Klimaschutz durch Schafe: Landschaftspflege in Langschede hat umweltfreundlichen Nebeneffekt

dzUmweltschutz

Klimaschutz durch Schafe? Wenig bekannt ist, dass die Landschaftspflege der Tiere umweltfreundliche Nebeneffekte hat. Zu besichtigen ist das derzeit wieder an der Ruhr in Langschede.

Langschede

, 30.07.2019, 14:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schafe halten an der Ruhr in Langschede in diesen Tagen wieder den Riesenbärenklau nieder. Der gesamte Ufersaum wird dabei von den Tieren abgegrast. Dass diese offenen Landschaften zugleich aktiver Klimaschutz sind, ist weitgehend unbekannt.

Mannshoher Riesenbärenklau versperrt Sicht auf die Ruhr

„Das ist die Truppe vom Obergraben“, erzählt Schäfer Christof May lachend. Rund 30 Schafe hat er im zweiten Jahr in Folge für einige Wochen an die Ruhr nahe des Langscheder Sportplatzes gebracht. Dort stand der Riesenbärenklau nach der ersten Verbissaktion im letzten Sommer schon wieder mannshoch und versperrte die Sicht auf das Wasser.

Klimaschutz durch Schafe: Landschaftspflege in Langschede hat umweltfreundlichen Nebeneffekt

Der Riesenbärenklau hat fototoxische Wirkung, wenn Sonnenlicht auf die von der menschlichen Haut berührten Stellen trifft. Schafen tut die Pflanze nichts an. © Udo Hennes

Mittlerweile sind schon wieder große Abschnitte frei. Seinen Schafen kann die bei Menschen fototoxisch wirkende Pflanze – Berührung der Blätter und Sonnenlicht führt zu schmerzhaften Verbrennungen – nichts anhaben.

Die „Truppe vom Obergraben“ mäht ansonsten im Auftrag der Stadtwerke die dortigen Grünflächen ab. Hier wie da ist es nicht nur Landschaftspflege, die die Schafe betreiben.

Klimaschutz durch Schafe: Landschaftspflege in Langschede hat umweltfreundlichen Nebeneffekt

Wenn die Schafe an der Ruhr in Langschede den Ufersaum abgegrast haben, führt Schäfer Christof May sie mit seiner Herde, die zurzeit in Dortmund-Barop Grünland kurzhält, zusammen. © Udo Hennes

Landläufig heiße es immer, das Wald besonders viel CO2 bindet. Weitgehend unbekannt sei aber, dass Grünland der Atmosphäre noch viel mehr Kohlendioxid entziehen könne, heißt es beim Schafzuchtverband NRW.

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Gemeint ist dabei offenes Grünland, das also weder durch Riesenbärenklau noch durch andere dominante Pflanzen zuwuchere. Wenn man das Grünland sich selbst überlasse, entstehe eine Hochstaudenflur, erläutern die Experten des Verbandes im Gespräch mit unsere Redaktion. Diese binde zwar auch CO2, allerdings viel weniger.

Klimaschutz durch Schafe: Landschaftspflege in Langschede hat umweltfreundlichen Nebeneffekt

Die Schafe von Berufsschäfer Christof May halten auch das Grünland nieder. Eine Verbuschung würde die Bindung von CO2 aus der Atmosphäre verringern. © Land

Tatsächlich habe die Westfälische Wilhelms-Universität Münster diesen Effekt von Grünland in einer Studie zum nachhaltigen Landmanagement nachgewiesen. Demnach haben die Forscher verglichen, wie viel Kohlendioxid Ackerland, Grünland und ein Birkenwald jeweils binden. Das Grünland schnitt bei dieser Studie am besten ab.

Unterdessen bemerkt man beim Schafzüchterverband, dass ähnlich wie in Fröndenberg entlang der Ruhr Schafherden immer häufiger nicht nur zur reinen Landschaftspflege, sondern eben auch zur Zurückdrängung des Riesenbärenklaus eingesetzt werden.

Klimaschutz durch Schafe: Landschaftspflege in Langschede hat umweltfreundlichen Nebeneffekt

Die Schafe aus Wickede hielten schon im vergangenen Jahr das Grünland an der Ruhr in Langschede kurz. © Land

Der gilt zwar auch als wichtige Insektenpflanze, weil die Blüten sehr viel Nektar produzieren. Als eingeschleppte Pflanze werde sie – im Gegensatz zum heimischen Wiesenbärenklau – aber wegen ihrer Dominanz und Gefährlichkeit bekämpft.

Zur Sache

Beweidungsvertrag mit der Stadt Fröndenberg

Es gebe allerdings durchaus Schafrassen, die sich am Riesenbärenklau ebenso wie der Mensch verletzen können. Bei den Schafen von Christof May ist davon nichts zu spüren. Als er die mächtigen Pflanzen vorsichtig auf den Boden knickt, gibt es für die vierbeinigen Wollmäntel kein Halten mehr: Sie machen sich im Nu über die Herkulesstauden her.

Die überwiegend einjährigen Tiere bleiben übrigens zusammen, ein Ausbüxen ist unwahrscheinlich. Daher muss auch kein Hütehund eingesetzt werden; außerdem sichert der Elektrozaun das Gelände ab.

Wasser ist nicht ganz ungefährlich für Schafe

Wasser ist angesichts der hohen Temperaturen auch mehr als genug da. Den Weg zur Ruhr haben sich die Schafe selbst frei gebissen und saufen aus dem Fluss. Übrigens ist in Langschede noch kein Schaf in die Ruhr gefallen.

Am Obergraben ist das schon häufiger passiert und führte zu Einsätzen der Feuerwehr. Denn sobald sich der Pelz der Tiere mit Wasser vollsaugt, gehen sie oft unter. In Fröndenberg schafft es kürzlich aber tatsächlich ein Tier, die Ruhr zu durchqueren. Christof Mey: „Den habe ich an der Kettenschmiede wieder eingesammelt.“

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