Kampfmittelräumdienst an der Palzstraße: So sieht es im Messie-Haus aus

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Seit Wochenbeginn schuften eine Spezialfirma aus Münster und die Mitarbeiter des neuen Eigentümers gemeinsam, um das verwahrloste Haus an der Palzstraße von Müll, Sondermüll und Kampfmitteln zu befreien.

Fröndenberg

, 22.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jonas Schramek und seine Kollegen vom Kampfmittelräumdienst Nolte haben seit Wochenbeginn alle Hände voll zu tun. Die Firma aus Münster wurde vom Eigentümer angeheuert, um bei der Entrümplung des ersteigerten Messie-Hauses an der Palzstraße in Bausenhagen zu helfen. Pistolen, Munition, Handgranaten, Zünder, Panzerfaust, das Triebwerk von einem Lenkflugkörper: „Was man so alles zuhause hat“, scherzt die Firma, muss nun raus - und wird von den Fachkräften akkurat getrennt in blauen Kunststofffässern verstaut. Alle scharfen Waffen habe die Polizei bereits vor Wochen beschlagnahmt.

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Dem neuen Eigentümer ist derweil gar nicht zu Scherzen zumute. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Wohl aber dürfe jeder wissen, dass er er sich im Stich gelassen fühlt, von den Ordnungsbehörden enttäuscht ist. 30 Jahre lang habe sich keiner darum geschert, was in dem Haus an der Palzstraße passiert. Nun ist er dafür verantwortlich, dass die Waffen ordnungsgemäß entsorgt werden.

Die eigene Firma entrümpelt

Dass das Haus ein harter Brocken wird, war dem Fröndenberger sehr wohl bewusst. Mit vermüllten Grundstücken kennt er sich aus. Ähnlich wie das zwangsversteigerte Haus, habe er bereits andere Immobilien erworben. Solche Gebäude auf Vordermann zu bringen, ist sein Geschäft. Ums reine Entrümpeln kümmert sich nun auch die eigene Firma. Die Entsorgung der Waffen und Waffenteile müssen Experten erledigen. Bei knapp 50.000 Euro liege der Kostenvoranschlag. Eine stolze Summe, auf der der neue Eigentümer der Problem-Immobilie sitzen bleiben könnte.

Waffen gibt es in dem Haus an der Palzstraße noch haufenweise. Die "scharfen" sind bereits vor einigen Wochen von der Polizei beschlagnahmt worden. Hier zeigen Maschinist Jonas Schramek (r.) und sein Kollege vom Kampfmittelräumdienst einige Pistolen, die sie unter Bergen von Müll gefunden haben.

Waffen gibt es in dem Haus an der Palzstraße noch haufenweise. Die "scharfen" sind bereits vor einigen Wochen von der Polizei beschlagnahmt worden. Hier zeigen Maschinist Jonas Schramek (r.) und sein Kollege vom Kampfmittelräumdienst einige Pistolen, die sie unter Bergen von Müll gefunden haben. © Hornung

Jonas Schramek vom Kampfmittelräumdienst Nolte hat unter anderem Teile einer Panzerfaust sichergestellt.

Jonas Schramek vom Kampfmittelräumdienst Nolte hat unter anderem Teile einer Panzerfaust sichergestellt. © Hornung

„Wäre bei der Versteigerung auch nur ein Wort über Waffen gefallen, der Saal wäre sofort leer gewesen“, sagt er. Aus Gesprächen mit den Nachbarn hätten die neuen Eigentümer nun erfahren, dass vielen Menschen im Ort bekannt war, was sich im Haus abspielte. Sogar die Feuerwehr habe den Nachbarn empfohlen, sich in eine andere Richtung zu entfernen, wenn es bei dem Messie brenne, sagt die Tochter des Eigentümers. „Es könnte ja schließlich alles in die Luft gehen.“

Ob Munition oder alte Zünder: Was im Haus an der Palzstraße alles gefunden wurde, kann sich kaum einer vorstellen.

Ob Munition oder alte Zünder: Was im Haus an der Palzstraße alles gefunden wurde, kann sich kaum einer vorstellen. © Hornung

Wie der Vorbesitzer in den vergangenen Monaten, wenn nicht über Jahre gelebt hat, wird am Dienstag noch beim Blick in die erste bisher nicht aufgeräumte Etage deutlich. Poster und Tapetenreste mit fröhlichen Mustern zeugen davon, dass einst Kindes mit im Haus wohnten. Übrig geblieben sind nebst alten Möbeln und elektrischen Geräten Berge an Dreck und Müll. So viel, dass es schwer fällt, die Türen zu den einzelnen Räumen zu öffnen. Im Keller hätte altes Fleisch gegammelt, sagt Jonas Schramek.

Einst hatte der Vorbesitzer mit Frau und Kindern in dem Haus an der Palzstraße gelebt. Die Schlafräume in der oberen Etage waren am Dienstag noch nicht aufgeräumt.

Einst hatte der Vorbesitzer mit Frau und Kindern in dem Haus an der Palzstraße gelebt. Die Schlafräume in der oberen Etage waren am Dienstag noch nicht aufgeräumt. © Hornung

Auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück befinden sich nicht nur das Haupthaus, sondern auch ein Schuppen und eine Werkstatt. Ebenfalls vermüllt. Wie es nun mit seiner neuen Immobilie weitergeht, weiß der Besitzer noch nicht. Nachdem beim Termin mit dem Gerichtsvollzieher die ersten Waffen gefunden worden sind, war das Haus gesperrt und versiegelt. Noch habe er gar nicht alle Räume angeschaut. Es wirkte, als habe der Vorbesitzer, der vom Übergabetermin wusste, einige Waffen zur Begrüßung mit Absicht im Hauseingang drapiert, sagt der Fröndenberger.

So haben die neuen Eigentümern die Räume vorgefunden.

So haben die neuen Eigentümern die Räume vorgefunden. © Privat

Nicht nur das Haupthaus - auch Schuppen und Werkstatt auf dem Grundstück waren bis unters Dach zugemüllt.

Nicht nur das Haupthaus - auch Schuppen und Werkstatt auf dem Grundstück waren bis unters Dach zugemüllt. © Hornung

Wie auch immer der ehemalige Bewohner des Hauses die alten Waffen und Waffenteile zusammengesammelt hat: Bisher habe der Kampfmittelräumdienst nichts mehr finden können, was der Mann nicht hätte besitzen dürfen. Erst wenn das im weiteren Verlauf der Entrümplung der Fall wird, werde die Polizei wieder eingeschaltet, erklärt Polizeisprecherin Vera Howanietz.

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Der Kampfmittelräumdienst sorgt im Messie-Haus an der Palzstraße für Ordnung

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