Laser kaputt: JVK entfernt keine Knast-Tattoos mehr

dzEntfernung von Tätowierungen

Anstößig, sittenwidrig, stigmatisierend: Solche Tattoos konnten Häftlinge sich bislang im JVK entfernen lassen. Nun ist der Laser kaputt. Einen neuen gibt es nicht – nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen.

Fröndenberg

, 15.01.2020, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Drei-Punkte-Tätowierung zwischen Daumen und Zeigefinger wie auch die Träne unter dem Auge sind die Klassiker im Knast: Motive, die hinter Gittern als Botschaften verstanden – draußen aber in aller Regel als Makel angesehen werden; und deshalb nicht gerade förderlich für eine Resozialisierung sind.

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Die Entfernung solch stigmatisierender Tätowierungen gehörte bislang zu den Leistungen des Justizvollzugskrankenhauses (JVK) Fröndenberg. Seit zwei Jahrzehnten wurde dafür ein Lasergerät eingesetzt, das inzwischen aber defekt ist. Eine Neuanschaffung ist vorerst nicht geplant. Dabei ist die Nachfrage zuletzt tendenziell eher gestiegen.

Lasergerät im JVK bereits seit einigen Monaten defekt

Das geht aus einem Bericht des nordrhein-westfälischen Justizministeriums hervor. Demnach wurden im zweiten Halbjahr 2017 bei 82 Patienten Tätowierungen entfernt, im Jahr 2018 bei insgesamt 134 und allein im ersten Quartal 2019 bei 74 Patienten. Seit dem zweiten Quartal 2019 ist das Gerät dem Bericht zufolge defekt und nicht mehr nutzbar.

Nur noch speziell geschulte Ärzte dürfen Tätowierungen entfernen

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, aber auch mit Blick auf neue gesetzliche Bestimmungen sei kein neues Gerät angeschafft worden, heißt es. Das Ministerium verweist auf Ende des Jahres 2020 in Kraft tretende Bestimmungen, wonach nur noch speziell geschulte Ärzte Tätowierungen entfernen dürfen.

Häftlinge, bei denen die Entfernung von Tätowierungen zum Zwecke der gelingenden Resozialisierung erforderlich ist, werden deshalb bereits seit September 2019 in andere Kliniken überstellt. In dem Bericht des Ministeriums ist von Einzelfällen die Rede. Das Justizvollzugskrankenhaus selbst verwies auf Nachfrage wiederum an das zuständige Ministerium.

Häftlinge wurden für die Entfernung im Einzelfall zur Kasse gebeten

Die Entfernung von Tätowierungen zählte in der Vergangenheit zu den medizinischen Behandlungen, die – die Zustimmung des Gefangenen vorausgesetzt – im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg im Sinne der sozialen Wiedereingliederung durchgeführt worden sind. Es ging insbesondere um sichtbare Motive, die anstößig beziehungsweise sittenwidrig sind beziehungsweise stigmatisierenden Charakter haben. Wer es es sich leisten konnte, sollte sich finanziell an den Behandlungskosten beteiligen. Die Entscheidung darüber traf die jeweilige Anstaltsleitung im Einzelfall.

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