Klimawald für Fröndenberg – warum das vor allem eine Aufgabe privater Waldbesitzer ist

dzKlimawandel

Ein Klimawald für Fröndenberg steht auf der politischen Tagesordnung. Gerhard Dreps ist Chef der Forstbetriebsgemeinschaft. Er weiß: Überzeugen muss man vor allem private Waldbesitzer. Denn für die geht es um bares Geld.

Fröndenberg

, 03.09.2019, 14:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den Klimawandel soll die Stadt Fröndenberg mit der Aufforstung eines Klimawaldes reagieren. Die Stadt besitzt Wald und Grund. Größter Waldbesitzer in Fröndenberg sind allerdings Privatleute – auf sie wird es ebenfalls ankommen.

Die Bedeutung der Bäume für unser Klima, als Sauerstoffspender und Kohlendioxidspeicher, ist unbestritten. Auch deswegen und weil sie die Feststellung eines Klimanotstandes nicht mitträgt, hat die FWG kürzlich beantragt: Die Stadt Fröndenberg möge einen Klimawald aufforsten.

Klimawald für Fröndenberg – warum das vor allem eine Aufgabe privater Waldbesitzer ist

Gerhard Dreps ist Diplom-Forstingenieur und war beim Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Für die Forstbetriebsgemeinschaft Unna/Hamm ist er als Geschäftsführer tätig. © Marcel Drawe

? Wie viel Wald gibt es in Fröndenberg überhaupt?

Fröndenberg hat eine Fläche von 56,23 Quadratkilometer. Die Waldfläche auf dem Stadtgebiet ist 616 Hektar oder 6,16 Quadratkilometer groß, das sind nur elf Prozent der Gesamtfläche. Fröndenberg gehört damit neben Holzwickede (8 Prozent) und Unna (5 Prozent) zu den eher waldarmen Kommunen im Kreis. Zum Vergleich: In Werne sind es rund 17 Prozent, in Schwerte sogar 28 Prozent.

Klimawald für Fröndenberg – warum das vor allem eine Aufgabe privater Waldbesitzer ist

Bei der jüngsten Vortragsveranstaltung des Rahel-Varnhagen-Salons im Stiftsgebäude referierte Gerhard Dreps über das Thema Waldsterben. © Marcel Drawe

? Wem gehört der Wald in Fröndenberg?

In der Forstbetriebsgemeinschaft Unna/Hamm, zu der auch Hamm, Kamen und Bönen gehören, sind überwiegend Waldbesitzer aus Unna und Fröndenberg organisiert. Es ist ein freiwilliger Zusammenschluss, daher sind nicht alle Waldbesitzer Mitglied. Organisiert sind in der FBG 50 private Waldbesitzer aus Fröndenberg mit 415 Hektar Wald, die Stadt Fröndenberg mit 30 Hektar Kommunalwald. Rund zwei Drittel der Waldfläche in Nordrhein-Westfalen ist Privatwald, weiß Gerhard Dreps, Geschäftsführer der FBG.

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? Gibt es für einen Klimawald in Fröndenberg geeignete Standorte?

Der Moment, einen Klimawald aufzuforsten, ist grundsätzlich günstig: Denn Sturm Friederike im Januar 2018, Trockenheit und Borkenkäfer haben auch dem Wald in Fröndenberg zwar arg zugesetzt. Die Schneisen, die Unwetter und Schädling hinterlassen, könnten aber künftig mit Baumarten wiederaufgeforstet werden, die gegen den Klimawandel besser bestehen als flach wurzelnde und käferanfällige Fichten.

Zur Sache

Aufgaben der Forstbetriebsgemeinschaft

  • Die Forstbetriebsgemeinschaft Unna/Hamm vertritt private und kommunale Waldbesitzer in Hamm, Unna, Kamen, Fröndenberg und Bönen.
  • Freiwillig organisiert sind in der FBG 250 Waldbesitzer mit einer Gesamtwaldfläche von 2400 Hektar, also 24 Quadratkilometern.
  • Neben der Stadt Fröndenberg und den Stadtwerken Fröndenberg sind rund 50 private Waldbesitzer aus Fröndenberg in der FBG Mitglied.
  • Viele Waldeigentümer wohnen nicht vor Ort. „Von der Nordsee bis München“ leben Besitzer aus Fröndenberg, so Geschäftsführer Gerhard Dreps.
  • Die FBG hat den Auftrag, den höchstmöglichen Verkaufspreis für das geschlagene Holz zu erzielen.
  • In einem durchschnittlichen Jahr werden in der FBG Unna/Hamm rund 6500 Festmeter Holz geschlagen. Der Sturm Friederike hat allein zu 8500 Festmetern Kahlschlag geführt; dazu kommen 7500 Festmeter Käferholz.
  • Noch rund 11.000 Festmeter Fichtenholz, überwiegend in Fröndenberg, müssen laut Gerhard Dreps noch gefällt werden.

? Warum sollten Waldbesitzer auf die Fichte freiwillig verzichten?

Die Fichte gilt als „Brotbaum“, weil sie schon nach 80 Jahren hiebreif ist. Bis zur Hiebreife dauert es bei der Buche zwischen 120 und 140 Jahren, bei der Eiche sogar 180 Jahre. Die Aufforstung mit klimaresistenteren Laubhölzern wird daher vom Land gefördert. Denn Wald ist nicht zuletzt ein Wirtschaftsgut, jedoch längst nicht für alle Eigentümer. Die durchschnittliche Größe des privaten Waldbesitzes in Fröndenberg liegt bei zwei Hektar. „Davon muss man nicht leben“, sagt Gerhard Dreps. Und selbst wer mit 40 bis 90 Hektar den Wald als wirtschaftliches Standbein besitze, ist nach seinem Eindruck schon sensiblisiert dafür, resistente Arten anzupflanzen: „Ich glaube, die meisten sind schon überzeugt.“

? Könnten die Waldbesitzer Kahlflächen nicht sich selbst überlassen?

Nein. Das Landesforstgesetz verpflichtet Waldeigentümer dazu, Kahlflächen innerhalb von zwei Jahren wiederaufzuforsten. Der Zeitdruck ist sinnvoll. „Man muss schnellstmöglich aufforsten, damit keine Bodenerosion entsteht“, weiß Diplom-Forstingenieur Dreps. Der sogenannte Forstschutz geht sogar noch weiter, etwa bei der Vorbeugung vor Käferbefall. „Nachbarn dürfen nicht gefährdet werden“, so Dreps. Trotz Preisverfalls muss „Käferholz“ also gefällt werden.

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