Frauen enttäuscht von Reaktion des Erzbischofs – und der Ton wird rauer

dzGeschlechtergerechte Kirche

Für die katholischen Frauen aus Fröndenberg war eines positiv: Der Erzbischof empfing die kleine Kfd-Gruppe in Paderborn persönlich. Doch eine Reaktion von Hans-Josef Becker enttäuschte sie sehr.

Fröndenberg

, 13.12.2019, 13:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Versprechen hatte der Erzbischof gehalten: Hans-Josef Becker empfing eine Frauengruppe aus Fröndenberg in dieser Woche persönlich an seinem Amtssitz in Paderborn. Was die Kfd-Vertreterinnen dort erlebten, frustrierte sie dann doch.

»Die Frauen werden stärker und der Ton ein bisschen rauer. Es heißt nicht mehr: wir möchten, sondern: wir fordern.«
Karin Schmidt, Leitungsteam Kfd St. Marien

Der Diözesanverband der katholischen Frauengemeinschaft hatte zu seiner Frauenkonferenz „Wir kommen, um zu bleiben – wir gestalten Kirche im Erzbistum Paderborn“ ausdrücklich auch sechs Mitstreiterinnen aus Fröndenberg eingeladen.

„Die Konferenz war super“, zeigte sich anschließend Karin Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion begeistert.

Der Erfahrungsaustausch mit den Frauen aus anderen Pfarrgemeinden im Bistum und die Berichte über ihren Kampf für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche sei sehr wertvoll gewesen.

Die geschlechtergerechte Kirche ist weiter das Hauptanliegen der Frauen. In Fröndenberg war die Kfd St. Marien nach dem Rücktritt von Pfarrer Norbert Wohlgemuth und seiner bereits zuvor geübten Kritik am Machtmissbrauch in der Kirche auf den Plan getreten.

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Gute Resonanz hatte die Kfd St. Marien, hier mit Sprecherin Regina Dirksmeyer (M.), bei ihrem Aktionstag für eine geschlechtergerechte Kirche auf dem Wochenmarkt © Privat

Zur Sache

Hunderte Unterschriften und Wünsche

  • Die Kfd St. Marien lud auf dem Wochenmarkt dazu ein, den Wünschebaum mit „Weihnachtsschmuck“ zu dekorieren.
  • Auf die Weihnachtskugeln aus Papier konnten die Passanten ihre Wünsche an die katholische Kirche schreiben und sie dann an den Tannenbaum hängen.
  • Der Baum wird auch noch auf dem Christkindelmarkt und später im Bereich der Marienkirche aufgestellt.
  • Auch mehr als hundert weitere Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche sammelten die Frauen der Kfd.
  • Der Aktionstag war Teil der bundesweiten Aktivitäten der Frauengemeinschaft Deutschlands. Resonanz und Ergebnisse sollen in den begonnenen Reformprozess „Synodaler Weg“ der Kirche Eingang finden.
  • Die Kfd St. Marien will 2020 weitere Aktionen starten, zum Beispiel am „Equal Pay Day“, der für gleiche Entlohnung für Männer und Frauen im Arbeitsleben streitet.

Man ist aber auch emanzipiert: Ihr Anliegen „einer menschlicheren Kirche“ würden die Frauen in Fröndenberg ganz unabhängig von der Causa Wohlgemuth betrachten, betont Karin Schmidt aus dem Leitungsteam der Kfd St. Marien.

In Paderborn, wo 250 haupt- und ehrenamtliche Frauen aus der gesamten Diözese zusammengekommen waren, habe sie zudem festgestellt, dass der Druck auf die Bistumsleitung größer werde.

„Die Frauen werden stärker und der Ton ein bisschen rauer“, schildert Schmidt, „es heißt nicht mehr: wir möchten, sondern: wir fordern.“

Ihre Forderungen, bekräftigt durch Unterschriftenlisten aus Fröndenberg, konnten Karin Schmidt und Melanie Zimmer im Tagesverlauf im Rahmen einer Diskussionsrunde mit der Bistumsleitung auch Erzbischof Hans-Josef Becker persönlich überreichen.

Becker habe die Listen entgegengenommen und sinngemäß zu verstehen gegeben, dass er nicht wisse, was er damit eigentlich machen solle. „Von der Reaktion waren wir enttäuscht“, so Karin Schmidt.

Wie auch immer, die Kfd St. Marien habe mit ihrem mutigen Aufreten in diesem Sommer jedenfalls Wellen geschlagen. Schmidt: „Wir hoffen, dass wir andere Gemeinden angestoßen haben, auch mutiger zu werden.“

Die Fröndenbergerinnen werden es bleiben. Schon für das kommende Jahr sind weitere Aktionen in der Stadt geplant.

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