Mit „Flügel“ der AfD wollen die Kyffhäuser-Kameraden aus Ostbüren nichts zu schaffen haben

dzHöckes „Kyffhäuser-Treffen“

AfD-Rechtsaußen Björn Höcke hat mit dem Kult um seine Person beim Kyffhäuser-Treffen des „Flügels“ selbst eigene Leute erzürnt. Die Kyffhäuser-Kameraden aus Ostbüren haben ebenfalls guten Grund, sich zu distanzieren.

Ostbüren

, 29.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der heute an sich unverdächtige Name „Kyffhäuser“ wird durch den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke plötzlich verdächtig: Selbst die Kyffhäuser-Kameraden Ostbüren um ihren Vorsitzenden Heinrich Brämer haben sich schon distanziert.

Der völkisch-nationalistische „Flügel“, Rechtsausleger der AfD, nennt seine jährlichen Zusammenkünfte „Kyffhäuser-Treffen“, weil sie in Thüringen am Fuße des gleichnamigen Mittelgebirges stattfinden.

»Wir sind unserem Rechtsstaat verbunden.«
Heinrich Brämer, Vorsitzender der Kyffhäuser-Kameradschaft Ostbüren

Auf dem Kyffhäuser steht das gewaltige Barbarossadenkmal, das in den 1890er-Jahren im Deutschen Kaiserreich errichtet wurde und das Historiker als symbolisches Bollwerk gegen innere und äußere Feinde einordnen.

Nachdem Björn Höcke, Landesvorsitzender der AfD und Frontmann des „Flügels“, auf dem jüngsten „Kyffhäuser-Treffen“ im Juli einen Personenkult veranstaltete und die völkisch-nationalistische Linie der Gruppe untermauerte, ist der lange nicht mehr aktuelle Name Kyffhäuser wieder präsent – offenbar auch zum Schaden der ehemaligen Kriegervereine, die heute noch Gemeinschaft pflegen.

Mit „Flügel“ der AfD wollen die Kyffhäuser-Kameraden aus Ostbüren nichts zu schaffen haben

Das Ehrenmal in Ostbüren ist am Volkstrauertag Schauplatz der Erinnerung an die Toten der Weltkriege. Die Kyffhäuser-Kameradschaft Ostbüren hält diese Tradition neben weiteren Vereinen aufrecht. © Stadtarchiv Fröndenberg

Der letzte Kriegerverein in Fröndenberg aus der Zeit von Kaiserreich und Weimarer Republik ist die Kyffhäuser-Kameradschaft von 1871 aus Ostbüren. Spätestens seitdem er von skeptischen Bemerkungen gegen seinen Verein - ausgelöst durch den Bohei um das AfD-Kyffhäuser-Treffen - hörte, wurde Heinrich Brämer aktiv: Der 1. Vorsitzende schrieb an den Dachverband der Kyffhäuservereine und forderte den Vorstand auf, sich von dem Gedankengut der Höckes zu distanzieren.

Zur Sache

Architekt des Bismarckturms baute auch Kyffhäuser-Denkmal

  • Am Kyffhäuser-Denkmal im Norden von Thüringen gibt es eine in Stein gehauene Barbarossafigur.
  • Das rotsandsteinfarbene 81 Meter hohe Denkmal wurde zwischen 1891 und 1896 als Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal errichtet.
  • Den Entwurf zur gigantischen Anlage lieferte Bruno Schmitz, der auch das Leipziger Völkerschlachtdenkmal und den Bismarckturm in Fröndenberg errichtete.
  • Das Kyffhäuser-Denkmal wurde im Sommer 1896 eingeweiht und gehört in Deutschland zu den beliebtesten Ausflugszielen.
  • Während der sechsjährigen Bauzeit waren mehr als 400 Arbeiter beschäftigt. Insgesamt verwendete man für den Bau des Denkmals 25.000 Kubikmeter Steine.

Der Bundesverband habe sich zunächst nicht äußern wollen, um der AfD nicht wiederum Gelegenheit zur Entgegnung zu geben. „Darüber kann man sehr geteilter Meinung sein“, findet Brämer, der schließlich doch eine distanzierende Stellungnahme des Kyffhäuserbundes erreichte, die er bei Facebook veröffentlichte.

Heinrich Brämer, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes Unna-Hamm des Kyffhäuserbundes ist, bedauert, dass der Name Kyffhäuser einen Beiklang bekommen hat, der niemandem recht sein könne.

Mit „Flügel“ der AfD wollen die Kyffhäuser-Kameraden aus Ostbüren nichts zu schaffen haben

Heinrich Brämer (r.) ist Vorsitzender der Kyffhäuser-Kameradschaft Ostbüren. Im März 2018 gab er den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Ostbüren/Frömern/Palz an Sebastian Kratzel ab. © privat

„Kyffhäuser“ sei leider kein geschützter Name, das hat Brämer schon prüfen lassen. Die Ostbürener Kameradschaft benannte sich im Jahr der Reichsgründung 1871 nach dem Kyffhäuser. Brämer: „Darin kam nationales Empfinden zum Ausdruck.“ Denn damals war die Kyffhäusersage allgegenwärtig: Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, schläft in einer Höhle des Kyffhäuserbergs, um eines Tages zu erwachen, das Reich zu retten und es wieder zu neuer Herrlichkeit zu führen.

Das ist lange her und die früheren Vereinszwecke, zum Beispiel die Krieger zu ehren oder auch Hinterbliebenen von Gefallenen oder Versehrten zu helfen, sind stark in den Hintergrund getreten.

Mit „Flügel“ der AfD wollen die Kyffhäuser-Kameraden aus Ostbüren nichts zu schaffen haben

Das Ehrenmal in Ostbüren ist am Volkstrauertag Schauplatz der Erinnerung an die Toten der Weltkriege. Die Kyffhäuser-Kameradschaft Ostbüren hält diese Tradition neben weiteren Vereinen aufrecht. © Stadtarchiv Fröndenberg

„Der Verein wird heute hauptsächlich dadurch getragen, dass wir wie auch die Schützenvereine Schießsport ausüben“, erzählt Heinrich Brämer. Natürlich pflege man auch alte Gepflogenheiten weiter, feiert zum Beispiel am Volkstrauertag am Ostbürener Ehrenmal das Gedenken an die Toten der Kriege.

Fakten

Im Jahr 2021 wird 150-jähriges Bestehen gefeiert

  • Die Kyffhäuser-Kameradschaft von 1871 Ostbüren hat im August 2019 ihren neuen Schießraum im Ortsteil eingeweiht.
  • Seit gut vier Jahren gehen die Mitgliederzahlen der Kameradschaft wieder nach oben.
  • Der Verein hat auch einige junge Mitglieder, die sehr erfolgreich sind: So kommt der Sieger einer Bundesmeisterschaft der Jugend regelmäßig aus Ostbüren.
  • Im Jahr 2021 will die Kyffhäuser-Kameradschaft ihr 150-jähriges Bestehen feiern.

So mancher Genosse habe wegen seines Engagements für die Kyffhäuser-Kameraden durchaus schon die Nase gerümpft, räumt Heinrich Brämer ein: Schließlich ist er auch in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat und führte bis 2018 30 Jahre lang den SPD-Ortsverein Ostbüren.

Heinrich Brämer sieht es aber genau umgekehrt: „Wir wollen damit ja die Erinnerung wachhalten, damit so etwas wie der Zweite Weltkrieg nie wieder passiert.“ Einen Seitenhieb gibt er den Rechtsaußen auch noch mit: Er sei sich nicht sicher, ob denen bewusst sei, dass der Kyffhäuserbund sich mit befreundeten Vereinen in ganz Europa für eine gemeinsame Kriegsgräberfürsorge einsetze.

Der Kyffhäuserbund pflege tatsächlich europaweite Freundschaften, besonders mit den Franzosen. „Schon daran kann man sehen, dass wir mit diesen Radikalen nichts zu tun haben“, sagt Brämer.

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