Landwirt Friedrich Frens holt weniger Knollen aus der Erde

dzKartoffelernte

Die leeren Kisten vor der Lagerhalle auf dem Hof von Friedrich Frens und seiner Familie verraten es: Die Ernte war nicht wie erhofft. Schuld daran war der heiße und trockene Sommer.

von Jana Peuckert

Fröndenberg

, 07.10.2018, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min


Auf 50 Hektar pflanzt der Landwirt in Bentrop die Knolle an. Während die Frühkartoffeln Ende Juni und damit noch rechtzeitig vor der großen Hitze geerntet werden konnten, sah es für die späteren Sorten schlechter aus. „Die haben unter der Hitze gelitten“, sagt Frens.

In unseren Breitengraden seien es die Landwirte nicht gewohnt, zu bewässern. Gebe es zum Beispiel in der Lüneburger Heide und im Rheinland Brunnen, Bohrlöcher oder unterirdische Leitungen auf den Feldern, müsste das Wasser in der hiesigen Region mit Tankwagen zu den Feldern transportiert werden. Das wäre zu aufwendig, so Frens.

Der Geschmack bleibt

Bislang seien sie immer gut klargekommen. In diesem Jahr sei es hingegen zu lange trocken und in den Hauptmonaten zu heiß gewesen. Denn auch, wenn genug Wasser da gewesen wäre, hätte die Hitze die Leistungsfähigkeit der Pflanzen, also das Wachstum, negativ beeinflusst.

Als Folge seien die Kartoffeln in diesem Jahr kleiner und weniger. Zudem hätten einige schorfige Haut. Das spiele für den Geschmack keine Rolle. Frens schneidet einen solchen Erdapfel auf und zeigt, dass das Fleisch farblich und von der Festigkeit her so ist, wie es sein soll. Für den Handel seien sie dennoch nicht mehr geeignet, da der Kunde beim Kauf nach der Optik entscheide. Andere Kartoffeln weisen in diesem Jahr einen Wachstumsriss auf. Durch die Wetterbedingungen seien die Früchte erst gar nicht und dann zu schnell gewachsen. Nicht jede Schale konnte diesem rasanten Sprung standhalten. Aber auch in diesem Fall könnte die Kartoffel bedenkenlos gegessen werden, versichert Frens.

Im vergangenen Jahr sei es genau andersherum gewesen. „Es gab eine Kartoffelschwemme“, erklärt der Landwirt. Im Juli habe es viel geregnet. Dadurch seien die Knollen sehr gut gewachsen.

Nicht nur auf die Kartoffeln, auch auf andere Pflanzen habe sich der diesjährige Sommer ausgewirkt. So zum Beispiel beim Mais. Er vertrage Hitze gut, brauche für die Fruchtbildung aber Wasser. An Orten, an denen es zwischendurch Gewitter gegeben habe, hätte der Mais gereicht. Auf steinigerem Boden seien die Erträge schlechter gewesen als auf Lehm. Insgesamt war es in diesem Jahr aber weniger Mais, so Frens. Auch Raps käme aufgrund seiner tiefen Wurzel gut mit Hitze klar. Doch auch ihm habe die extreme Wärme zugesetzt. Aber nicht nur der Sommer, auch der verringerte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln machte den Anbau von Raps momentan schwierig.

Zumindest was das Ernten von Getreide anbetraf, war der Sommer in diesem Jahr durchaus ein Vorteil. Sonst müssten die Landwirte zum Ernten immer die Lücken zwischen Regenschauern nutzen. In diesem Jahr erlaubte die lang anhaltende Trockenheit eine freiere Einteilung der Ernte. So sei auch mal ein erntefreies Wochenende drin gewesen. Beim Mais sah es hingegen anders aus, sagt Frens. Um den Mais für die Lagerung im Silo haltbar zu machen, müsste Feuchtigkeit in der Pflanze verbleiben, die für den Selierprozess (Erzeugen von Milchsäurebakterien) notwendig sei. Würde Mais normalerweise Mitte September geerntet, sei es in diesem Jahr schon im August soweit gewesen. Dann war höchste Eile geboten, damit der Mais nicht austrocknete, erklärt der Landwirt.

Frens betont, dass er sich nicht beklagen wolle, sondern lediglich auf unsere Anfrage hin, die Fakten aufzähle, die der Sommer mit sich gebracht habe. Sollten die Sommer künftig öfter so sein, müsste über eine Veränderung der Fruchtfolge und über die Infrastruktur nachgedacht werden.

Aber: „Der Mensch ist anpassungsfähig und der Landwirt erst recht.“

Der diesjährige Sommer hat teilweise auch Auswirkungen auf die Versorgung der Tiere auf den Höfen, sagt der Fröndenberger Landwirt Friedrich Frens. So seien Futterpflanzen wie Gras seit dem Sommer nicht mehr nachgewachsen, konnten dementsprechend nicht gemäht und eingelagert werden. Das betreffe insbesondere Rinderbauern. Wer nichts mehr von der bombastischen Ernte im vergangenen Jahr übrig habe, für den könnte es eng werden. Denn nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip, bestimme sich der Preis. Dementsprechend seien die Futtermittelpreise in diesem Jahr gestiegen. Er selbst habe Glück. Seine Schweine bekämen selbst angebauten Weizen und Gerste zu fressen. Dabei handele es sich um Wintergetreide, das im Oktober ausgesät wird. Damit habe es Zeit, sich zu entwickeln. Etwa zehn Prozent betrage die Minderung seiner Ernte durch den Sommer in diesem Jahr. „Wir kriegen das mit dem Futter für die Schweine hin“, ist sich Frens sicher.
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