Kaufkraft der Fröndenberger ist spitze – doch in der Stadt bleibt immer weniger Geld

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Die Schere der Kaufkraft und ihrer Bindung in Fröndenberg geht immer weiter auseinander: Während das für den Konsum verfügbare Einkommen steigt, sehen die Händler davon immer weniger in ihren Kassen.

02.09.2019, 15:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kaufkraft ist ein wesentlicher Aspekt der Wirtschaftsdaten 2019, die die IHK Dortmund kürzlich veröffentlicht hat. In Fröndenberg steigt sie weiter. Für den örtlichen Einzelhandel ist ihre Bindung in der Stadt noch wichtiger – und diese ist im Sinkflug.

Nur Holzwickede und Schwerte sind besser: Was das einzelhandelsrelevante Pro-Kopf-Einkommen der Fröndenberger sowie die durchschnittliche Kaufkraft angeht, belegt die Ruhrstadt im IHK-Bezirk einen Spitzenplatz und schlägt selbst die Großstädte Dortmund und Hamm.

»Der Kunde verlangt auch nach dem Erlebnisfaktor.«
Patrick Voss, IHK-Referent für Einzelhandel und Stadtmarketing

Fragt man danach, wie viel aus ihrem Portemonnaie die Fröndenberger in ihrer Innenstadt ausgeben, sieht es düster aus: Die Kaufkraft fließt nirgendwo im IHK-Bezirk so stark ins Umland ab wie in Fröndenberg – und das mit großem Abstand.

Fröndenberg ist ein Grundzentrum, also für die Grundversorgung ausgerichtet. Dennoch könnte die Kaufkraftbindung weitaus größer sein, wie vergleichbare Kommunen wie Holzwickede, Selm oder Bönen beweisen.

Kaufkraft der Fröndenberger ist spitze – doch in der Stadt bleibt immer weniger Geld

Patrick Voss ist bei der IHK zu Dortmund der zuständige Referent für Einzelhandel, Stadtmarketing und Dienstleistungen. Fröndenberg empfiehlt er zum Beispiel, den Erlebnisfaktor in der Innenstadt für Kunden zu erhöhen. © Stephan Schuetze

Patrick Voss ist bei der IHK Dortmund Referent für Einzelhandel, Dienstleistungen und Stadtentwicklung und zeigt sich über die Situation in der Fröndenberger Innenstadt bestens informiert.

Das Allheilmittel, um eine Innenstadt (wieder-) zu beleben, gebe es sicherlich nicht, aber viele einfache Stellschrauben, Leerstände zu beseitigen und attraktiver für Kunden zu werden:

  • Vermieter von Geschäftslokalen müssten sich von den üblichen Zehnjahresverträgen lösen. „Ein Start-up-Unternehmen möchte sich nicht gleich so lange binden“, weiß Patrick Voss.
  • Die Qualität der Immobilien sei häufig nicht mehr zeitgemäß: Treppenstufen vor dem Eingang oder der Zuschnitt der Räume passten oft nicht, diese Barrieren ließen sich aber beseitigen. Werde mehr Platz benötigt, könnten auch Ladeneinheiten zusammengelegt werden.
  • Einzelhändler müssten ihre „Multi-Channel“-Fähigkeit beweisen, sie müssten also möglichst viele Marketingkanäle nutzen: „Man kann im Internet bestellen und beim Händler abholen“, nennt Voss ein Beispiel. „Click & Collect“ nennt sich das Instrument. Vorteile: Versandkosten entfallen, Berufstätige müssen keinen Postversand empfangen, die Ware kann im Geschäft geprüft werden.
  • Dafür müsse man aber als Einzelhändler im Internet auch gut auffindbar und mit dem stationären Geschäft verknüpft sein. „Früher war das der Eintrag in den Gelben Seiten“, so Patrick Voss.
  • Auch einheitliche und damit verlässliche Öffnungszeiten in der Innenstadt, also etwa eine gemeinsame Mittagspause, machten die City attraktiver.

Die geplante Modernisierung der Innenstadt begrüßt Patrick Voss. Kunden schätzten eine saubere und attraktive Innenstadt mit Verweilqualität. „Der Kunde verlangt aber auch nach dem Erlebnisfaktor“, weiß der Experte. Insofern seien also auch die örtliche Kaufmannschaft oder das Stadtmarketing mit entsprechenden Aktionen gefragt.

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