Weil die Stadt Fröndenberg nicht mehr Geld hat, wird das Stadion über mehrere Jahre modernisiert. Die schleppende Sanierung liegt auch an einer Entscheidung in Berlin, die nicht sehr transparent gefallen ist.

Fröndenberg

, 02.07.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Sportausschuss wird am Dienstag den Weg für die Sanierung des Stadions an der Graf-Adolf-Straße ebnen. Es ist eine abgespeckte Version, die zunächst umgesetzt werden kann. Denn für eine sofortige Rundum-Erneuerung zum Sportpark Ruhr fehlt der Stadt das Geld. Ein Förderprogramm des Bundes hatte Hoffnung gemacht, dass ein kräftiger Zuschuss fließt. Der Antrag aus Fröndenberg kam nicht zum Zug. Zu den Gründen für die Ablehnung sagt man in Berlin so gut wie nichts.

Verlängerung des Förderprogramms setzt Rathaus in Bewegung

Ende vergangenen Jahres verlängerte das Bundesinnenministerium sein Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Stadtverwaltung setzte die Lokalpolitik davon in Kenntnis. Denn: Das Fröndenberger Vorhaben passte bereits sehr gut zu den genannten Förderkriterien.

Keine Förderung für das Fröndenberger Stadion: Berlin hüllt sich in Schweigen

Drei Sportstationen hat Planer Rochus Franke für den Hindenburghain geplant: Am ersten finden Calisthenics, Zentrifugalbahn und Klettergeräte ihren Platz. An Punkt zwei ist ein Niedrigseilgarten geplant. Und an der dritten Station könnte der bestehende Spielplatz in eine Anlage für die Trendsportart Parkour umgewandelt werden. © SAF Unna

Ausschlaggebende Kriterien für eine Projektauswahl war unter anderem ein erhebliches Investitionsvolumen, weil Investitionsstau in den Kommunen abgebaut werden soll. Auch ein hohes Innovationspotenzial, eine städtebauliche Einbindung in das Wohnumfeld oder ein Beitrag zur sozialen Integration in Quartier oder Kommune gehörten zu den Bedingungen – von denen übrigens nicht alle erfüllt werden mussten. Mit Blick auf mögliche Fördergelder aus Berlin – es winkte ein Zuschuss von 45 Prozent der Projektkosten – verfeinerte man das Konzept für den Sportpark Ruhr noch einmal und schickte den Antrag nach Berlin. Die Gesamtprojektkosten für den Sportpark Ruhr belaufen sich auf rund 2,24 Euro.

»Wir haben in der Fraktion kritisch darüber diskutiert.«
Oliver Kaczmarek, SPD-Bundestagsabgeordneter

Das Ergebnis ist bekannt: Nur ein Bruchteil der ins Rennen geschickten Projekte erhielt eine Förderzusage. Fröndenberg und auch ein Antrag für die Eishalle in Unna gingen leer aus, während etwa das Huckenohlstadion in Menden mit 3,255 Millionen Euro gefördert wird. Einen schriftlichen Ablehnungsbescheid erreichte das Rathaus in Fröndenberg übrigens nicht. Es habe halt keinen Rechtsanspruch auf die Förderung gegeben, räumt man im Rathaus ein.

Wie aber wurde die Auswahl der Projekte in Berlin getroffen? Gibt es eine Rangliste mit vergebenen Punkten? Was genau gab etwa dem Huckenohlstadion den Vorzug gegenüber dem Sportpark Ruhr? Darüber schweigen sich ein Bundesministerium, ein Bundesinstitut, der Haushaltsausschuss und auch der zuständige Berichterstatter des Bundestages aus. Der Grund: Entschieden worden sei in einer nichtöffentlichen Sitzung.

Keine Förderung für das Fröndenberger Stadion: Berlin hüllt sich in Schweigen

Wie im geplanten Parcours-Feld muss die Stadt für ihren Sportpark Ruhr noch so einige Hindernisse nehmen. An den Kosten könnte sie nach Absage der Förderung scheitern. © x-move

Es geht um 200 Millionen Euro, die der Haushaltsausschuss für das Programm des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) bewilligt hat. Die Frage danach, wie die Auswahl der Projekte vonstatten ging, scheint da nicht fernliegend. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, bei dem die Förderanträge zu stellen waren, verweist an das Ministerium, das das Bundesprogramm „verantwortet“. Das Ministerium verweist auf die Förderauswahl durch den Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages und teilt noch mit, der Ausschuss habe trotz der Erhöhung der Fördermittel „nur punktuelle Unterstützungleistungen gewährleisten“ können. Bei circa 1300 Förderanträgen sei das Programm neunfach überzeichnet gewesen.

„Nichtöffentlich“: Keine Stellungnahme aus dem Haushaltsausschuss

Der Berichterstatter des Haushaltsausschusses, der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, hüllt sich allerdings auch in Schweigen. Er gebe zu Beschlüssen aus einer nichtöffentlichen Sitzung keine Stellungnahme ab. Er gibt aber einen Hinweis: „Der Haushaltsausschuss hat seine Förderauswahl auf Grundlage eines Berichts des BMI getroffen.“ Gab es also doch eine Vorauswahl im Ministerium und wie kam diese zustande?

Keine Förderung für das Fröndenberger Stadion: Berlin hüllt sich in Schweigen

Auch ein Niedrigseilgarten im Hindenburghai gehört zum Gesamtkonzept für Sportpark Ruhr. Was sich letztlich noch umsetzen lässt, ist vor allem eine Kostenfrage. © SAF Unna

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses, die den Märkischen Kreis im Bundestag vertritt, antwortet schriftlich auf Nachfrage, dass sie sich zugunsten des Huckenohlstadions in Menden „um ordnungsgemäße und vollständige Bewerbungsunterlagen gekümmert und darüber hinaus Unterstützungsschreiben für die Anträge meines Wahlkreises verfasst“ habe. Oliver Kaczmarek, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Unna I, bestätigt, dass er sich bei bei Förderprogrammen ebenfalls für die Kommunen in seinem Wahlkreis einsetze, „sobald ich Kenntnis davon erhalte.“ Für den Eishallen-Antrag aus Unna habe er sich daher in Berlin eingesetzt, von Anträgen aus Fröndenberg und Schwerte habe er aber zu spät erfahren. Mit der Förderauswahl sei er aber nicht glücklich, Hamburg habe mehr Zusagen als Nordrhein-Westfalen erhalten. Kaczmarerk: „Wir haben in der Fraktion darüber kritisch diskutiert.“

Eine ganz andere Kenntnis von der Entscheidungsfindung hat übrigens der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke, der im Haushaltsausschuss sitzt. Seines Wissens nach, berichtet er auf Nachfrage, „wurde die letztlich beschlossene Liste, die dem Ausschuss erst in der beschlussfassenden Sitzung als Tischvorlage zur Kenntnis gegeben wurde, allein zwischen der Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen abgestimmt.“

Sitzung

Sportausschuss befasst sich mit erstem Bauabschnitt

  • Der Ausschuss für Sport, Freizeit und Städtepartnerschaften tagt am Dienstag, 2. Juli, um 17 Uhr im Sitzungssaal des Stiftsgebäudes.
  • Auf der Tagesordnung stehen der Grundsatzbeschluss über die Modernisierung des Stadions sowie die Umsetzung des ersten Bauabschnitts.
  • Der erste Bauabschnitt soll den Kunstrasenplatz, die Laufbahn mit Kunststoffbelag, Weitsprung-, Hochsprung- und Kugelstoßanlage sowie Tribünen und LED-Flutlichtbeleuchtung umfassen.
  • Die Kosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf 1,257 Millionen Euro.

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