Klimawandel und ein ökologischer Daumen bescheren Fröndenberger Garten seltene Orchidee

dzÖkologie und Naturschutz

Durch den Klimawandel breiten sich Tiere und Pflanzen, die aus wärmeren Gefilden stammen, mittlerweile auch am Haarstrang und im Ruhrtal aus - wie zum Beispiel eine seltene Orchidee in einem Fröndenberger Garten.

Fröndenberg

, 02.06.2020, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was sich da im Februar in einem Beet ausbreitete, weckte sofort die Neugier der Gartenbesitzer auf dem Sümberg: vier Blätter, rosettenförmig, und zumindest in Fröndenbergs freier Natur von ihnen zuvor noch nie erspäht.

»Vielleicht haben Vögel Samen fallen lassen.«
Barbara Streich

Barbara Streich, selbst studierte Biologin, ließ das zarte Pflänzchen wachsen, das auch prächtig gedeihte und bis Mai acht Knospen ausbildete. Auch nach Expertenmeinung besteht kein Zweifel: Im Garten der Streichs ist die in unseren Breitengraden extrem seltene Bienen-Ragwurz, eine Orchideenart, auf fruchtbaren Boden gestoßen.

Extensives Wachstum im Garten begünstigt Ansiedelung

Was am ehesten noch in Süddeutschland zu finden ist, wächst nun also auch in der Westfälischen Bucht - Barbara Streich begeistert das. Vor allem deswegen, weil sie und Ehemann Martin ihren Garten extensiv wachsen lassen, also möglichst wenig kultivierend eingreifen - auch kein vermeintliches Unkraut auszupfen.

Die Orchidee hatte auf dem Untergrund mit zerkleinerten Tonziegeln, die Wasser speichern können, und Lavatuff, der Wärme und Feuchtigkeit hält, günstige Bedingungen.

Doch nicht nur dieser ökologische Daumen, der der Natur ihren Raum gibt, hat offenbar die Ansiedelung des seltenen Gewächses begünstigt.

Schön anzusehen und früher in unseren Breitengeraden kaum zu finden: die Orchideenart Bienen-Ragwurz.

Schön anzusehen und früher in unseren Breitengeraden kaum zu finden: die Orchideenart Bienen-Ragwurz. © privat

Bernd Margenburg, der Orchideen-Papst des Nabu im Kreis Unna, wie Barbara Streich ihn nennt, hat die seltene Pflanze anhand einer Abbildung als Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) identifizieren können.

Tatsächlich habe Ophrys apifera als wärmeliebende Orchideenart, die auf mäßig trockenen bis wechselfeuchten kalkhaltigen Böden vorkommt, in den letzten Jahren auch vom Klimawandel profitiert.

Barbara Streich ließ einem zarten Pflänzchen im Februar auf einem Kiesbeet seinen Raum - bis Mai entwickelte sich das zunächst unscheinbare Gewächs zu einer schönen Orchidee - der Bienen-Ragwurz.

Barbara Streich ließ einem zarten Pflänzchen im Februar auf einem Kiesbeet seinen Raum - bis Mai entwickelte sich das zunächst unscheinbare Gewächs zu einer schönen Orchidee - der Bienen-Ragwurz. © Borys Sarad

Zur Sache

Extensive Begrünung

  • Sogenannte extensive Begrünungen kommen von ihrem Erscheinungsbild her natürlichen ungenutzten Flächen nahe. Extensiv bedeutet hier so viel, dass man den Pflanzen den nötigen Raum zur Ausbreitung lässt.
  • Extensive Begrünungen, von Flach- oder Garagendächern lassen sich auch unterstützen, indem vor allem niedrigwüchsige Pflanzen (Moose, Sukkulenten, Kräuter, Gräser) eingesetzt werden, die sich weitgehend selbst erhalten und die sich auch ohne bzw. geringer Pflege weiterentwickeln.

In Nordrhein-Westfalen finde man diese Art seit etwa zwei Jahrzehnten, was auf „eine deutliche Ausbreitungstendenz“ hinweise. Während man die Orchidee sonst auf Trocken- und Halbtrockenrasen und Wacholderheiden antrifft, breite sie sich zunehmend auch in Sekundärlebensräumen wie Steinbrüchen, Industriebrachen, Rekultivierungsflächen der Bergbaufolgelandschaften des Braunkohleabbaus aus.

Orchidee ist nur gut 20 Zentimeter groß

„Sogar in Zierrasen und extensiv genutzten Parkwiesen“, so Bernd Margenburg, der damit bestätigt, was Barbara Streich beobachtet hat. Margenburg: „Die Pflanzen können schon im Herbst neu austreiben, sodass man sie im Winter an ihren typischen Blattrosetten erkennen kann.“

Barbara Streich konnte mittlerweile die zierlichen Blüten der nur rund 20 Zentimeter hohen Orchidee bestaunen. Wie sich die Bienen-Ragwurz in ihrem Garten letztlich ansiedeln konnte, bleibt ein Geheimnis. Barbara Streich: „Vielleicht haben Vögel Samen fallen lassen.“

Barbara Streich hat ausgemessen: Gerade rund 20 Zentimeter misst die Bienen-Ragwurz.

Barbara Streich hat ausgemessen: Gerade rund 20 Zentimeter misst die Bienen-Ragwurz. © Borys Sarad

Bernd Margenburg (2.v.l.) ist der Orchideen-Experte des Nabu im Kreis Unna, hier zeigt er bei einer Abendwanderung auf dem Friedhof Kamen ebenfalls Orchideen.

Bernd Margenburg (2.v.l.) ist der Orchideen-Experte des Nabu im Kreis Unna, hier zeigt er bei einer Abendwanderung auf dem Friedhof Kamen ebenfalls Orchideen. © Archiv/Marcel Drawe

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