Katholische Gemeinden in Fröndenberg bereiten sich auf die Umsatzsteuer vor

dzNeues Gesetz

Bis im kommenden Jahr vielleicht die erste Steuererklärung anfällt, stellen die Gemeindebüros nun ihre Arbeitsabläufe um. Mitarbeiter werden geschult – und Steuerberater im Kirchenvorstand sind gern gesehen.

Fröndenberg

, 04.03.2020, 15:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfangs herrschte große Verunsicherung, doch nach und nach entwickelt die Kirche Strategien, wie die Gemeinden bis 2021 zu Steuerexperten werden: Seit 2015 ist das neue Gesetz in Kraft, nach dem Körperschaften wie Kommunen, aber auch Kirchengemeinden Umsatzsteuer abführen müssen. Den Gemeinden wurde eine Vorbereitungszeit eingeräumt, die im Gemeindeverband Katholischer Kirchengemeinden Ruhr-Mark auch alle nutzen. Bald endet sie.

Und so werden die Einnahmen aus dem Jahr 2020 die ersten umsatzsteuerrelevanten sein. Unterm Strich sieht man sich im Gemeindeverband gut gewappnet, dass auch die kleinen Gemeinden in Fröndenberg, Unna und Holzwickede die Umstellung meistern.

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Einnahmen, die in Zukunft besteuert werden müssten, erzielen Gemeinden zum Beispiel über den Verkauf von Bratwurst, Kaffee und Kuchen auf ihren Pfarrfesten, in den Waffelstuben oder mit der Vermietung von Gemeinderäumen für private Feiern.

Viele Kirchengemeinden im Kreis Unna verkaufen bei Festen Kaffee, Kuchen, Waffeln oder Bratwürstchen. Ab 2021 verdient das Finanzamt an den Einnahmen durch die Umsatzsteuer mit. Für die katholischen Gemeinden ist das kein Grund zur Sorge.

Viele Kirchengemeinden im Kreis Unna verkaufen bei Festen Kaffee, Kuchen, Waffeln oder Bratwürstchen. Ab 2021 verdient das Finanzamt an den Einnahmen durch die Umsatzsteuer mit. Für die katholischen Gemeinden ist das kein Grund zur Sorge. © Martin Klose

Michael Löblein ist Mitglied im Kirchenvorstand der Großpfarrei St. Katharina und von Beruf Steuerberater. In Steuerfragen hilft er nun gerne ehrenamtlich weiter. „Erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme der Einnahmen“, sagt Löblein. Denn auch für Gemeinden gibt es einen Freibetrag, der aktuell bei 22.000 Euro liegt. Bestimmte Einnahmen, wie etwa die Vermietung von Grundstücken, sind steuerfrei.

Gemeindesekretärinnen werden geschult

Kleine Gemeinden haben gute Chancen, unter dem Freibetrag zu bleiben. Zusammenschlüsse, wie etwa die Großpfarrei St. Katharina, müssen auch als Verbund abrechnen. Doch auch darin bestünde kein großes Problem: Wichtig für für die, die am Rand des Freibetrags kratzen, ist es, die Finanzen das ganze Jahr über gut im Blick zu behalten.

Das ist das Fachgebiet von Stefan Spallek, Außendienstmitarbeiter des Gemeindeverbandes Ruhr-Mark: Das Rechnungswesen werde sich ändern, kündigt er an. Es gibt ein neues webbasiertes System in den Gemeinden, um für eine einheitliche Datenstruktur zu sorgen, die Gemeindesekretärinnen werden entsprechend geschult.

Kritik wurde vor allem aus Unsicherheit laut

Dass aus vielen Gemeinden zunächst Kritik an der neuen Gesetzeslage laut wurde, um die Finanzen sowie die Freude am Ehrenamt gefürchtet wurde, hängt für Stefan Spallek mit der Unsicherheit aller Beteiligten zusammen. Wenn aber die neuen Arbeitsabläufe eingehalten würden, der Gemeindeverband und das Erzbistum Paderborn die entsprechende Aufklärungsarbeit leisten, werde alles gut laufen.

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Unterm Strich gehe sicherlich ein Teil auf der Einnahmenseite verloren. Da aber auch die Einkäufe für das umsatzsteuerrelevante Gemeindefest steuerlich abgesetzt werden können, seien die Beträge unterm Strich nicht so dramatisch. „Wir nehmen die Umsatzsteuer ernst, blicken ihr aber positiv entgegen“, so Stefan Spallek.

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