Jetzt hat auch die SPD Fröndenberg einen Bürgermeisterkandidaten – wenn auch einen, der nicht in seiner Heimat antreten wird. Julian Koch ist Kandidat per „Stellenanzeige“ geworden.

Fröndenberg

, 18.10.2019, 17:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

An seinem 31. Geburtstag ist Julian Koch an diesem Freitag der Öffentlichkeit als designierter Bürgermeisterkandidat der SPD präsentiert worden. Nicht in seiner Heimatstadt Fröndenberg, wo die Sozialdemokraten für Amtsinhaber Friedrich-Wilhelm Rebbe bekanntlich einen Nachfolger suchen, weil der 2020 nicht für eine dritte Amtszeit zur Verfügung steht. Sondern in der 9000-Seelen-Gemeinde Schlangen im Kreis Lippe bei Paderborn.

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Die Sozialdemokraten dort teilen das Los mit ihren Genossen in Fröndenberg. Auch dort stellt die SPD mit Ulrich Knorr den Bürgermeister, der mit dann 65 Jahren bei der nächsten Wahl aber nicht noch einmal antreten möchte. Der Schlänger Ortsverein hat sich deshalb für einen eher ungewöhnlichen Weg entschieden, ist mit einer Art Stellenanzeige bundesweit auf die Suche nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten gegangen.

„Ich fand das sehr mutig. Die haben sich bewusst für einen Externen mit neuem Blick entschieden.“
Julian Koch (SPD) über die Kandidatensuche per Anzeige

„Ich fand das sehr mutig“, sagt auch Julian Koch. „Die haben sich bewusst für einen Externen mit neuem Blick entschieden.“ Am Freitag haben die SPD-Verantwortlichen in Schlangen ihn vor der Lokalpresse auf den Schild gehoben, am Vorabend den rund 80 Mitgliedern des Ortsvereins vorgestellt.

Traumjob Bürgermeister?

Der Politik- und Sozialwissenschaftlicher arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie in Bochum. Auf die Frage, ob Bürgermeister sein Traumjob sei, sagt er: „Ich bin schon immer politisch aktiv gewesen – als Bürgermeister einer Gemeinde; ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen.“

In Fröndenberg ist der 31-Jährige Geschäftsführer des Ortsvereins Mitte, im Unterbezirk der SPD im Kreis Unna Bildungsbeauftragter. Ämter, die er wird abgeben müssen. Genau wie sein Ratsmandat, für das er bei der Kommunalwahl 2020 freilich nicht nochmal antritt. Und natürlich wird er seine Heimat auch verlassen müssen, sollte er die Wahl in Schlangen gewinnen. „Na klar, als Bürgermeister ziehe ich in die Stadt, in der ich gewählt worden bin.“

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Ob die SPD in Fröndenberg, die nach eigenen Angaben aktuell noch in der Auswahlphase für einen Bürgermeisterkandidaten ist, keine Verwendung für ihr Eigengewächs hatte? Darauf antwortet der Schlänger Bürgermeisterkandidat nach einer kurzen Denkpause staatsmännisch: „Die Frage hat sich mir insofern nicht gestellt, weil der Prozess in Schlangen bereits Anfang des Jahres vonstattenging.“ Ferner böte sich der Gang nach Schlangen auch insofern an, weil seine Freundin Verwandtschaft in Lippe hat. „So kam eins zum anderen.“

Bürgermeisterwahl wird kein Selbstläufer

Ein Selbstläufer wird die Wahl für den 31-Jährigen freilich nicht. Zwar stellt die SPD in der Gemeinde den Bürgermeister und mit elf Mitgliedern auch die größte Fraktion im Gemeinderat; die CDU hat zehn Ratssitze. Bei der Europawahl 2019 wie auch bei der Landtagswahl 2017 hatte die CDU jeweils die Nase um ein paar Prozentpunkte vorn, bei der Landtagswahl 2017 behielt die SPD mit vier Prozent Vorsprung die Oberhand. Die Gemeinderatswahl 2014 hatten die Sozialdemokraten noch mit 43,8 Prozent vor der CDU mit 36,7 Prozent gewonnen. Natürlich sei das herausfordernd, so Koch. „Aber das ist eine Gemeinde, in der die SPD sehr oft die Mehrheit gestellt hat – und der Kreis Lippe ist ja traditionell rot.“

„Man kann ja nie früh genug anfangen.“
Julian Koch (SPD) über seinen Wahlkampf

Für Koch wird es nun darauf ankommen, sich bei den Schlängern bekannt zu machen. Kein Leichtes Unterfangen bei einem Job in Bochum. Zunächst werde er vor allem auf die Wochenenden und auf Tür-zu-Tür-Wahlkampf setzen. „Man kann ja nie früh genug anfangen“, sagt er. Wenn das dann in die heiße Phase gehe, könne er auf seine Urlaubstage zurückgreifen; „ich habe fleißig gesammelt.“ Ferner gebe ihm sein Job die nötige Flexibilität, um ausreichend präsent zu sein in Schlangen.

Wahlbeteiligung lag 2014 nur bei 33 Prozent

„Natürlich wird das eine Herausforderung – das weiß ich und das wissen auch die Genossen in Schlangen.“ Eine Herausforderung, der er sich stellen wird. Und das mit mindestens einem Gegenkandidaten. Die örtliche CDU hat zwischenzeitlich angekündigt, ihren Bürgermeisterkandidaten am 15. November vorzustellen. Das verspricht den Schlängern eine spannendere Bürgermeisterwahl als die letzte: Ohne Gegenkandidat erreichte Amtsinhaber Knorr 85 Prozent der Stimmen – bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 33 Prozent.

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