Regenmassen und Wasserfluten nach dem Unwetter am 4. Juli machten auch bei Olaf und Katja Westhoff in Warmen das Haus unbewohnbar. © Udo Hennes
Unwetter

Kopfschütteln von Flutopfern über versagte NRW-Soforthilfe für Fröndenberg

Soforthilfe will die NRW-Landesregierung den Geschädigten des Unwetters auszahlen. Anträge dürfen nur Opfer vom 14. und 15. Juli stellen. Fröndenbergs Katastrophentag spielt keine Rolle – das verärgert.

Wer nach Fluten und Hochwasser von existenzieller Not betroffen ist, kann pro Haushalt bis zu 3500 Euro aus der Staatskasse erhalten. Die Staatskanzlei in Düsseldorf definiert sehr knapp, wer zu den Begünstigten zählt und wer nicht.

»Der entstandene Schaden muss kausal auf die Unwetterkatastrophe vom 14./15. Juli zurückzuführen sein.«

Sprecherin der Staatskanzlei NRW

Auf Nachfrage dieser Redaktion, wer von der Soforthilfe bedacht wird, hieß es von einer Sprecherin wörtlich: „Der entstandene Schaden muss kausal auf die Unwetterkatastrophe vom 14./15. Juli zurückzuführen sein. Nur dann kann ein Antrag auf Soforthilfe gestellt werden.“

Am Nachmittag des 4. Juli ergossen sich laut Deutschem Wetterdienst im Raum Fröndenberg relativ eng begrenzt mehr als 120 Liter Regen auf den Quadratmeter, der dazu führte, dass Bäche über die Ufer traten und im Anschluss daran weite Teile der Stadt überschwemmten.

Deutscher Wetterdienst: „Extremes Ereignis“ in Fröndenberg

„Es handelt sich dabei um ein extremes Ereignis: an der Wetterstation Werl, also nur unweit von Fröndenberg entfernt, werden im langjährigen Mittel 74 Liter pro Quadratmeter im gesamten Juli registriert“, analysierte Diplom-Meteorologe Malte Witt kürzlich auf Anfrage dieser Redaktion. Es sind also in kurzer Zeit an einem Nachmittag rund zwei mittlere Monatssummen gefallen.

Viele Wohnungen im Erdgeschoss sind dadurch oft für Monate unbewohnbar geworden, besonders in Warmen und Neimen. Das Haus Löhnbachtal ist wegen der Schäden noch das ganze Jahr über evakuiert; das Löhnbad zweifelt, ob der Badebetrieb in diesem Jahr noch einmal möglich sein wird.

Über die kategorische Beschränkung der finanziellen Hilfen durch das Land auf das Unwetter am 14. und 15. Juli, das unter anderem an der Erft verheerende Folgen hatte, herrscht daher in Fröndenberg Unverständnis.

»Unbürokratische Hilfe wurde zugesagt, aber auf Nachfrage im Büro von Herrn Laschet unser Schadensereignis ausgenommen.«

Gabriela Massmann

„Unbürokratische Hilfe wurde zugesagt, aber auf Nachfrage im Büro von Herrn Laschet unser Schadensereignis ausgenommen“, berichtete am Montag Gabriela Massmann. Junge Familien aus ihrer Nachbarschaft hätten sich bereits in Düsseldorf erkundigt – ohne Erfolg.

Soforthilfe soll Finanzspritze für Dringendes sein

Man sei auch in Warmen massiv hochwassergeschädigt, die Häuser teilweise ebenfalls unbewohnbar. „Nun verfestigt sich der Eindruck, es handele sich um ein Ereignis am 14. Juli, dem möchten wir noch einmal mit Nachdruck widersprechen“, so die Warmenerin im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Wir möchten uns in keiner Weise vergleichen mit anderen Geschädigten im Rheinland, in Hagen oder an der Ahr, die ja zum Teil auch Angehörige verloren haben“, betont Massmann.

Die Soforthilfe solle ihrem Sinn nach aber gerade materielle Notlagen lindern, eine Finanzspritze für dringend Benötigtes sein. Insofern sei der katastrophale Starkregen am 4. Juli mit den schlimmen Unwetterfolgen am 14./15. Juli absolut vergleichbar.

Sie wisse von betroffenen Familien, die keinen Kredit bekommen und auch keine Angehörigen im Rücken haben, die sie unterstützen. „Das ist eine ganz bittere Geschichte“, hat Gabriela Massmann erfahren. „Wir brauchen für diese Familien jede Hilfe.“

Mit überfluteten Kellern und einer ausgefallenen Heizung sei ihre eigene Familie im Vergleich zu Nachbarn noch fast glimpflich davon gekommen. Hilfen werde sie daher auch selbst nicht beantragen, zumal es ein gewisses Polster gebe. Ihr gehe es um ein als ungerecht empfundenes Vorgehen bei den Opfern der Fluten.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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