Kindergarten-Papas managen Glasfaserausbau in der WhatsApp-Gruppe

dzBreitbandversorgung

Internet über Breitband auf die Dörfer zu bekommen, ist kein Kinderspiel. Eigeninitiative ist daher gefragt, wo große Unternehmen abwinken. In Warmen managen Papas den Glasfaserausbau in der WhatsApp-Gruppe.

Warmen

, 24.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schnelles und leistungsfähiges Internet ist nicht den Städtern vorbehalten. Doch anders als in dicht besiedelten Gegenden lohnt sich der Glasfaserausbau für viele Telekommunikationsunternehmen auf dem Dorf wirtschaftlich nicht. In Warmen ergreift eine Gruppe von Vätern nun Eigeninitiative.

„Wir wollen die bessere Variante“
Christof Pulter

Christof Pulter und seine Mitstreiter haben quasi den Markt beobachtet. Zufrieden gegeben haben die Warmener sich zwar bislang mit einer „halbwegs funktionierenden Variante“: der Richtfunklösung.

Doch auch wenn die Datenübertragung zuletzt deutlich besser geworden ist - Richtfunk ist anfälliger als Glasfaser unter der Erde „und das Kupferkabel minimiert die Leistungsfähigkeit enorm“, weiß Christof Pulter. Kupfer führt auf den letzten Metern vom Verteilerkasten zum Haus. Pulter: „Wir wollen die bessere Variante.“

Projektteam Glasfaser organisiert Nachfragebündelung

Als die Gruppe aus Warmen von den Plänen ihres Internetanbieters Muenet hörte, ein neues Versorgungskabel zwischen Wickede/Ruhr und Holzwickede zu verlegen, war die Stunde gekommen.

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Bernhard Küster aus Warmen denkt beim Glasfaserausbau an „die jungen Leute“, die es häufiger nutzen als er selbst.

Bernhard Küster aus Warmen denkt beim Glasfaserausbau an „die jungen Leute“, die es häufiger nutzen als er selbst. © Archiv

Zur Sache

Glasfaserausbau wohl erst 2021

  • Muenet hat in Bausenhagen bereits mit der Verlegung von Leerrohren begonnen; es folgen Frömern, dann Ostbüren und die Hohenheide.
  • Das Projektteam um Christof Pulter geht daher nicht davon aus, dass in Warmen noch in diesem Jahr Glasfaser verlegt werden kann.
  • Dazu müsste allerdings bei der sogenannten Nachfragebündelung auch erst eine von Muenet zu nennende Beteiligungsquote der rund 260 Haushalte erreicht werden.
  • Weil Warmen ein langgezogener Stadtteil ist, muss die Wirtschaftlichkeit, sämtliche Randlagen anzubinden, noch geprüft werden.
  • Nach dem ersten Informationsflyer sollen die Haushalte in Warmen die konkreten Bedingungen für einen Glasfaseranschluss erfahren sowie Verträge erhalten.
  • Das Projektteam, dem zehn Warmener angehören, will dabei beratend zur Seite stehen.

Denn Muenet kündigte an, sämtliche Anrainer-Dörfer auf der Strecke anbinden zu wollen, so sich denn genügend Haushalte für die Versorgung mit Glasfaser entscheiden sollten.

Christof Pulter kennt die anderen Väter aus den Kindergartenzeiten ihres Nachwuchses. Die Kontakte bestehen auch nach bald zehn Jahren noch. Gemeinsam stark sind die Warmener jetzt auch bei dem Ziel, ihren Ortsteil mit Breitbandinternet zu versorgen - die ehemaligen Kita-Väter sind jetzt das Projektteam Glasfaser.

In ihrer WhatsApp-Gruppe begannen die Männer, die Pläne zu schmieden. Das wichtigste Ziel: Möglichst viele Haushalte müssen informiert und womöglich auch von dem Glasfaserausbau überzeugt werden.

Wegen Corona-Pandemie Versammlung abgesagt

Die Vorarbeiten liefen gut an, aus 15 Mitgliedern in der WhatsApp-Gruppe sind schon 130 geworden, doch kürzlich kam die erste Ernüchterung: Eine Versammlung für die Dorfbewohner, für den 31. März in der Ruhrtaler Schützenhalle geplant, musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

Das Projektteam gab sich nicht geschlagen. Nachdem eine Online-Umfrage nicht in Frage kam, verteilte die Gruppe kürzlich Informationsflyer an die Haushalte.

Die Nachbarn sollen sich nun zunächst über die Vorteile von Glasfaserleitungen schlau machen. Die Skepsis besonders bei älteren Mitbürgern, die womöglich privat gar kein Internet nutzen, sind Christof Pulter bekannt.

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„Glasfaser ist die Zukunft - Stichwort: Smart Home“, sagt Pulter Bedenkenträgern. Zudem erfahre das Haus eine Wertsteigerung, wenn es einen Glasfaseranschluss bis ans Haus verlegt bekommt.

„Die jungen Leute hier im Haus sind stark daran interessiert.“
Bernhard Küster

Bernhard Küster muss Pulter da gar nicht mehr überzeugen. Bloß privat und gelegentlich nutzten er und seine Frau das Richtfunk-Internet noch, sagt der Pensionär aus Warmen. „Für unsere Ansprüche ist das okay, aber die jungen Leute hier im Haus sind stark daran interessiert“, sagt Küster - den Glasfaserausbau befürworte er daher auch.

Christof Pulter hofft nun, dass die Initiative in Warmen „viele Leute hinter dem Ofen hervorlockt“. Warmen habe wie zuvor schon Frömern, Ostbüren oder die Hohenheide den großen Vorteil, dass es in einem kleinen Dorf ein recht großes Vertrauen den Nachbarn gegenüber gebe.

Vermutlich auch bei diesem Projekt. Christof Pulter würde sich das auch ganz persönlich wünschen. Schließlich kann bei Störungen in der Leitung derzeit auch gleichzeitig das Telefon ausfallen. Dann könnten gerade ältere Menschen in Not geraten wie seine eigene Mutter, die im Haus ihres Sohnes lebt. Christof Pulter: „Das war ein ganz wichtiger Punkt für mich.“

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