Schnell den Wasserzähler ablesen – und nächsten Sonntag noch mal: Die Kolpingfamilie ruft für eine Woche zum Sparen auf. Anlass ist die Eine-Welt-Woche, da geht's um Trinkwasser-Probleme in Uganda.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 07.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei dem Einen mehr, bei der Anderen weniger – aber nach amtlichen Schätzungen verbraucht der Durchschnitts-Deutsche satte 121 Liter kostbares Trinkwasser. Jeden Tag! Der Fröndenberger Kolpingfamilie ist die Statistik sauer aufgestoßen – zumal man sich dort unter dem Stichwort Eine-Welt gerade mit Brunnenbau-Projekten in Uganda beschäftigt: „In der Region Hoima müssen die Menschen ohne Zugang zum Brunnen mit nur 20 Litern auskommen“, weiß Gabriele Preuß.

Anlass genug für einen kleinen Test, den jedermann schadlos mitmachen kan. „Bitte lesen Sie heute, am Sonntag, 8. März, den Wasserzählerstand ab und nächsten Sonntag noch mal. Und versuchen Sie in dieser Woche so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen,“ bitte die Ostbürenerin Gabriele Preuß.

Jetzt lesen

Die Vorsitzende der Fröndenberger Kolpingsfamilie will so die Sinne schärfen für den Umgang mit den Natur-Ressourcen hier. „In Uganda, wo wir in Hoima schon einen Brunnen mit Spendengeldern aus Fröndenberg finanziert haben, herrscht Trockenheit. Die Frauen müssen dort ihre 20 Liter-Kanister kilometerweit schleppen.“

Statistisch lässt jeder Fröndenberger 36,4 Liter kostbares Trinkwasser durch die Toilette rauschen - jeden Tag. "Das geht auch sparsamer", meint Gabriele Preuß von der Kolpingsfamilie.

Statistisch lässt jeder Fröndenberger 36,4 Liter kostbares Trinkwasser durch die Toilette rauschen – jeden Tag. „Das geht auch sparsamer“, meint Gabriele Preuß von der Kolpingsfamilie. © Martin Krehl

In Fröndenberg läuft es aus dem Wasserhahn, in exquisiter Qualität. Dafür sorgen die Stadtwerke, die übrigens sehr interessiert daran sind, die Wassersparergebnisse der Fröndenberger zu erfahren. Die Stadtwerke werden am Gesamtverbrauch in der Eine-Welt-Woche vermutlich keine Schwankungen feststellen, dann müssten schon alle Fröndenberger Haushalte „Uganda spielen“.

Ein Großteil des Wassers wird jeden Tag verduscht

48,4 Liter Trinkwasser wird jeden Tag „verduscht, von einer Person wohlgemerkt. 36,3 Liter rauschen durch die Toilette, immerhin 15,73 Liter verbraucht die Waschmaschine, der Rest geht fürs Geschirrspülen (8,47 Liter), Putzen, Autowaschen und Blümchengießen (7,26 Liter) und das Kochen (4,84 Liter) drauf. Die Zahlen hat die Kolpingsfamilie vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz in Berlin (BMU).

„Da ist doch jede Menge Potential zum Sparen“, sagt Gabriele Preuß. Die Toilette könnte auch mit aufgefangenem Regenwasser gespült werden. Man muss vielleicht auch nicht jeden Tag ausgiebig duschen, das Auto kann auch mal eine Woche staubig durch die Gegend fahren. Und so weiter.

Vor allem soll der Blick geschärft werden

Der Kolpingsfamilie, deren Einsatz für Eine-Welt-Projekte schon eine jahrzehntealte Tradition hat, geht es vor allem darum, den Blick zu schärfen und auch mal auf die Situation anderer Menschen auf der Erde zu lenken. Das Jahr 2020 steht für die Kolpingsfamilie in Frödenberg unter dem Leitthema „Wasser ist Leben“. Im Januar gab es schon die traditionelle Winterwanderung zum Hochbehälter am Henrichsknübel, im April werden Bibelstellen zum Thema Wasser untersucht. Weiter geplant ist ein Vortrag zum Umgang mit Medikamenten und Wasser.

Spendengelder aus Fröndenberg landen direkt bei der Kolping-Organisation in Hoima. Jeder Euro kommt dort an, wo er gebraucht wird.

Spendengelder aus Fröndenberg landen direkt bei der Kolping-Organisation in Hoima. Jeder Euro kommt dort an, wo er gebraucht wird. © Kolping International

Seit Ende 2019 wird schon fleißig gesammelt und gespendet, es ist schon ein ansehnlicher Betrag auf dem Kolpings-Konto – die Brunnen in Uganda sind nicht sehr teuer, aber für gleich zwei solche Bohr- und Bau-Projekte fehlt noch Bares.

Kolpingfamilien gibt es überall auf der Welt, auch in Uganda. Jeder in Fröndenberg gesammelte Euro, jeder Cent geht ohne Umwege direkt an das Kolping-Projektteam vor Ort in Hoime. Das Internationale Kolpingwerk setzt sich in diesem Jahr auch verstärkt für Uganda und den Bau von Brunnen und Zisternen ein. Eine vor Ort von kundigen Handwerkern errichtete Zisterne kostet übrigens weniger als 2000 Euro, 10000 Liter Wasser können während der Regenzeit darin gespeichert werden.

Jetzt lesen

Eine-Welt-Marsch in Fröndenberg

Nächsten Sonntag findet der Eine-Welt-Marsch in Fröndenberg statt, dabei und bei weiteren Aktionen sammelt die Kolpingsfamilie Geld. Schon am Samstag wollen die Kolping-Leute mit Kindern aus der Overbergschule auf dem Eedeka-Parkplatz Schuhe putzen. Für Spenden natürlich.

In der Regenzeit kann Wasser in solchen Zisternen gesammelt werden, aber das reicht dann nicht für die lange Dürrezeit in Hoima. Zisternen gibt es auch lange nicht an jedem Haus.

In der Regenzeit kann Wasser in solchen Zisternen gesammelt werden, aber das reicht dann nicht für die lange Dürrezeit in Hoima. Zisternen gibt es auch lange nicht an jedem Haus. © Kolping Internatiuonal

„Unser Ziel ist es in Hoima noch zwei weitere Brunnen finanziert zu bekommen, das ist Hilfe zur Selbsthilfe.“ Wenn den Menschen in Uganda eine sichere Existenz geboten werden kann, ist das auch Fluchtursachenbekämpfung in Zeiten des Klimawandels.

Eine-Welt-Woche der
Kolpingsfamilie

  • Sonntag, 8. März (heute), 10 Uhr, Heilige Messe in St. Marien zum Thema "Wasser ist Leben", gestaltet von der Kolpingsfamilie
  • Samstag, 14. März, 10 Uhr Schuhputzaktion zugunsten des Brunnenbaus in Hoime/Uganda auf dem EDEKA-Parkplatz mit Kinder der Overbergschule
  • Sonntag, 15. März, 14.30 Uhr, Start des Eine-Welt-Marsches an der Sparkasse im Stift, Wanderung geht u.a. zur Ruhr, anschließend Kaffeetrinken im Pfarrzentrum St. Marien, parallel für Kinder und Jugendliche eine Schnitzeljagd mit dem Smartphone.

Mit den abgelesenen Zählerständen kann jeder Haushalt ungefähr ausrechnen und schätzen, was er in dieser Eine-Welt-Woche an Trinkwasser verbraucht hat. Wenn es entscheidend weniger sind als 120 Liter pro Person, sollte man seine Erfahrungen weitergeben. Am liebsten per E-Mail an kolpingsfamilie-froendenberg@web.de. In den nächsten Pfarrnachrichten des Pastoralverbundes werden die Ergebnisse bekannt gegeben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Pandemie
Coronavirus im Schmallenbach-Haus eingedämmt – Weiterer Todesfall – Panne bei Tests
Hellweger Anzeiger Straßenanierung
Straßenbauarbeiten: Ostbürener Straße nach Ostern für fünf Wochen gesperrt
Hellweger Anzeiger Corona-Krise
Abiturienten aus Bergkamen packen an: Unnaer Tafel plant wieder Lebensmittelausgabe
Hellweger Anzeiger Kampfmittelbesetigung
Bevor der Fröndenberger Marktplatz umgebaut wird, wurden Blindgänger gesucht