Dagmar Knappkötter-Esch und Dagmar Kasan kämpfen um den Erhalt ihrer Werkstatt auf dem Hof Sümmermann in Fröndenberg-Frömern. © Udo Hennes
Selbstständigkeit

Kreative Köpfe auf Hof Sümmermann kämpfen um Erhalt ihres Ateliers

Knapp ein Jahr ist es her, dass sich zwei Frauen im Atelier von Hof Sümmermann selbstständig gemacht haben. Dann kam der Lockdown und damit auch der Kampf um ihre Werkstatt.

Mit dem Atelier auf Hof Sümmermann ging für Nicole Kasan und Dagmar Knappkötter-Esch ein Traum in Erfüllung. Sie schufen sich ihre „Werkstatt im Grünen“, haben die Laufkundschaft in der Stadt gegen eine gemütliche Landatmosphäre eingetauscht. Am 7. März 2020 freuten sich die beiden noch auf ihre Einweihungsfeier in der Folgewoche, da war die Welt aber bereits im Lockdown. Ein Jahr später kämpfen die beiden Frauen vor allem um den Erhalt ihrer Werkstatt.

Wenn Nicole Kasan allerdings erzählt, was sie im vergangenen Jahr alles auf die Beine gestellt haben, möchte man fast meinen, es gebe auf Hof Sümmermann kein Corona. Ein Kinderatelier, Workshops, Kindergeburtstage, das Erntedankfest – Momente zwischen dem ersten und zweiten Lockdown, in dem fast so etwas wie Normalität im Atelier herrschte.

Viel geschafft zwischen den Lockdowns

„Es war ein buntes Jahr“, sagt Kasan. Ihre Werkstatt samt Veranstaltungs-Ideen wurde gut angenommen. Auf der einen Seite sitzt Kasan und schafft mit Draht und Zange Wortbilder, auf der anderen Seite näht Dagmar Knappkötter-Esch Taschen aus Ananasfasern, sogenanntes „veganes Leder“.

Dagmar Knappkötter-Esch stellt unter dem Namen „Applebeach“ mitunter Taschen verschiedenster Größen aus Ananas-Fasern her.
Dagmar Knappkötter-Esch stellt unter dem Namen „Applebeach“ mitunter Taschen verschiedenster Größen aus Ananas-Fasern her. © Udo Hennes © Udo Hennes

Die Workshops waren ausgebucht, sogar ihre Stammkunden aus Dortmund haben sie nach ihrem Umzug auf den Hof Sümmermann noch besucht. „In dem Rahmen, wie wir unter Corona arbeiten konnten, wurden wir gut entdeckt.“

Die Vorsicht vor dem Virus steht dennoch vor ihrem Wunsch, etwas zu verkaufen. Auch in der Zeit, als noch vier Kunden ins Atelier durften. „Ich hätte vor einem Jahr nicht gedacht, dass wir im März immer noch hier sitzen und nicht aufmachen können“, gibt Kasan zu.

Es fehlen Workshops als Einnahmequelle

Die Frustration steigt, denn: Es reicht nicht. Der Traum von Nicole Kasan, von ihrem kreativen Handwerk zu leben, hat sich im vergangenen Jahr nicht verwirklicht. Derzeit erwirtschaftet sie nur ein Drittel ihres normalen Einkommens. Das reicht gerade mal für Miete und Materialkosten. Ihr fehlen die Workshops als Einnahmequelle.

Nicole Kasan biegt Wörter aus Draht oder erarbeitet neuerdings auch aus Trockenblumen kunstvolle Gestecke.
Nicole Kasan biegt Wörter aus Draht oder erarbeitet neuerdings auch aus Trockenblumen kunstvolle Gestecke. © Udo Hennes © Udo Hennes

Knappkötter-Esch ergeht es nicht anders. Beide sind froh, in der Familie nicht die Alleinverdiener zu sein. „Dann würden wir hier vermutlich nicht mehr so locker sitzen.“ Ihr Ziel ist derzeit, eine schwarze Null zu erwirtschaften, die Zeit zu überstehen. „Wir versuchen gerade, das hier alles irgendwie zu erhalten.“

Produktpalette ständig erweitert

Die beiden Frauen haben in der verstrichenen Zeit ihre Produktpalette ständig erweitert. So macht Kasan mittlerweile auch Kunst mit Trockenblumen, Knappkötter-Esch hat zwischenzeitlich Masken genäht und stellt nun auch waschbare Tüten für Unverpackt-Läden her. Außerdem haben sie Instagram für sich entdeckt, werben dort fleißig.

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So kriegt man Taschen und Wortspiele

  • Wer sich für die verschiedenen Produkte interessiert, kann sich zum Beispiel auf den Instagramseiten der Frauen umschauen.
  • Nicole Kasan findet ihr unter dem Namen „aiunicole“, Dagmar Knappkötter-Esch unter dem Namen „applebeach_bags“.
  • Beide bieten zudem auch noch Türabholungen an oder versenden ihre Waren an Kunden.
  • Nicole Kasan biegt ihre Wörter auch nach Wunsch für ihre Kunden.
  • Kontakt aufnehmen können Interessierte derzeit über die Applebeach-Webseite applebeach-dagmar.de oder mit Kasan unter der Mail-Adresse post_nicole@gmx.de

Mit ihrem Online-Laden haben sie zumindest noch ein kleines Einkommen. Doch neue Händler zu finden, die ihre Produkte vermarkten, sei schwer. „Alle haben gerade zu kämpfen und nehmen ungerne Produkte auf, bei denen sie nicht wissen, ob sie funktionieren“, sagt Knappkötter-Esch.

Sie hat ihre Taschen im vergangenen Herbst auf einer nachhaltigen Modenschau in Dortmund zeigen können, im April soll nun eine gestreamte Modenschau folgen. „Wir versuchen optimistisch zu bleiben und motiviert neue Wege zu finden. Es ist schön, wenn man ein Ziel hat, auf das man hinarbeitet.“

Worte, die einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Die gemeinsame Werkstatt gibt den beiden Frauen Kraft. „Dann machen wir Gute-Laune-Musik an, singen, lachen und quatschen. Eine kleine, heile Welt.“

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg / Holzwickede
Jahrgang 1995, aufgewachsen am Rande Mendens mit mehr Feldern als Häusern drumherum. Zum Studieren nach Köln gezogen, 2016 aber aus Sehnsucht ins Sauerland zurückgekehrt. Hat in der Grundschule ihre Liebe ans Schreiben verloren und ist stets auf der Suche nach spannenden Geschichten.
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Lisa Dröttboom
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