgezogen. Während die neue Stadtbücherei auf der gegenüberliegenden Seite voraussichtlich ab Herbst 2020 ein neues Domizil in dem dortigen Leerstand finden wird, war für das Ladenlokal Markt 9 zuletzt die neue Heimat für ein Rennrad-Museum angedacht. © Marcus Land

Eigentümer, so Marion Kappenstein, hätten heute nicht nur unter fallenden Geschäftsmieten zu leiden – 10 Euro wie in Hochzinsphasen sind heute utopisch –, sondern auch unter Bürokratie: Jede Nutzungsänderung eines Geschäftslokals müsse bei der Stadt angezeigt werden und sei auch nicht ganz billig.

Josef Schulte-Ebbert ist auch der Denkmalschutz im Weg

Symptomatisch für die Situation ist vielleicht das markante Ladenlokal am Eckhaus Markt 3: Als dort zwischenzeitlich die Rennräder von Andreas Grünewald ausgestellt waren, zogen die Schaufenster viele Blicke auf sich – die Lage ist also durchaus attraktiv.

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Markt 3: Die Hauseigentümer ließen hier übergangsweise Rennräder ausstellen – der Standort zog damals viele Blicke auf sich. Das Eigentümer-Ehepaar Schulte-Ebbert zögert aber mit größeren Investitionen in das denkmalgeschützte und nicht barrierefreie Gebäude, bevor ein neuer Mieter des Geschäftslokals gefunden ist. © Marcus Land

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Alleestraße 3: Gertrud Scholz hat ihr Geschenk- und Dekorationsartikelgeschäft „3raum“ im vergangenen Dezember nach 15 Jahren geschlossen. Hauseigentümer Emin Göktas sucht aktuell über Annoncen im Internet nach einem Nachfolgeladen. In eine Wohnung möchte er die Räume ungern umwandeln; das sei in der Ladenzeile unpassend und außerdem auch mit zu hohen Kosten für ihn verbunden, der das Haus vor zwei Jahren von seinem verstorbenen Vater geerbt hatte. © Marcus Land

»Es gibt eine enorme Kaufkraft in Fröndenberg.«
Immobilienbesitzer Michael Möller

Das Eigentümer-Ehepaar Schulte-Ebbert hatte zuletzt auch wieder zwei konkrete Anfragen – nicht aus dem Einzelhandels-, sondern aus dem Dienstleistungsbereich. Vermietungen scheitern an unterschiedlichen Gründen: Zum Beispiel können die Treppenstufen vor dem Eingang zum Problem werden; das Haus steht unter Denkmalschutz, sodass eine Rampe nicht ohne Weiteres angebracht werden kann. „Wir wissen, woran es im Ladenlokal fehlt und würden auch sofort investieren“, so Josef Schulte-Ebbert. Aber es ist eben ein Teufelskreis: Wozu investieren, wenn eine erfolgreiche Vermietung in den Sternen steht?

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