Kaum Unterstützer: Petition gegen Spritzenautomaten am Bahnhof läuft schleppend

dz32 Unterschriften

Der Spritzenautomat für Heroinabhängige am Bahnhof: für die einen ein Lebensretter, für andere ein Graus. Anlieger wollen, dass er verschwindet. Viele Unterstützer finden sich aber noch nicht.

Fröndenberg

, 21.08.2019, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Frisches Spritzbesteck auf Knopfdruck: Drogenabhängigen soll der Spritzenautomat am Fröndenberger Bahnhof helfen – Anliegern sind dagegen insbesondere die Begleiterscheinungen des Automaten ein Graus.

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Aufgezogene Spritzen und Müll im Umfeld des Automaten sind nur das Offensichtlichste. Dazu Kinder, die Spritzen ziehen und damit spielen. Und nicht selten Abhängige, die am Automaten rütteln, auf das Gerät einschlagen, im Gebüsch nach gebrauchten Spritzen suchen.

Unterstützer für Abschaffung des Spritzenautomaten gesucht

All das stört unter anderem Jens Auch so sehr, dass er den Spritzenautomaten lieber heute als morgen abgebaut sehen will. Der Jungunternehmer ist Geschäftsführer der ScantastiX GmbH – eines von vier Unternehmen im Gleisvierpunktnull. Der 29-Jährige hat deshalb eine Petition im Internet gestartet, sucht Unterstützer für seine Forderung: Abschaffung des Spritzenautomaten.

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Bislang 32 Unterstützer für die Online-Petition

Auf sonderlich viel Zuspruch stößt die Petition allerdings nicht. Knapp sieben Wochen nach ihrem Start haben erst 32 Unterstützer ihre digitale Unterschrift unter die Forderung gesetzt; die meisten aus Fröndenberg, zusammengetragen über Facebook. Aber auch von anderswo kommt vereinzelt Unterstützung. Sogar aus Ulm hat jemand seinen Namen unter die Petition gesetzt.

Diskussion über den Spritzenautomat neu angestoßen

Nur: Wirklich aussichtsreich scheint das Vorhaben nicht. Rund zwei Wochen bleiben noch, um das rechnerische Quorum zu erreichen: 460 Unterzeichner wären dafür nötig.

Bundesweit 160

Automaten sollen Leben retten

  • Über Spritzenautomaten kommen Heroinabhängige anonym und jeder Zeit an steriles Spritzbesteck, damit sie sich ihren Schuss mit sauberen Spritzen und Nadeln setzen können.
  • So sollen Infektionen und insbesondere die Verbreitung von HIV verhindert und damit letztlich Leben gerettet werden – teilen Drogenkonsumenten sich ihr Spritzbesteck beziehungsweise nutzen bereits gebrauchtes, das sie in Gebüschen finden, ist das Infektionsrisiko freilich exorbitant hoch.
  • Nach Angaben der Deutschen Aidshilfe gibt es bundesweit 160 Spritzenautomaten – die meisten davon in Nordrhein-Westfalen.
  • Im Kreis Unna gibt es neben dem in Fröndenberg weitere Spritzautomaten an der Hubert-Biernat-Straße in Unna sowie an der Hubert-Biernat-Straße in Bergkamen.

Die Petition ist aber ohnehin wohl eher symbolisch zu verstehen. Immerhin hat Jens Auch damit bereits erreicht, dass über das Thema gesprochen wird. Zuvor waren Gespräche mit Stadtverwaltung und Aidshilfe Kreis Unna, die den Spritzenautomat in Fröndenberg als einen von dreien im Kreis Unna betreibt, offenbar ergebnislos verlaufen. Deren Geschäftsführer hatte sich im Gespräch mit dieser Redaktion sogar kompromissbereit gezeigt: „Wenn die Stadt einen vernünftigen Alternativstandort vorschlägt, sind wir da im Prinzip gar nicht gegen.“

Zwischenzeitlich hatte sich das Problem aber ohnehin erledigt. Der Automat war von Vandalen derart beschädigt worden, dass er ausgetauscht werden sollte. Ob auch das eine Folge der neu angestoßenen Diskussion um den Standort am Bahnhof ist, bleibt freilich der Spekulation überlassen.

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