Der Schwertransporter hat seine liebe Müh‘, sich am Freitagmorgen durch die engen Straßen der Hohenheide zu schieben. Sein Ziel: Das neue Regenrückhaltebecken. Seine Ladung: ein 35 Tonnen schweres Drosselwerk.

Fröndenberg

, 02.08.2019, 12:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist sozusagen das Herzstück des neuen Regenrückhaltebeckens, das ein Schwertransporter der Firma Franz Bracht am Freitagmorgen in einer frühmorgendlichen Aktion auf die Hohenheide bringt.

Die Dortmunder Firma Caspar Hessel hat das 35 Tonnen schwere Drosselbauwerk eigens für das Hohenheider Regenrückhaltebecken angefertigt, das die Stadt gerade am Ende der Straße „In den Wächelten“ bauen lässt.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Am Boden sieht das schwere Drosselbauwerk eigentlich recht harmlos aus. Doch um es in das Becken zu bekommen, ist ein gehöriger Aufwand notwendig. © Anke Jacobi

Da der Schwertransport bis 6 Uhr von der Straße sein muss, klingelt der Wecker von Polier Thomas Tillmann und von Markus Törnig von der Stadtverwaltung an diesem Tag außergewöhnlich früh. Doch als der Kran das tonnenschwere Bauwerk in die Höhe hievt, sind alle hellwach. Jetzt ist Präzisionsarbeit gefragt.

Knapp sieben Minuten und das 35-Tonnen-Bauteil sitzt

Nach stundenlanger Vorbereitung geht das eigentliche Einschwenken des schweren Betonbauwerkes recht schnell. Ingenieur Ingo Sennen ist eigens angereist, um das Spektakel zu begutachten. „Ich hoffe, das passt“, sagt er zu Polier Thomas Tillmann. „Wenn nicht, wird‘s passend gemacht“, gibt der augenzwinkernd zurück.

Keine sieben Minuten später setzt das Drosselbauwerk am Beckenboden auf. Tillmann misst schnell nach. „Mist, zwei Zentimeter zu hoch“, sagt er. Doch Sennen bleibt gelassen. „Das bekommen wir hin.“

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Nach sieben Minuten am Kran sitzt das Drosselbauwerk auf der zuvor gegossenen Betonfläche. Zwar zwei Zentimeter zu hoch, aber Ingenieur Ingo Sennen hebt trotzdem den Daumen. © Anke Jacobi

Regenrückhalt fängt Wasser von zwölf Hektar Fläche auf

Seit Anfang Juli laufen bereits die Arbeiten an dem Regenrückhaltebecken, in dem künftig das ablaufende Wasser von zwölf Hektar Fläche aufgefangen und von dort gedrosselt in einen Nebenlauf des Löhnbachs geleitet werden soll. 1600 Kubikmeter kann das Becken aufnehmen, dessen Umrisse sich mittlerweile aus der Landschaft schälen.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Seit Anfang Juli hat die Baufirma das Regenrückhaltebecken in die Landschaft modelliert. Ende September soll das Becken in Betrieb gehen. Im Herbst wird dann noch die Bepflanzung folgen. © Udo Hennes

Zwischen abgeernteten Feldern, einem kleinen Wäldchen und zu Rollen gebündelten Strohballen haben Thomas Tillmann und seine Mannen von der Firma Feldhaus Bauunternehmung aus Schmallenberg die Erde von rechts nach links gedreht, um das Becken aus dem Erdreich zu formen.

„Und zwar im Massenausgleich“, sagt Markus Törnig. So nennt das der Fachmann, wenn nicht ein Kubikmeter Erde dafür abgefahren werden muss. Mit der überschüssigen Erde haben die Mitarbeiter aus Schmallenberg das Bauwerk in die Landschaft modelliert.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Die Rohre für den neuen Kanal liegen schon bereit. In ihnen soll künftig das Wasser aus dem Regenrückhaltebecken in Richtung Löhnbach-Nebenlauf fließen. © Udo Hennes

Eine Menge Aufwand, damit die Kleinstlebewesen in den Bachläufen keine Sturzfluten erleben. Denn bisher flossen bei starkem Regen 1300 Liter pro Sekunde ungebremst in den Nebenlauf des Löhnbachs.

An der Einleitungsstelle hatten diese Wassermassen bereits das Bachbett komplett ausgespült. Zulässig sind an dieser Stelle gerade einmal 100 Liter pro Sekunde. „1200 Liter müssen wir also zwischenspeichern und dann nach und nach wieder einleiten“, so Törnig. Dazu dient das zwei Meter tiefe Becken, dessen Wasserspiegel bei Vollaufen 800 Quadratmeter umfasst.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Der Plan zeigt das Regenrückhaltebecken, das am Ende der Straße „In den Wächelten“ das Regenwasser von zwölf Hektar Fläche abbremsen und gedrosselt in den Löhnbach-Nebenlauf leiten soll. © Udo Hennes

Energievernichtungsschacht nimmt der Flut den ersten Schwung

Dazu setzt die Baufirma ein neues Schachtbauwerk in die Straße In den Wächelten, das die Wassermassen vom dortigen Kanal in das neue Regenrückhaltebecken ableitet. Zunächst allerdings geht es in einen sogenannten „Energievernichtungsschacht“. Dort wird dem Wasser der erste Schwung genommen, damit die Flutwelle nicht mit voller Wucht auf die Beckensohle klatscht und diese zerstört.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Markus Törnig (l.) von der Verwaltung und Polier Thomas Tillmann am neu gestalteten Einlauf. Wo das Regenwasser in den Nebenlauf des Löhnbachs fließt, sorgten früher eine Böschungsmauer und eine Fließrinne aus Beton für ein nicht gerade naturnahes Bild. Jetzt sorgen an dieser Stelle Wasserbausteine zusätzlich für eine Drosselung der Wassergeschwindigkeit. © Udo Hennes

Von diesem Schacht aus fließt das Wasser ins Becken, dessen Boden in Millimeterarbeit mit Gefällen und Rinnen ausgestattet wurde, die das Wasser in die gewünschte Bahn lenken. Schließlich soll es von Norden kommend durch das Becken in Richtung Südosten geleitet werden, wo das Drosselbauwerk es nach und nach in einen neuen Kanal leitet, der weiter südlich in eine vorhandene Leitung führt, die wiederum im neu hergerichteten Einlass am Löhnbach-Nebenlauf endet.

Hightech fürs millimetergenaue Ausbaggern

Baggerführer Antonius Schulte hat dazu Hightech zur Hand. Per GPS bekommt er millimetergenau angezeigt, wo die Schaufel noch einmal über den Schotter kratzen muss, um die benötigte Tiefe im Becken zu erreichen. „Früher haben wir per Hand gemessen“, erinnert sich Thomas Tillmann noch genau an die aufwendige Handarbeit. Per GPS ist es genauer und einfacher. So sehr, dass auf Baustellen ohne ausreichendenden GPS-Empfang sogar eigene Stationen aufgebaut werden, die die Koordinaten an den Bagger senden.

35 Tonnen schwerer Betonklotz sorgt künftig für den Schutz kleiner Wassertierchen

Baggerführer Antonius Schulte weiß dank GPS millimetergenau, wie tief seine Schaufel über den Schotter kratzen darf. © Udo Hennes

Es ist Maßarbeit, die die drei Kollegen der Firma Feldhaus seit Anfang Juli auf der Hohenheide erledigen. Die Erdarbeiten sind mittlerweile weitgehend abgeschlossen und mit dem Einschwenken des Drosselbauwerks am Freitag ist ein weiterer wichtiger Schritt erledigt. Nun muss das Becken noch mit Bahnen aus Bentonit abgedichtet werden. Das Bentonit, ein Kunststoffvlies mit Toneinlage, die bei Nässe abdichtet, ist haltbarer als simple Kunststofffolie.

»Man kann nicht für jeden Katastrophenregen Vorsorge treffen.«
Markus Törnig, Tiefbauamt Fröndenberg

Richtung Südosten bekommt das Becken am Ende noch einen Notüberlauf, der bei außergewöhnlichen Regenereignissen dafür sorgt, dass das Wasser auch mal geregelt überlaufen kann - und zwar in Richtung Bachlauf.

Der Rückhalt ist schließlich „nur“ für einjährige Starkregenereignisse ausgelegt. „Man kann nicht für jeden Katastrophenregen Vorsorge treffen“, betont Markus Törnig. Er ist aber zuversichtlich, dass ein Überlaufen des Regenrückhalts nur relativ selten vorkommen wird.

Blühwiese zum krönenden Abschluss

Bis Ende September soll das Regenrückhaltebecken in Betrieb gehen. Dann wird das insgesamt 5000 Quadratmeter große Grundstück noch bepflanzt - mit Büschen, Sträuchern und Blühwiese. Ein krönender Abschluss für das Projekt, das mitsamt Planung, Ausführung, Gewässerbetrachtung und allem drum und dran rund 650.000 Euro kostet.

Rückhalt ermöglicht Neubauten

Vorsorge für die Ortsteil-Entwicklung

  • Für jede Einleitungsstelle in einen natürlichen Bach oder Fluss braucht die Stadt eine sogenannte Einleitungsgenehmigung. Diese wird für 20 Jahre erteilt, wenn die entsprechenden Umweltschutz-Auflagen eingehalten werden.
  • War es früher üblich, die Genehmigungen für jede Einleitungsstelle zu erneuern, sobald sie ausliefen, geht die Stadt Fröndenberg die Sache mittlerweile effizienter an. Sobald eine Genehmigung an einem Bach ausläuft, werden alle Einlassstellen an dem Wasserlauf überprüft.
  • Am Löhnbach und seinen Nebenläufen gibt es sechs Einleitungsstellen, die mit dem Bau des Regenrückhaltebeckens allesamt wieder für 20 Jahre genehmigt sind.
  • Ohne diese Genehmigungen sind Neubaugebiete oder auch nur ein Lückenschluss in der bestehenden Bebauung nicht möglich, da jede Flächenversiegelung zusätzliche Wassermassen in den Bach bringt.

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