Fröndenbergs neuer Stadtrat: Weisheit und Talent sind ungleich verteilt

dzKommunalwahl 2020

Fröndenbergs neuer Stadtrat überrascht: Die Partei der Frauenquote erreicht kaum die Hälfte der angstrebten 40 Prozent, viele Beamte kontrollieren die Verwaltung – und das Durchschnittsalter kündet von Weisheit und Talent.

Fröndenberg

, 24.10.2020, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Wähler in Fröndenberg haben aus hundert Kandidaten bei der Kommunalwahl 34 neue Ratsleute auserkoren. Dass die Mandatsträger ein repräsentatives Abbild der Einwohnerschaft abgeben, kann man allerdings nicht sagen.

Am krassesten weichen Fröndenberger Wirklichkeit und Realität im Stadtrat bei der Verteilung der Geschlechter voneinander ab: Gerade einmal zehn Ratsfrauen vertreten in der nächsten Wahlperiode die Interessen der Menschen in der Stadt. Das sind ganze 28,6 Prozent.

Großes Geschlechter-Missverhältnis bei der SPD

Überraschend groß ist das Missverhältnis bei einer Partei, die sich eine Frauenquote auf die Fahne geschrieben hat: der SPD. Lisa Kobusch und Susanne Klesse-Arndt - Nachrückerin für Sabina Müller - sitzen auf der Bank der Sozialdemokraten gemeinsam mit neun Männern: 18,2 Prozent schafft die SPD beim Thema Gleichberechtigung.

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Nicht zu unterschlagen: Mit der Bürgermeisterin in spe Sabina Müller, die bei der Ratswahl ein Direktmandat geholt hatte, stellt die SPD die Verwaltungschefin, die Stimmrecht nun allerdings nicht als Fraktionsmitglied, sondern als Vorsitzende des Rates hat.

Vier Rentner, drei Studenten, zwei Landwirte

Während die Grünen in Fröndenberg mit einem Verhältnis 3:3 weiterhin die gerade so umstrittene Parität erreicht haben – sie haben auf der Reserveliste abwechselnd einen Mann und eine Frau aufgestellt –, erreicht die CDU den Gleichstand nur annähernd bei sechs Männern und vier Frauen. Von vier Männern dominiert wird wiederum die FWG: Hier bringt allein Alexandra Labs eine weibliche Sichtweise ein.

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Kandidaturen und Wahlergebnis haben aber nicht nur einen deutlichen Männerüberschuss gebracht. Auch Angehörige des Öffentlichen Dienstes sind stark überrepräsentiert im neuen Rat.

Allein zehn Staats- oder Stadtbedienstete sitzen im Rund, darunter allein sechs Beamte. Bildeten sie eine eigene Fraktion, wären sie fast gleichauf mit der stärksten Partei, der SPD (11).

Eine relativ starke Stimme hat auch die Landwirtschaft: davon nämlich gleich zwei. Die CDU stellt mit Sebastian Becker-Dahlhoff und Henrik Plaas-Beisemann zwei Agrarexperten. Angesichts der ökonomischen Struktur der Stadt sicherlich nicht ungewöhnlich.

Durchschnittsalter: wie ein guter alter Wein

Drei Studenten stehen vier Rentner gegenüber, ansonsten ist das Ratsplenum beruflich bunt gemischt: Neben Sozialarbeitern sitzen Architekten, Kraftwerker ebenso wie Maschinenbauingenieurinnen oder Bilanzbuchhalterinnen.

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Mit 41 Jahren im Durchschnitt ist die SPD, wenn auch nicht die weiblichste, so doch die jüngste Fraktion, stellt allein vier der acht jüngsten Ratsleute. Die FWG folgt mit 44 Jahren, danach die Grünen mit 52 Jahren, die Methusalems sitzen bei der CDU: 55 Jahre alt sind die Christdemokraten im Schnitt, sie haben fünf der zehn ältesten Mandatsträger in ihren Reihen.

Das Durchschnittsalter des Stadtrates - der Jüngste ist 19, der Älteste 84 - spiegelt jedenfalls annähernd den bundesweiten Schnitt von 44,5 Jahren wider: Bei rund 47 Jahren kann man von einem produktiven Alter sprechen, das Weisheit mit Talent verbindet.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels ist die Nachrückerin Susanne Klesse-Arndt - für Bürgermeisterin in spe Sabina Müller - nicht genannt worden. Bei der CDU ist zudem ein männliches Ratsmitglied unterschlagen worden; der Jüngste im Rat ist 19 und nicht 20 Jahre alt. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

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