Keine Partys, keine Clubs: Lichttechniker Jan-Philipp Lekic kämpft um seine Firma

dzCorona-Krise

Après Ski, Reithallen-Partys oder Kulturschmieden-Events - Jan-Philipp Lekic setzt Veranstaltungen und Clubs ins rechte Licht. Seit Corona liegt seine Branche darnieder – doch der 25-Jährige kämpft um seine Firma.

Fröndenberg

, 10.06.2020, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang März sind in den Clubs die Lichter ausgegangen: Das Coronavirus bereitete Feiertempeln mit Hunderten dicht gedrängt stehenden Gäste vorerst ein Ende. Der Fröndenberger Jan-Philipp Lekic zählt zu den Leidtragenden der ersten Stunde: Das Metier des 25-Jährigen sind Lichtkonzepte für Veranstaltungen.

Jan-Philipp Lekic kann die Chronologie des Lockdowns in seinen Auftragsbüchern ablesen. „Die Clubszene ist sofort eingebrochen, danach kamen die Hochzeiten und dann ging es weiter mit den Festivals“, erzählt der gelernte Elektriker.

»Die Clubszene ist sofort eingebrochen, danach kamen die Hochzeiten und dann ging es weiter mit den Festivals.«
Jan-Philipp Lekic

Mit seinen gerade 25 Lenzen hat er sich in der Clubszene in Fröndenbergs Umgebung schon einen Namen gemacht. Wäre kein Virus ausgebrochen – Jan-Philipp Lekic hätte im „Franz von Hahn“ in Menden oder im „Herr Nilsson“ in Arnsberg wieder den Ton gemischt und in den Locations mit Lichtdesign und Lasertechnik für Clubatmosphäre gesorgt.

In der Bühnentechnik-AG der GSF fing alles an

Im Februar hatte er den letzten dieser Auftritte. Die Zukunft ist noch völlig ungewiss; mindestens bis zum 31. August sollen Veranstaltungen mit vielen Menschen auf engem Raum verboten bleiben.

Aber auch neun Termine für Hochzeiten im August, denen Jan-Philipp Lekic mit Licht und Ton einen feierlichen Rahmen geben soll, „sind noch in der Schwebe“ – die Leute sind schlicht unsicher, ob sie eine Rolle als Gastgeber eines Festes in diesen Tagen verantworten können.

Jan-Philipp Lekic hat in der Bühnentechnik-AG an der Gesamtschule sein Faible für Mischpulte, Verstärker und Lichttechnik entdeckt. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Elektriker, beschallte nebenher auch Partys – und hatte irgendwann einen Namen in der Szene.

Licht erzeugt Stimmung: Jan-Philipp Lekic sorgt mit seiner Firma Last24 für Atmosphäre in Clubs und auf Partys.

Licht erzeugt Stimmung: Jan-Philipp Lekic sorgt mit seiner Firma Last24 für Atmosphäre in Clubs und auf Partys. © privat

Zur Sache

Marienkirche wird in rotes Licht getaucht

  • Mit ihrer Aktion „Night of Light“ am 22. Juni will die deutsche Veranstaltungswirtschaft einen Appell an die Politik richten.
  • Innerhalb kürzester Zeit hätten die behördlichen Auflagen im Zuge der Corona-Krise die gesamte Veranstaltungswirtschaft an den Abgrund gedrängt.
  • Einem riesigen Wirtschaftszweig sei praktisch über Nacht die Arbeitsgrundlage entzogen worden, eine Pleitewelle enormen Ausmaßes drohe: mit gravierenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die kulturelle Vielfalt als tragende Säule unserer Gesellschaft.
  • In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni werden die Teilnehmer daher bundesweit in mehr als 200 Städten Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke mit rotem Licht illuminieren.

In der Branche wird viel kooperiert, benötigte eine größere Eventagentur einmal Aushilfe mit einem Mischpult, war Jan-Philipp Lekic zur Stelle. Die Auftragsbücher seiner eigenen Firma Last24 waren schnell gut gefüllt. „Jede Veranstaltung bekommt ein eigenes Design“, erzählt der junge Geschäftsführer stolz – vielleicht ein Teil seines Erfolgsrezepts.

Die kultige Après-Ski-Party in der Ruhrtal-Schützenhalle in Warmen hat er letztes Jahr schon zum zehnten Mal mit seiner Technik ausgerüstet, auf Reithallen-Feten im Umland tritt er auch als DJ auf und der WDR heuerte ihn für seinen 1Live-Club in Schmallenberg an.

Konkurrenz in Veranstaltungstechnik ist groß

Ende Februar fand die Erfolgsstory ein vorläufiges Ende. Jan-Philipp Lekic lebt nicht ausschließlich von der Firma, arbeitet mit 25 bis 30 Stunden noch als angestellter Elektriker. Doch Last24 hat drei weitere Mitarbeiter.

Und das Quartett träumt davon, sich eines Tages vielleicht einmal ganz auf das Party-Business konzentrieren zu können. Jetzt sind die Fäden zu den Kunden erst einmal gekappt und die Konkurrenz in der Veranstaltungstechnik ist groß.

Tonmeister in der Schützenhalle Hohenheide: Seinen ersten Auftrag seit Februar hatte Veranstaltungstechniker Jan-Philipp Lekic wegen der Corona-Krise erst am 9. Juni. Bei den Sitzungen von Rat und Ausschüssen der Stadt Fröndenberg ist der Jungunternehmer schon länger für die Akustik zuständig.

Tonmeister in der Schützenhalle Hohenheide: Seinen ersten Auftrag seit Februar hatte Veranstaltungstechniker Jan-Philipp Lekic wegen der Corona-Krise erst am 9. Juni. Bei den Sitzungen von Rat und Ausschüssen der Stadt Fröndenberg ist der Jungunternehmer schon länger für die Akustik zuständig. © Marcus Land

Mit seiner Firma will er eigentlich immer auf dem neuesten Stand der Technik sein. Doch soll er jetzt investieren? Jan-Philipp Lekic zweifelt: „Ich denke darüber nach und dann gehe ich ins Büro und lese eine Mail mit der nächsten Absage ...“.

»Der Name der Firma muss am Markt bleiben.«
Jan-Philipp Lekic

Kosten für Lager und Fuhrpark laufen weiter, die Soforthilfe der Regierung habe ihm sehr geholfen, räumt er ein. Doch Zukunftsunsicherheit bleibt. „Der Name muss am Markt bleiben“, sagt Jan-Philipp Lekic daher fast beschwörend. Denn nichts wäre schlimmer für den Jungunternehmer, nach dem Ende der Corona-Krise und der Öffnung der Clubs nicht mehr gefragt zu sein.

Tonmeister bei den politischen Sitzungen

Immerhin hat sich die Stadt Fröndenberg jetzt wieder gemeldet: Lekic ist nämlich nicht nur Herr über die Technik in der Kulturschmiede, sondern quasi auch Tonmeister bei den politischen Sitzungen – in dieser Woche saß er seit drei Monaten erstmals wieder hinterm Mischpult und musste zuvor in der Schützenhalle Hohenheide 900 Meter Mikrofonkabel verlegen.

Einen viel sichtbareren Auftritt – allerdings ohne Party – hat Jan-Philipp Lekic auch schon wieder: In der Night of Light, in der die Veranstaltungswirtschaft am 20. Juni bundesweit auf ihre Misere hinweisen will, wird er die Marienkirche bei Dunkelheit in rotes Licht tauchen.

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