Der Förderverein Kulturzentrum möchte sich neu aufstellen. Klassische Rundstahlketten (vorne), wie sie viele Fröndenberger Hochzeitspaare kennen, sind weiter Thema. Doch auch die Gelenkkette mit ihren modernen Verwendungsmöglichkeiten soll in den Blick genommen werden. Durch ein Bundesprogramm konnte das Museum außerdem zwei Multimedia-Stationen finanzieren. © Hornung
Kultur in Fröndenberg

Kettenschmiedemuseum geht neue Wege – mit Multimedia und Blick in Zukunft des Handwerks

Mit der Zeit gehen und neue Besucher gewinnen möchte der Förderverein Kulturzentrum. Was ohnehin wichtig ist, wird mit der Corona-Krise noch dringlicher.

Fast alle Veranstaltungen, ob Frühlings- oder Bauernmarkt, die meisten Trauungen vor dem Schmiedefeuer, die Konzerte von KfU, die Comedy-Abende und das Kindertheater: abgesagt. So war das Corona-Jahr 2020 auch für das Westfälische Kettenschmiedemuseum und die Kulturschmiede eine besonders schwierige Zeit. Doch die Veranstalter blicken nach vorne. Anlass zur Hoffnung bieten die Schenkung von Multimedia-Stationen und neue Kooperationen. Mit vielen Ideen möchte man ab 2021 neue Wege gehen.

„Es war sehr anstrengend, die Absagephase zu ertragen“, so der erste Vorsitzende des Fördervereins Kulturzentrum Jochen Hänel. Das bisher erfolgreiche Wirtschaftsmodell sei in der Pandemie zusammengebrochen. Nur durch angesparte Reserven, den städtischen Rettungsschirm und Spenden hab der Förderverein Kulturzentrum bis jetzt überleben können.

Jochen Hänel, Fördervereinsvorsitzender

„Das Gute an Corona ist, dass wir vereinsintern und in den Gesprächen mit unseren Partnern neue Wege diskutieren, die sehr vielversprechend sind“, so Hänel. Vereinsinterne Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit vier Themenblöcken.

Die Kette ist unterschätzt

Das Kettenschmiedemuseum soll inhaltlich, aber auch in punkto Außenwirkung neu aufgestellt werden. Waren bislang vorwiegend Rundstahlketten Thema, sollte nun der Blick auch auf Gelenkketten gerichtet werden.

Die Fahrradkette ist ein kleines Beispiel, die Kette, an der eine Achterbahn gezogen wird, ein sehr großes. Wohl keine Tiefkühlpizza und keine Pakete bei Amazon würden übers Band laufen, wenn es keine Gelenkketten gäbe, die früher auch in Fröndenberg produziert wurden. „Die Kette ist vollkommen unterschätzt“, sagt Jochen Hänel ganz grundsätzlich.

Gelenkketten wie diese ziehen Achterbahnen. Eine kleine Variante ist die Fahrradkette. © Hornung © Hornung

Um neuen Zielgruppen die Bedeutung der Kette näherzubringen, brauche es nicht nur den Blick auf neue Technologien und moderne Verwendungsbereiche, sondern auch erweiterte Öffnungszeiten. Sodass auch unter der Woche Besuche des Museums möglich sind. Dann vielleicht bei einem „eigenständigen Museumsbesuch mit digitaler Unterstützung“. Also ohne Begleiter, der die Exponate erklärt. „Auch eine bessere Präsenz in den Sozialen Medien ist notwendig“, hat der Förderverein erkannt.

Bestens gerüstet für Multimedia-Präsentationen

Das Programm Neustart des Bundes hat dem Museum passend zu den ambitionierten Plänen zwei neue Medienstationen und eine mobile Verstärkeranlage ermöglicht. „Damit sind wir bei der Wiedergabe unserer Zeitzeugen-Interviews und Videoclips zu Gelenkketten sowie der Fröndenberger Industriegeschichte bestens gerüstet“, freut sich der erste Vorsitzende Jochen Hänel.

Jochen Hänel, Fördervereinsvorsitzender

Weiter steht Netzwerkarbeit auf der Agenda: „Corona hat uns neue Kontakte in die Kettenindustrie und Bildungslandschaft verschafft“, berichtet Jochen Hänel. Hergestellt sind unter anderem ein Kontakt zur TU Dortmund und auch zur Firma

Ketten-Wulf in Eslohe. „Unser Plan, ein Bildungs- und Informationszentrum aufzubauen, findet schon einige Unterstützer.“

Nach der Pandemie könnte vor der nächsten sein: Egal, wie sich die Corona-Situation zukünftig entwickelt, müsse auch über Nutzungsmöglichkeiten der Kulturschmiede nachgedacht werden. Dazu gehöre dann eben der Einbau einer entsprechenden Lüftungsanlage – um Kultur und Tagungen langfristig zu ermöglichen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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