Nach dem Weggang von Pfarrer Wohlgemuth formuliert die Gemeinde Ideen für die Zukunft – darunter auch gewöhnungsbedürftige. Aber auch der Rücktritt Wohlgemuths war Thema und sorgte für einen Rücktritt.

von Dominik Pieper

Fröndenberg

, 24.08.2019, 17:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Gemeinde St. Marien zeigt sich nach dem Weggang von Pfarrer Norbert Wohlgemuth motiviert, eigene Ideen und Wünsche zur künftigen strukturellen und personellen Ausrichtung zu formulieren. Eine klare Botschaft der Gemeindeversammlung am Samstagvormittag war der Wunsch, das Bistum Paderborn möge einen festen Ansprechpartner und Verantwortlichen für die Fröndenberger benennen.

Klaus Bathen als Verantwortlicher des Kirchenvorstands brachte „einen wie Heiner Redeker“ ins Spiel. Der Gemeindereferent ist in der Kirchengemeinde angesehen und verwurzelt und soll verantwortlicher Ansprechpartner für Fröndenberg sein.

Fröndenbergs Katholiken wünschen eigenen Gemeindeleiter – Kirchenvorstand tritt zurück

Gemeindereferent Heiner Redeker (l.) könnte nach den Vorstellungen der Fröndenberger derjenige sein, der die Gemeinde verantwortlich leitet. Voraussetzung ist, dass er dafür von Paderborn aus legitimiert wird. © Pieper

Paul Mandelkow, ehemaliger Fröndenberger Pfarrer und nach dem Rücktritt Wohlgemuths nun wieder in seiner Eigenschaft als Dechant Pfarrverwalter und damit Gemeindevorsteher, hat die Rolle des Verantwortlichen aktuell übernommen.

Dass er aber zeitgleich Pfarrer in Unna ist und dort auch lebt, stört weite Teile derjenigen, die am Samstagmorgen über die Zukunft der Gemeinde diskutierten. Sie befürchten, Fröndenberger Interessen würden zu kurz kommen, wenn die katholische Kirchengemeinde von Unna aus verwaltet wird.

Verwaltungsleiter für den Pastoralen Raum kommt Mitte 2020

Die Idee, dass nichtklerikales Personal verantwortliche Aufgaben in der Gemeindeverwaltung übernimmt, ist in der katholischen Kirche nicht neu. Für den pastoralen Raum Unna, Fröndenberg und Holzwickede soll es ab Mitte 2020 ohnehin einen Verwaltungsleiter geben, erklärte Mandelkow. Eine solche Stelle, eben ausgestattet mit Kompetenzen, wünschen sich die Fröndenberger Katholiken auch für ihre Stadt.

Heiner Redeker selbst zeigte sich bereit, ad hoc als Ansprechpartner zu fungieren und die Anliegen dann an die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Für Klaus Bathen und viele andere geht das aber nicht weit genug. „Er muss konkret legitimiert sein“, forderte Bathen. Das solle gemeinsam mit dem Bistum besprochen werden. Gleiches gilt für den Vorschlag, einen Diakon in Fröndenberg fest anzustellen, damit dieser auch liturgisch helfen kann.

Fröndenbergs Katholiken wünschen eigenen Gemeindeleiter – Kirchenvorstand tritt zurück

Pfarrer Paul Mandelkow übernimmt in seiner Eigenschaft als Dechant die Aufgaben des Pfarrverwalters in Fröndenberg. Dass er zeitgleich in Unna Pfarrer ist und dort auch lebt, lässt viele Fröndenberger Katholiken glauben, dass er nicht ausreichend für die Gemeinde eintreten kann. © Pieper

Mit Pastor Heinrich Stangorra ist seit dem Weggang von Norbert Wohlgemuth nur noch ein Priester in Fröndenberg wohnhaft. Um die Zahl der Gottesdienste am Wochenende auch weiter aufrecht erhalten zu können, hat Pfarrer Mandelkow schon jetzt Unterstützung aus Unna und Holzwickede zugesagt.

„Ich bin der Nachfolger meines Vorgängers“.
Paul Mandelkow bei der Begrüßung der Fröndenberger Katholiken

Auch nach der Schaffung des neuen pastoralen Raums seien vier Gottesdienste am Wochenende das Ziel – wo und in welcher Kirche wann gefeiert wird, soll eine Abstimmung mit den Kirchengremien am 12. September zeigen.

Fernsehgottesdienst als Live-Event zur Kommunionausteilung

Die Fröndenberger Katholiken haben in der Gemeindeversammlung indes eigene Ideen entwickelt, wie auch ohne Priester Gottesdienst gefeiert werden kann. Im Rahmen eines Wortgottesdienstes etwa, den auch Diakone oder eigens Bevollmächtigte feiern können, soll auch die Kommunion ausgeteilt werden. Bereits geweihte Hostien aus Eucharistiefeiern könnten Kommunionhelfer verteilen – so würde bis auf die Wandlung eine fast vollwertige Messe auch ohne Priester gefeiert werden können.

Kuriose Idee in diesem Zusammenhang ist die Nutzung von Fernsehgottesdiensten. Mandelkow bestätigte einen Vorschlag einer Besucherin: Wer sonntags einen Fernsehgottesdienst verfolgt, sei Teil der Messfeier und könne auch die Kommunion empfangen.

Aus den Reihen der Gemeinde kam der Vorschlag, einen solchen Fernsehgottesdienst via Leinwand wie beim Public Viewing in der Kirche zu übertragen und dann dabei durch Kommunionhelfer die Kommunion zu empfangen. Bei den anwesenden Katholiken traf diese Idee auf gemischte Reaktionen – ob sie umsetzbar ist, soll auch mit Paderborn besprochen werden.

Kirchenvorstand Tanja Hagenhoff tritt zurück

Der Umgang mit dem Rücktritt von Pfarrer Wohlgemuth und der Frage nach einer Verabschiedung spaltet indes die Gruppe derjenigen, die am Samstag gemeinsam diskutierten. Tanja Hagenhoff als Mitglied des Kirchenvorstands hätte sich nicht nur eine Verabschiedung gewünscht, sondern diese sogar als Pflicht und Zeichen der Dankbarkeit empfunden. Dass ihrem Wunsch nicht entsprochen wurde, nahm sie im Rahmen der Versammlung zum Anlass, von ihrem Amt zurückzutreten.

Klaus Bathen hatte erklärt, dass obwohl der Wunsch nach Verabschiedung bestanden habe, sich diese schlichtweg nicht ergeben habe und der Zeitpunkt nun überschritten sei. Er plädierte dafür, hinter die Diskussion um den Rücktritt und eine Verabschiedung einen Schlussstrich zu ziehen und gemeinsam nach Ideen zur künftigen Gemeindeausstattung zu suchen. Tanja Hagenhoff reichte diese Erklärung nicht aus.

Dass der Rücktritt von Pfarrer Wohlgemuth in der Gemeinde nicht nur auf breites Verständnis getroffen ist, zeigte die Versammlung ebenfalls. Besucher erzählten hinter vorgehaltener Hand, dass sie Wohlgemuths Entscheidung als Affront gegen Fröndenberg empfinden.

Die Gemeinde hätte nun den Schwarzen Peter, sagte einer, der seinen Namen nicht öffentlich nennen wollte. Dass Wohlgemuth seinen Rücktritt im Rahmen der Verabschiedung des allseits beliebten Pastors Toborek verkündet hatte, stieß manchem ebenfalls übel auf. Mit der Wahl dieses Rahmens habe Wohlgemuth die Verabschiedung von Pastor Toborek schlichtweg versaut, lautete ein Zwischenruf.

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