Kinder weinen, Eltern verzweifeln: Großer Ärger über den neuen Schulbusverkehr

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Westfalenbus hat zum Fahrplanwechsel die Schulbusse in die regulären Linien integriert. Zwei Tage nach dem Start beschweren sich Eltern bereits bei dem Unternehmen und Kinder sitzen weinend in den Bussen.

Fröndenberg

, 09.01.2020, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen neuen Fahrplan hat Westfalenbus zum 7. Januar in Kraft gesetzt. Dabei ist neben einer neuen Linienstruktur und neuen Fahrzeugen auch der Schulbusverkehr geändert worden – offenbar mit ärgerlichen Folgen für Schulkinder und ihre Eltern.

»Auf dem Heimweg kam uns der leere Bus Richtung Schule entgegen.«
Manuel Schächtele, Vater von Schulkindern

Betroffen sind vor allem die Verbindungen nach Ostbüren und Frömern, wie unsere Redaktion von betroffenen Eltern erfuhr. Manuel Schächtele berichtete von untragbaren Zuständen bereits zum Start.

So sei schon am ersten Tag nach dem Fahrplanwechsel, also am Mittwoch, der Bus morgens nicht in Ostbüren angekommen, „sodass wir gezwungen waren, die Kinder selbst zur Schule zu bringen“, schildert Manuel Schächtele.

Der Frust darüber wurde danach sicherlich nicht kleiner: „Auf dem Heimweg kam uns der leere Bus Richtung Schule entgegen“, so der Familienvater. Hinzu komme noch, dass der Bus morgens in Ostbüren gar nicht mehr alle Haltestellen anfahre.

Dass es bei Fahrplanänderungen zu Beginn die ein oder andere Anlaufschwierigkeit geben kann, sieht Schächtele noch ein. Allerdings gestalte sich der Rückweg von der Gemeinschaftsgrundschule nach Ostbüren neuerdings für seine Kinder „leider extrem unübersichtlich“. Und dieses Problem scheint struktureller Art zu sein.

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Kinder weinen, Eltern verzweifeln: Großer Ärger über den neuen Schulbusverkehr

Der neue Fahrplan von Westfalenbus sorgt an den ersten Tagen vor allem bei Schülern und Eltern aus Frömern und Ostbüren für Verwirrung, Ärger und Tränen. © Land, Marcus

Zur Sache

Schulbusverkehr in Fahrpläne integriert

  • Westfalenbus hat den Mitgliedern des Bau- und Verkehrsausschusses am 19. November die Änderungen im Fahrplan vorgestellt.
  • Torsten Schreckenberg erläuterte, dass man den Schulbusverkehr zwischen 15 und 16 Uhr auf den Nachmittagsunterricht „angepasst“ habe.
  • Der Schülerverkehr sei generell in die Fahrpläne integriert worden; sodass sich auch in den Schulferien keine Änderungen ergäben.
  • FWG-Ausschussmitglied Michael Kirejewski hatte angeregt, für Schüler einen eigenen Pocket-Fahrplan aufzulegen; diese Anregung wollte der Westfalenbus-Mitarbeiter prüfen. Von einem eigenen Schüler-Fahrplan ist aktuell aber nichts bekannt.
  • Ein Sprecher der Deutschen Bahn bestätigte unterdessen auf Nachfrage, dass auf den Fahrten zur Gesamtschule der Einsatz von Gelenkbussen vorgesehen ist, „wo es möglich ist“. Die Topografie lasse diesen Einsatz nicht überall zu; auf der Linie C71 über den Mühlenberg werden somit keine Gelenkbusse fahren. Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien am 7. Januar waren allerdings laut Schulleitung noch keine Gelenkbusse gefahren.

Denn die bei seinen Kindern bekannten Linien und Routen „wurden komplett über den Haufen geworfen“. Die Kinder der Ganztagsklasse an der GGS haben Unterricht bis 14.50 Uhr. Bislang konnten sie praktisch unmittelbar in den Schulbus, der um 15 Uhr abfuhr, einsteigen.

Jetzt hat Westfalenbus die Abfahrtszeit auf 15.15 Uhr verschoben, sodass die Kinder 25 Minuten auf den Bus warten müssen – nach einem langen Schultag sicherlich alles andere als ideal.

Zwei Busse derselben Linie fahren zur selben Uhrzeit

Was Manuel Schächtele bald noch weniger versteht: Die Kinder sind völlig verwirrt, welchen Bus sie Richtung Ostbüren überhaupt besteigen sollen. Denn um 15.15 Uhr fahren gleich zwei Busse der Linie C70. Das Problem: Innerhalb von Ostbüren werden unterschiedliche Haltestellen angesteuert.

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Manuel Schächtele hat bereits von Kindern erfahren, die anfingen zu weinen, als der Bus, in dem sie saßen, im Dorf nicht wie gewohnt nach links, sondern nach rechts abbog.

In Frömern gebe es dass Problem mit der gesplitteten Buslinie ebenso. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Manuel Schächtele, der bereits mit Westfalenbus Kontakt aufgenommen hat.

Die Antwort, die er dort erhielt, klingt einigermaßen absurd: Ein Mitarbeiter des Deutsche-Bahn-Tochterunternehmens empfahl Schächtele, seine Kinder mögen vor Fahrtantritt den Fahrer der C71 fragen, welche Haltestellen in Ostbüren er anfahre. „Das ist meiner Ansicht nach absoluter Schwachsinn und führt nur zu Chaos“, findet der Ostbürener.

»Die den Kindern bekannten Linien und Routen wurden komplett über den Haufen geworfen.«
Manuel Schächtele

Zahl der Elterntaxis aus Ostbüren und Frömern soll schon wachsen

Ohne die Hilfe der Mitarbeiterinnen der Offenen Ganztagsgrundschule sei es bei den Rückfahrten der Kinder noch chaotischer gewesen, ist von anderen Eltern zu vernehmen. Auch wachse gerade die Zahl der Elterntaxis in Frömern und Ostbüren, weil weder Kinder noch Eltern bei den neuen Buslinien durchblicken. Seine Kinder selbst zur Schule zu bringen, ist für Manuel Schächtele allerdings keine Option – Berufstätige können eben nicht mal eben einen Umweg von zwölf Kilometern fahren.

Das Unternehmen hat er gebeten, diesen Zustand schnellstmöglich zu ändern. Eine entsprechende Anfrage der Redaktion versprach die Pressestelle von Westfalenbus in Münster an die Planungsabteilung weiterzuleiten. Eine Rückmeldung erfolgte am Donnerstag jedoch nicht mehr.

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