Bewaffneter Raubüberfall in Fröndenberg: Warum die Polizei nicht geschossen hat

dzRaub

Schrecksekunde für zwei Kassiererinnen eines Drogeriemarktes: Ein maskierter Räuber bedroht sie mit einer Pistole und fordert Bargeld. Vor dem Laden trifft er auf einen Polizisten.

Fröndenberg

, 23.07.2020, 10:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Sturmhaube maskiert betrat der Täter am Mittwochabend gegen 19.20 Uhr den Drogeriemarkt Rossmann an der Winschotener Straße in Fröndenberg. Die beiden anwesenden Kassiererinnen bedrohte er mit einer Waffe und forderte sie auf, ihm Bargeld zu geben. Die Angestellten händigten ihm eine fünfstellige Summe aus, die er in einer Plastiktüte verstaute.

Als er im Anschluss die Drogerie verließ und die Sturmhaube abnahm, traf er auf einen uniformierten Polizeibeamten, der kurz zuvor in der Nähe der Drogerie von einem Zeugen auf den Raub aufmerksam gemacht wurde. Der Täter richtete seine Pistole auf den Polizeibeamten. Daraufhin zog der Polizeibeamte seine Dienstwaffe. Dies teilte die Polizei bereits am Vormittag mit.

Bedrohliche Stresssituation für Beamten

Die Beamten, so Polizei-Pressesprecher Christian Stein auf Nachfrage, würden regelmäßig geschult, um in einem Ernstfall wie diesem reagieren zu können. „Die Nachbereitung eines Einsatzes ist dabei auch immer die Vorbereitung für den nächsten.“

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Dass es sich bei der Waffe des Räubers nur um eine Schreckschusswaffe gehandelt habe, sei für den Polizisten vor Ort nicht erkennbar gewesen. „Die können täuschend echt aussehen.“ Der Beamte habe sich vor Ort in einer bedrohlichen Stresssituation befunden, die schnelles Handeln erforderte.

„Trotzdem hat unser Kollege sehr besonnen und gut reagiert“, lobt Stein den Polizisten. „Wir leben im Kreis Unna, hier kommt es nicht jeden Tag vor, dass ein Kollege mit einer Waffe bedroht wird. Und wir dürfen nicht vergessen, dass in der Uniform eines Polizisten immer noch ein Mensch steckt.“ Die Polizei sei froh, dass nichts passiert sei.

Waffe des Täters wurde sichergestellt

Als der Beamte als Reaktion auf sein bewaffnetes Gegenüber seine eigene Waffe zog, warf der Täter die Schreckschusspistole weg und flüchtete zu Fuß über die Unionstraße in Richtung Kirchplatz/Freiheitstraße/Auf der Freiheit/Auf dem Sodenkamp. Eine sofort eingeleitete Nahbereichsfahndung verlief ergebnislos. Die Polizei stellte die Waffe des Täters sicher.

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Bei der Frage, warum der Polizist seine Waffe nicht eingesetzt habe, verweist Stein auf das Polizeigesetz. In diesem sei geregelt, wann ein Polizist seine Schusswaffe einsetzen dürfe. „Es ist zulässig als letztes Mittel.“

Da der Räuber seine Waffe weggeworfen habe, nachdem der Polizist seine eigene gezogen hatte, habe keine unmittelbare Lebensgefahr mehr für den Polizisten bestanden. Für den Polizisten habe also keine Notwendigkeit mehr bestanden, von seiner Waffe Gebrauch zu machen.

Warum der Polizist den Verdächtigen nicht verfolgt hat, ist noch unklar. „Es sind noch keine 24 Stunden seit der Tat vergangen.“ Im Nachhinein werde man sich den Hergang anschauen und gucken, was gut gelaufen ist und was man hätte besser machen können, erklärt Stein.

Kriminalpolizei hat übernommen

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Mann wurde wie folgt beschrieben: ungefähr 20 bis 25 Jahre, ca.1,80 Meter groß, schlank, schwarze Haare, volles Haar (an den Seiten kürzer, nackenlang, Deckhaar dicht/voll/strubbelig), hellhäutiges, schmales Gesicht. Bekleidet war er mit einer schwarzen Hose und einem langärmeligen schwarzen Oberteil (einer Fleece-Jacke oder Sweatshirt ähnlich).

Zeugen, die den Täter gesehen haben, werden gebeten, sich an die Wache Unna unter der Rufnummer (0 23 03) 9 21 31 20 zu wenden.

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