Kampfmittelräumung: Suche nach Blindgängern wird bald auch in Fröndenberg akut

dzEvakuierung in Dortmund

Der Kampfmittelräumdienst steht in Dortmund vor einem seiner spektakulärsten Einsätze: Für die Entschärfung von Blindgängern müssen sogar Kliniken geräumt werden. Ein zentraler Bereich muss auch in Fröndenberg geprüft werden.

Fröndenberg

, 10.01.2020, 14:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der kommende Sonntag steht in Dortmund ganz im Zeichen eines spektakulären Einsatzes des Kampfmittelräumdienstes: Weil man Blindgänger im Klinikviertel in der Innenstadt vermutet, muss evakuiert werden; 13.000 Menschen sind betroffen. Fröndenberg steht eine Prüfung an vergleichbar zentraler Stelle bevor.

Nicht lange nach dem Frühlingsmarkt am 5. April, so hatte es die Stadt zuletzt angekündigt, soll der Marktplatz umgebaut werden. Bei allen Tiefbauarbeiten müssen an Verdachtsstellen die Flächen auf mutmaßliche Bombentreffer aus dem Zweiten Weltkrieg bzw. noch im Erdreich verborgene Blindgänger untersucht werden.

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Zur Sache

Luftbilder nur für Behörden, nicht für Privatleute

  • Eine Luftbildauswertung können ausschließlich die örtlichen Ordnungsbehörden der Kommunen beantragen, wenn in einem potentiell mit Kampfmitteln belasteten Gebiet eine Bau- oder sonstige Maßnahme mit Bodeneingriff durchgeführt werden soll.
  • Die Luftbildauswertung, die als Teil des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe in Hagen stationiert ist, kann sich an rund 180.000 Luftbildern aus dem Bereich der Regierunsgbezirke Arnsberg, Detmold und Münster bedienen.
  • Die amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte haben für ihre Aufnahmen zwischen 1940 und 1945 hochgenaue Luftbildkameras eingesetzt.
  • Die Luftbilder unterliegen dem „British Crown Copyright“ und sind zur ausschließlichen Verwendung für die Luftbildauswertung bestimmt. Eine Einsichtnahme oder Bereitstellung der Bilder für Dritte ist nicht möglich, wie die Bezirksregierung Arnsberg informiert.

Im März 1945 hatte es einen massiven Bombenabwurf auf die Fröndenberger Innenstadt gegeben, bei dem unter anderem die Marienkirche und die Firma Union schwer beschädigt sowie zahlreiche Häuser entlang der heutigen Alleestraße zerstört worden waren.

Schlummernde Blindgänger durch Luftbilder zu identifizieren

Vor dem Aushub von Boden muss die Stadtverwaltung daher anhand von Luftbildern oder Kartenmaterial mögliche Risiken durch schlummernde Kampfmittel ausschließen.

Für den Bereich der Regierungsbezirke Arnsberg, Münster und Detmold sucht die Luftbildauswertung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe in Hagen nach solchen Blindgängern in Luftbildern, die zu Kriegszeiten von den Luftstreitkräften der Alliierten aufgenommen worden waren.

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Die Bezirksregierung ist laut Jochen von Nathusius zudem immer noch bemüht, an Aussagen von Zeugen der Bombenabwürfe zu gelangen. Angesichts von mittlerweile 75 Jahren, die in Fröndenberg seit dem Luftangriff vergangen sind, sei diese Methode aber kaum hilfreich: Die letzten lebenden Zeugen können damals allenfalls Jugendliche gewesen sein, sind heute also in ihren 90ern, wie der Fröndenberger Stadtarchivar am Freitag zu bedenken gab.

Stadtarchiv besitzt Luftaufnahmen von den Bombentrichtern

Natürlich kommen als Quellen auch zeitgenössische Aufzeichnungen von Augenzeugen in Frage: Nicht wenige Menschen haben zum Beispiel Kriegserlebnisse als Einträge in ihren Tagebüchern niedergelegt.

Im Stadtarchiv gibt es alte Luftbilder, die Bombentrichter zeigen. Die Fotos stammen von Aufklärungsflügen der Alliierten, die nach den Abwürfen ihre Erfolge dokumentieren wollten.

Auch nach dem schweren Angriff vom 12. März 1945 auf Fröndenberg sind solche Luftaufnahmen entstanden. Erst im vergangenen Jahr musste beim Bau der neuen Kindertagesstätte St. Marien auf dem Gelände des Schmallenbach-Hauses die Fläche wegen verdächtiger Metallgegenstände untersucht werden. Die Bauarbeiten standen damals wochenlang still. Blindgänger wurden nicht gefunden.

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