Zum 200. Geburtstag feiert der Schützenverein Kirchspiel Bausenhagen ein großes Fest, das am Samstag mit dem Kaiserschießen beginnt. Zeit, auch auf die Anfänge des schon damals modernen Vereins zurückzublicken.

Fröndenberg

, 26.06.2019, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Countdown läuft: Nur noch wenige Tage trennen den Schützenverein Kirchspiel Bausenhagen von seinem Fest. Das läuft in diesem Jahr zum 200. Geburtstag über zwei Wochenenden und startet am Samstag, 29. Juni, mit dem Kaiser- und Königsschießen.

Das Fest auf einen Blick

Fünf Tage lang feiern mit den Kirchspiel-Schützen

Samstag, 29. Juni
  • Das Fest startet am Samstag mit dem Weckruf des Spielmannszugs Bausenhagen im Dorf. Höhepunkte des ersten Festtags sind das Kaiserschießen um 18 Uhr und das Königsschießen um 20.30 Uhr. Es folgen eine „Night-Glow-Show“ und das Open-Air-Konzert mit AEH-Event sowie DJ Ede ab 22 Uhr.
Freitag, 5. Juli
  • Weiter gefeiert wird am darauf folgenden Freitag mit AEH-Event und DJ Ede. Anschließend stehen ab 21.30 Uhr Double von Helene Fischer und Andreas Gabalier auf der Bühne.
Samstag, 6. Juli
  • Den Weckruf im Außenbezirk am Samstag bestreitet der Spielmannszug Bausenhagen. Um 13.30 Uhr ist Antreten am Festplatz zum Schützenfest. Ab 14 Uhr wird um den Titel des Stadtkönigs geschossen. Die Proklamation, Reden und anschließender Tanz mit der Band Sam beginnen um 18.30 Uhr.
Sonntag, 7. Juli
  • Um 11.30 Uhr startet das Konzert des Spielmannszugs Bausenhagen gemeinsam mit dem Musikzug Platte Heide. Nach einem stärkenden Mittagessen ist um 14 Uhr Antreten am Festzelt und am Sportplatz zum großen Jubiläumsfestzug. Der startet um 14.30 Uhr. Um 20 Uhr beginnt der Große Zapfenstreich in Simons‘ Garten mit anschließendem Ausklang im Festzelt.
Montag, 8.Juli
  • Am Montag treten die Schützen um 8.30 Uhr zum Gottesdienst an, der ab 9 Uhr in der St.-Agnes-Kirche in Bausenhagen läuft. Nach dem Frühstück um 10 Uhr folgen die Ehrungen. Am Nachmittag sind die Kinder an der Reihe. Um 15 Uhr beginnt das Kinderschützenfest. Um 19 Uhr spielt die Band Zick Zack zum Heimatabend auf. Mit einem Feuerwerk um 22 Uhr endet das Jubiläumsschützenfest.

Dank konstanter Mitgliederzahlen innerhalb der vergangenen Jahre und einem Vorstand mit durchmischtem Alter blicken die Schützen in eine rosige Zukunft. Doch zum bevorstehenden 200. Geburtstag wird auch auf die Vereinsgeschichte geschaut.

Wer die Gründungsgeschichte des Schützenvereins Kirchspiel Bausenhagen nachvollziehen möchte, der sollte sich vergegenwärtigen, wie und in welcher Zeit das Schützenwesen an sich entstanden ist. Die Bausenhagener erklären das bereits in ihrer Festschrift zum 175. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden zur Verteidigung der Städte und Ortschaften Bürgerwehren eingerichtet. Nach dem 30-jährigen Krieg (1618 bis 1648) hatten Bürgerwehren vor allem die Aufgabe, Städte und Dörfer vor Räuberbanden zu verteidigen. In dieser Zeit seien viele Schützenvereine und Bruderschaften gegründet worden, die ersten Feste wurden gefeiert – und nicht auszuschließen sei, dass auch in der hiesigen Gegend schon Schützenvereine und Bruderschaften existierten. Sozusagen Vorgänger der heutigen Vereine.

Ein Schützenverein für alle – unabhängig von der Konfession

Unter der Fremdherrschaft Napoleons (1793 bis 1813) seien dann alle Vereinigungen dieser Art verboten worden, um keinen Widerstand aufkommen zu lassen. Nach den Befreiungskriegen, ab 1815, wurden die ersten Schützenvereine und Bruderschaften neu gegründet und wiederbelebt.

In dieser Zeit bestand das Kirchspiel Bausenhagen aus den sechs Palzdörfern Bausenhagen, Bentrop, Frohnhausen, Neimen Stentrop, Warmen sowie den Dörfern Wickede und Wiehagen. In Wickede und Wiehagen begannen die ersten Bestrebungen zur Selbstständigkeit auf kirchlichem Gebiet, nachdem sie 800 Jahre zum Kirchpiel Bausenhagen gehört hatten. Im Jahre 1818 wurde in Wickede und Wiehagen eine katholische Schützenbruderschaft ins Leben gerufen.

In den sechs Palzdörfern wurde 1819 ein freier Schützenverein für alle Bürger gegründet – ganz gleich welcher Konfession. Noch im selben Jahr fand das Gründungsfest statt. Obwohl es von dem Fest keine Aufzeichnungen gibt, geht der Verein davon aus, dass es gefeiert wurde. Sowohl die älteste Vereinsfahne als auch die erste Königskette tragen ein entsprechendes Datum. Die Königsketten sind für das Fest in diesem Jahr aufwendig aufbereitet worden und werden im Vereinslokal ausgestellt.

Kirchspiel Bausenhagen: So ist das Schützenwesen in der Region entstanden

Die Königsketten haben die Kirchspielschützen für ihr Fest wieder auf Vordermann gebracht. © Privat

Die Vereinsstatuten galten vor 200 Jahren als fortschrittlich

Anfänge des Kirchspiels Bausenhagen

  • Josef Strockhausen, der von 1943 bis 1975 Pfarrer in Bausnehagen war, hat die Geschichte des Kirchspiels für die Schützen skizziert.
  • Das Kirchspiel Bausenhagen soll mit seinem Kirchdorf Bausenhagen demnach eine der ältesten Siedlungen am Haarstrang sein.
  • Er nahm zudem an, dass Bausenhagen eine germanisch-heidnische Kulturstätte war, die später christlich wurde.
  • Das könnte in den Jahren 775/776 bei dem zweiten Feldzug Karls des Großen gegen die Sachsen passiert sein. Aus dieser Zeit stamme möglicherweise auch die Bezeichnung Palz für das Kirchspiel.
  • Denn Karl der Große legte sogenannte Königs- oder Reichhöfe an (lateinisch: Palatium, verdeutscht Pfalz).
  • Es werde angenommen, dass der jetzige Hof Schulte-Bausenhagen, zu dem die alte jetzt evangelische Kirche gehört, eine solche Pfalz gewesen ist.
  • Sicher sei, dass der Name Bausenhagen auf diese Zeit zurückgeht. So sei Hagen ein abgegrenzter Bezirk, der einem Gefolgsmann des Kaisers, nämlich dem Edlen Boso aus dem sächsischen Geschlecht übertragen wurde.
  • Erstmals urkundlich bezeugt wird Bausenhagen im Jahr 1101.
Ein Jahr später, am 21. Juni 1820, wurden die ersten Vereinsstatuten verabschiedet. Der vorrangige Zweck des Vereins wurde festgeschrieben: Ein ordentliches Schützenfest feiern. Die erste Satzung des Schützenvereins Kirchspiel Bausenhagen, eines der ältesten Schützenvereine des Kreises, habe schon damals als fortschrittlich gegolten und hatte 100 Jahre Bestand, bevor sie an neue Gegebenheiten angepasst wurde.

Im Jahr 1927 gründete die Gemeinde Warmen einen eigenen Schützenverein unter dem Namen „Ruhrtal Warmen“. Die Nationalsozialisten wollten beide Vereine später wieder zusammenführen – mit der Gründung eines Schützenvereins Palz. Vier Feste wurden unter diesem Namen gefeiert, bevor dunkle Zeiten anbrachen. Nachdem in der direkten Nachkriegszeit nicht ans Feiern gedacht wurde, trafen sich einige Mitglieder des Kirchspiels Bausenhagen 1051 im kleinen Rahmen, um den Verein wiederzubeleben. Die „untere Palz“ hingegen nahm den Gründungsgedanken von 1927 wieder auf. Warmen, Frohnhausen und Neimen schlossen sich daraufhin zum Schützenverein Ruhrtal zusammen. Das erste Nachkriegsfest des Kirchspiels Bausenhagen sei als voller Erfolg in die Vereinsgeschichte eingegangenen, halten die Schützen in ihrer Chronik fest.

Eine Ära geht zu Ende. Mit Beginn des 200-jährigen Jubiläumsschützenfestes wird bei den Kirchspielschützen in Bausenhagen am Samstag, 29. Juni, ab 18 Uhr ein neuer Kaiser ermittelt. 25 Jahre lang war dies Johannes Thriene aus Ostbüren. Als es vor 25 Jahren galt, einen neuen Kaiser zu ermitteln, war der alte Kaiser Karl Menze, der mit seiner Frau Grete regierte, nach 24 Jahren als Kaiser verstorben. Dies war der erste Kaiser bei den Kirchspielschützen, vorher gab es in Bausenhagen nur Könige.
Kirchspiel Bausenhagen: So ist das Schützenwesen in der Region entstanden

Johannes Thriene (l.) und Irene Hohenstein sind seit 25 Jahren Kaiser und Kaiserin. © Privat

Johannes Thriene war vor 25 Jahre gerade im Vorjahr König gewesen, als es an das Kaiserschießen ging. Eigentlich ohne große Ambitionen auf den Titel, so wie er sagt. Er war anders als seine Mitkonkurrenten nicht von Kindesbeinen an ein Kirchspielschütze, da er aus Witten nach Ostbüren gezogen war. Dennoch schoss er fleißig mit und siehe da, der letzte Teil des Kaiservogels fiel bei seinem Schuss. Er zögerte nicht lange und fragte Irene Hohenstein, ob sie seine Kaiserin werden wollte und diese nahm die Kaiserkrone gerne an. Fortan hielten sich die beiden an ihr Versprechen für 25 Jahre das Kaiserpaar von Bausenhagen zu sein, so schmückten sie jeden heimischen Festzug. „Dies ist bei einem so langen Zeitraum schon etwas ganz Besonderes und wohl insbesondere, in unserer schnelllebigen Zeit, kaum noch zu erwarten“, erkennt Hans-Günter Stieglitz vom Schützenverein Kirchspiel Bausenhagen an. Aus diesem Grund hat der Vorstand des Schützenvereins die Regentenzeit jetzt auf zehn Jahre reduziert.
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