Klimawandel: Heimatverein Frömern pflanzt robuste Silberweiden für Schmetterlinge

dzLandschaftsbild

Der Heimatverein Frömern pflanzt mit den Schülern der Gemeinschaftsgrundschule mehrere Weiden am Backenberg. Die Silberweiden sind robust, hitzebeständig und besonders wichtig für Schmetterlinge.

Frömern

, 18.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein längerer Marsch durch die Felder, bis die Schüler den Ort erreichen, an dem die neuen Kopfweiden gepflanzt werden sollen. Vom Hof Sümmermann aus geht es den Feldweg entlang bis zur Kläranlage, von dort aus schlägt sich die Klasse 2a der Gemeinschaftsgrundschule mit Alfred Leider und Fritz Kleemann vom Heimatverein Frömern in den Wald.

In Schlangenlinien geht es den Backenberg hinauf und hinunter, bevor sie die Stelle am Bachlauf erreichen, an der die neuen Weiden schon bereitliegen. Hier sollen sie neben mehreren Holunderbüschen ein neues Zuhause finden. Alfred Leider erklärt den Kindern: „Der Bach führt nur im Herbst und Winter Wasser.“ Den Rest des Jahres liegt er trocken.

Quer durch den Wald den Backenberg hoch und runter ging es für die Schüler, bis das Ziel erreicht war.

Quer durch den Wald den Backenberg hoch und runter ging es für die Schüler, bis das Ziel erreicht war. © Borys Sarad

Weiden sind hitzebeständig

Das liege daran, dass unter den Erdschichten eine löchrige Kalksteinschicht liegt, durch die das Wasser durchsickere. Nur wenn zu viel Wasser von oben komme, führe der Bach auch oberirdisch Wasser.

Den Weiden jedoch reicht es aus, wenn der Boden feucht ist. „Die sind widerstandsfähig“, sagt Kleemann. „Auch gegen Hitze. Die können ihre Blätter schnell einrollen und sind sehr robust. Solange die Füße noch etwas Wasser ziehen können, sind die hitzebeständig.“

Ideal also, um sie in Zeiten des Klimawandels zu pflanzen. So nah am Bachlauf haben die Kopfweiden gute Chancen, auch im trockensten Sommer noch etwas Wasser im Boden zu finden.

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Nahrung für hundert Schmetterlingsarten

Warum aber ausgerechnet Weiden, abgesehen von der Hitzebeständigkeit? „Die Bäume sind wirklich wichtig für Schmetterlinge“, erklärt Kleemann. Mehr als hundert Raupenarten würden sich von den Blättern der Kopfweiden ernähren. „Diese Bäume sind so wichtig für die Natur.“

Warum führt der Bach nur im Winter Wasser? Solche und ähnliche Fragen beantwortete Alfred Leider den Kindern.

Warum führt der Bach nur im Winter Wasser? Solche und ähnliche Fragen beantwortete Alfred Leider den Kindern. © Borys Sarad

Doch leider gebe es immer weniger Weiden, weil sie kein Nutzholz produzieren. „Zu weich“, weiß Kleemann. Das Holz der Weiden könne man höchstens noch für den Kamin nutzen, für alles andere sei es nicht brauchbar – und trotzdem unfassbar wichtig für die Fauna.

Teil des Sachkundeunterrichts

Deshalb hat sich der Heimatverein entschlossen, die Kopfweiden wieder in Frömern heimischer und verbreiteter zu machen. Dem Geschichtsverein liegt die heimische Natur am Herzen. Schon lange pflegen die Mitglieder Kopfweiden und Obstbäume im Ort.

Info

Engagement für den Heimatverein

  • Der Heimatverein hofft, mit der Aktion auch die Jugend „mit ins Boot holen“ zu können, wie Leider erklärt.
  • Der alternde Verein will damit Werbung für seine naturkundlichen Aktionen machen.
  • Außerdem sollen die Weiden Vögeln und Insekten einen Lebens- und Brutraum bieten.
  • Auch das Landschaftsbild werde mit der Aktion verschönert.
  • Die Silberweiden werden dabei auf dem Gebiet von Linhoffs ehemaligem Obstgarten gepflanzt. Der war bis in die 1970er Jahre in Betrieb, bevor er mehr und mehr verwilderte.
Als Teil des Sachkundeunterrichtes begleiten die Schüler die Männer bei der Aktion. Sie haben schon im Vorfeld etwas über die Kopfweiden, deren Pflege und wie sie gepflanzt werden gelernt und können nun sehen, wie das alles in der Praxis aussieht.

Nächsten Wochen entscheidend

Zwanzig neue Stecklinge werden am Montagmittag in die Erde geschlagen. Die Kinder beobachten mit großen Augen, wie Leider und Kleemann erst mit einem Eisenstab ein Loch in die Erde hacken und die mannshohen Stecklinge dann einpflanzen. Mindestens dreißig Zentimeter tief soll das Loch sein, der Heimatverein geht allerdings auf Nummer sicher.

Mit einem Hammer und einer Dose als Schutz für die Bäume werden die Stecklinge tiefer in die Erde geschlagen. Wenn alles gut geht, fangen sie laut Kleemann in den nächsten drei Wochen an, Wurzeln zu schlagen. Solange heißt es hoffen, dass kein Sturm die Stecklinge umwirft.

„Im Frühjahr können wir dann hoffentlich Knospen sehen“, sagt Kleemann. Die sind nämlich der Beweis, dass die Silberweiden sich an ihrem neuen Standort wohlfühlen und eingelebt haben.

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