Der Kreis Unna entscheidet in den kommenden Wochen über den Bau eines Hähnchenmaststalles im Fröndenberger Ortsteil Stentrop. © picture alliance / dpa
Massentierhaltung

Landwirt zu Hähnchenmaststall: „Man muss den Mut zur Investition loben“

Über den geplanten Bau eines Hähnchenmaststalls in Fröndenberg wurde zuletzt viel diskutiert. Nun hat sich ein ortsansässiger Landwirt zur Wort gemeldet und bewertet das Projekt positiv.

Schädliche Folgen für die Umwelt, unmittelbar betroffene Anwohner, die sich gegen das Bau-Vorhaben wehren und die Frage, ob es eine weitere Massentierhaltung in Fröndenberg braucht: Um das geplante Projekt eines Hähnchemaststalles in Stentrop gab es in den vergangenen Wochen große Diskussionen.

Nun hat sich ein Landwirt aus Fröndenberg gemeldet, der die positiven Seiten des Stalls hervorhebt. „In diesen Zeiten ist die Stimmung bei den Mästern nicht gut. Daher ist die Investition mutig. Hut ab! Man sollte den Bauherren für seine Pläne loben und würdigen“, sagt der Landwirt, der mit seinem Namen im Verborgenen bleiben will.

Er argumentiert: „Wenn der Bau zustande kommt, werden vor Ort Arbeitsplätze geschaffen. Zudem werden lokale Firmen damit beauftragt, den Hähnchenmaststall zu bauen.“

„Es ist ganz normal, dass man bis an die Grenze des Zulässigen geht“

Der Landwirt sagt auch, dass der Bauherr ein eigenes betriebliches Risiko mit dem Stall habe. Niemand könne im Vorhinein sicher sein, ob alles klappt, wie man sich das vorstellt. Er schätzt die Kosten für das Projekt auf etwa 500.000 Euro.

Der geplante Hähnchenmaststall soll Platz für 29.900 Tiere bieten. Damit bleibt der Betrieb unter der Grenze von 30.000 Hähnchen. Dies hat zur Folge, dass kein Genehmigungsverfahren und kein umfassendes Gutachten – zum Beispiel in Bezug auf Aerosole oder Ammoniak – notwendig ist.

Zum Vorwurf, dass der Bauherr ganz bewusst unter der Grenze von 30.000 Tieren bleibt, sagt der Landwirt aus Fröndenberg: „Es ist ganz normal, dass man bis an die Grenze des Zulässigen geht. Das hat reine betriebswirtschaftliche Gründe. Ich hätte es genauso gemacht.“

„Nachfrage nach regionalen Produkten ist gestiegen“

Auch aus Sicht des Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband „ist es mutig, aber auch sinnvoll zu investieren. Will man die heimische Landwirtschaft erhalten, braucht sie Zukunftsperspektiven. Einer jungen Generation muss es ermöglicht werden, den Hof für die Zukunft auszurichten“, sagt Pressereferentin Petra Drees-Hagen.

Ähnlich argumentiert auch Lea-Kathrin Piepel, Pressereferentin bei der Landwirtschaftskammer NRW: „Wir haben beobachtet, dass gerade seit der Corona-Zeit die Verbraucher immer mehr auf regionale Produkte achten. Die Nachfrage ist gestiegen.“

„Rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch bei Geflügelfleisch“

Piepel macht auch auf eine Studie des Thünen-Instituts aufmerksam. Das Institut forscht mit dem Ziel der nachhaltigen Weiterentwicklung der Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie der Fischerei.

Die Ergebnisse: „Eine besonders rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch ist beim Geflügelfleisch zu beobachten. Im Gegensatz zum Schweinefleisch haben sich sowohl Produktion als auch Verbrauch nach oben entwickelt.“

Und weiter: „Die Schlachtmenge bei Geflügel ist von 748.000 Tonnen im Jahr 1999 auf 1,6 Millionen Tonnen im Jahr 2019 gestiegen und hat damit in ihrer Bedeutung die Rindfleischproduktion überholt. 2019 haben die Deutschen 1,9 Millionen Tonnen Geflügelfleisch verbraucht, dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 23 Kilogramm je Person.“

„Eine heimische nachhaltige Erzeugung ist deutlich zu bevorzugen“

Drees-Hagen vom Landwirtschaftsverband ergänzt dazu: „Wir halten aus ökologischen Gründen, aus Tierschutzgründen und im Hinblick auf den Klimaschutz eine heimische Erzeugung nah am Verbraucher für sinnvoll.“

Sie sagt auch: „Die Alternative wäre, Geflügelfleisch einzuführen; namhafte Verarbeiter importieren beispielweise aktuell aus Thailand, aber auch aus anderen Ländern. Eine heimische nachhaltige Erzeugung ist hier deutlich zu bevorzugen.“

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Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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