Mit dem Leader-Programm fließen Fördermittel der EU direkt in die Kommunen. Fröndenberg will nun die Kooperation mit vier anderen Gemeinden fortsetzen. Profitieren von Zuschüssen können auch private Initiativen.

Fröndenberg

, 22.07.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fröndenberg, Ense, Werl, Welver und Wickede wollen sich für eine zweite gemeinsame Runde als Leader-Region bewerben. Durch das EU-Förderprogramm fließen seit 2015 Zuschüsse in öffentliche oder private Projekte, die den ländlichen Raum attraktiver machen sollen

Leader ist auch in den nächsten fünf Jahren eine Option für die Region

Kürzlich gaben die fünf Bürgermeister der Leader-Region „Börde trifft Ruhr“ eine Absichtserklärung ab. ,,Wenn das Land NRW und die EU den Finanzrahmen und die Spielregeln vernünftig organisieren, spricht unsere Erfahrungen und Zusammenarbeit seit 2014 auf jeden Fall dafür“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Leader-Programm: Fröndenberger können bis Sommer 2020 noch Fördermittel der EU anzapfen

Die Stadt- und Gemeindespitzen halten eine ,,Rückrunde als LEADER-Region Börde trifft Ruhr“ für sinnvoll. Das hielten in Wickede (Ruhr) jetzt (v.l.) Hubert Wegener (Ense), Uwe Schumacher (Welver), Timo Jäckel (Regionalmanagement), Dr. Martin Michalzik (Wickede), Michael Grossmann (Werl) und Heinz-Günter Freck (Fröndenberg) fest. © privat

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  • Leader ist ein Förderprogramm der Europäischen Union. Der Begriff ist eine Abkürzung, die frei übersetzt bedeutet, dass verschiedene Aktionen zum Nutzen der ländlichen Wirtschaft verbunden werden. Damit soll die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten werden. Neben Mitteln aus dem EU-Landwirtschaftsfonds fließt auch Geld von Bund und Land. In der Leader-Region „Börde trifft Ruhr“ haben sich die Städte Fröndenberg und Werl sowie die Gemeinden Ense, Welver und Wickede zusammengetan, um gemeinsam mehr zu erreichen.
  • Seit 2015 ist „Börde trifft Ruhr“ eine von 321 Leader-Regionen in ganz Deutschland. Das Programm ist bis 2020 mit 2,1 Millionen Euro ausgestattet. Ein Entscheidungsgremium mit mehr als 20 Leader-Botschaftern, die aus der Kommunalverwaltung und Wirtschaft, aber auch aus Vereinen und der Bürgerschaft stammen, das grünes Licht für beantragte Projekte geben muss.
  • Die Projekte können einen sozialen, kulturellen, touristischen oder wirtschaftlichen Ansatz haben. Entscheidend ist, dass etwas Innovatives die Zukunftsfähigkeit der Dörfer und die Lebensqualität in der Region erhalten soll.
  • Praktisch können Privatpersonen oder Vereine bis hin zu Institutionen und Kommunen selbst Projektanträge stellen. Die Mitarbeiter des Leader-Regionalmanagements unterstützen dabei.

Leader-Programm: Fröndenberger können bis Sommer 2020 noch Fördermittel der EU anzapfen

Das bislang größte Projekt, das in Fröndenberg mit Leader-Fördermitteln realisiert wird, ist das neue Vereinshaus in Dellwig, hier Pastor Jochen Müller bei der Grundsteinlegung. © Marcel Drawe

Die laufende Förderperiode dauert noch bis zum Spätsommer des kommenden Jahres. In dieser Zeit könne auch noch Projektideen angemeldet werden. Regionalmanager Timo Jäckel: „Ich biete daher jederzeit Auskunft oder Vor-Ort-Termine für Interessenten an“.

Zur Sache

Wie gelangt man an die EU-Zuschüsse?

  • Privatleute, Veeine oder Institutionen können den Regionalmanagern Timo Jäkel und Carina Gramse eine Projektidee vorstellen.
  • Die Regionalmanager klopfen die Idee auf ihren Mehrwert für die Leader-Region, ihre Trägerschaft und ihre Finanzierung ab.
  • Der Projektträger erstellt eine Projektskizze und einen Kostenplan.
  • Das Regionalmanagement prüft damit die Förderfähigkeit anhand der Leader-Richtlinien.
  • Entscheidend ist die Präsentation des Projekts vor der Lokalen Aktionsgruppe. Dieses Gremium entscheidet, ob die Idee gefördert werden soll. Hier geht es besonders um den innovativen Ansatz, die Nachhaltigkeit und die Finanzierbarkeit.
  • Erhält das Konzept grünes Licht, kann ein Antrag auf die Leader-Fördermittel bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellt werden.
  • Mit dem Erhalt des Zuwendungsbescheides darf das Projekt praktisch umgesetzt werden – vorher noch nicht.
  • 23 Projekte sind bereits abgeschlossen oder in der Umsetzung. Für über 20 weitere Vorhaben gibt es bereits Beschlüsse oder konkrete Gespräche zwischen Regionalmanagement und Ideenträgern.

Vor genau fünf Jahren machten sich die fünf Kommunen auf den Weg, sich gemeinsam um EU-Fördermittel zu bewerben.

In Fröndenberg ist in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Projekten aus dem Leader-Fördertopf bezuschusst worden. Der Fördersatz betrug zwischen 48 und 65 Prozent der Investitionskosten.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Frömern, das als Dorfmittelpunkt und Mehrgenerationen-Treffpunkt ausgebaut wurde, hat rund 46.500 Euro erhalten. Für den Bürgertreff und Dorf-Café Buntes Sofa in Ardey gab es für Kücheneinrichtung, Geschirr und Café-Mobiliar einen Zuschuss von rund 10.400 Euro. Auch eine integrative, behindergerechte Spielfläche in Ardey im Dorfzentrum ist mit gut 14.200 Euro gefördert worden.

Leader-Programm: Fröndenberger können bis Sommer 2020 noch Fördermittel der EU anzapfen

In der Neuen Mitte Ardey ist vor einem Jahr ein neuer integrativer Spielplatz eingeweiht worden, für den es ebenfalls Fördergeld aus dem EU-Leader-Programm gab. © Marcel Drawe

Der Bau der Discgolf-Anlage im Hindenburghain wurde mit 15.200 Euro unterstützt. Für das regionale Kochbuch des Vereins Fröndenberger Seniorenkreise flossen rund 10.000 Euro. Der Förderkreis Fröndenberger Stiftskonzerte war mit seinem Projekt „Klassik für Kids“ erfolgreich und erhält rund 50.400 Euro. So konnte unter anderem ein Konzertflügel angeschafft werden.

Das größte Projekt beantragte die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig. Das neue Vereinshaus wird nicht nur kirchlich, sondern als Treffpunkt für das ganze Dorf mit 225.000 Euro gefördert.

Leader-Programm: Fröndenberger können bis Sommer 2020 noch Fördermittel der EU anzapfen

Ein Songwriter-Workshop, hier mit Jennifer Schwarzkopf und Robin Brunsmeier, ist in der Vergangenheit als eines von vielen Projekten mit Fördergeld aus der EU mitfinanziert worden. © Rosenstein

Förderverein Kulturzentrum hofft auf Zuschuss für Ketten-Kunst

Aber auch eine Machbarkeitsstudie für die Erweiterung des Kettenschmiedemuseums war förderwürdig und erhielt rund 16.000 Euro. Beantragt sind Fördermittel für die Ketten-Kunst-Stelen, die entlang des Ruhrtalradweges an die Kettentradition der Stadt erinnern sollen. Hier hofft der Förderverein Kulturzentrum auf einen Zuschuss von 65 Prozent zu den Kosten von gut 75.000 Euro.

Leader-Programm: Fröndenberger können bis Sommer 2020 noch Fördermittel der EU anzapfen

Junko Shionda brachte im Rahmen eines Leader-Projekts Gesamtschülern aus Fröndenberg im Stiftssaal die klassische Musik näher. © Privat

Vorbereitet wird zudem ein Antrag zugunsten eines Bildhauer-Symposiums, bei dem aus den in der Innenstadt gefällten Lindenbäumen Skulpturen entstehen und in einem Skulpturenpark ausgestellt werden sollen. Hier belaufen sich die Kosten auf 66.000 Euro. Projektträger ist in diesem Fall die Stadt Fröndenberg selbst.

Projekte über die Gemeindegrenzen hinweg sind zum Beispiel der Jugend-Songworkshop, der in allen Kommunen ausgerichtet wurde, oder die geplante Regio-Radroute.

Ob sich die Leader-Region „Börde trifft Ruhr“ tatsächlich ein weiteres Mal bewirbt, hängt davon ab, wann und wie Land und EU Pläne für eine neue Leader-Förderzeit, die bis 2027 dauern würde, machen. Damit rechnen die Bürgermeister nicht vor Mitte 2020.

Kontakt

Projektideen zum Regionalmanagement

  • Das Regionalmanagement der Leader-Region Börde trifft Ruhr e.V. wird von Carina Gramse und Timo Jäckel geleitet.
  • Kontaktaufnahme ist möglich unter Tel. (0 29 38) 5 57 19-31/32 oder mobil unter (0176) 51 67 80 00; E-Mail an info@boerdetrifftruhr.de oder persönlich: Am Spring 4 59469 Ense.

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