JVK Fröndenberg: Feuerfeste Kleidung kommt auch nach den jüngsten Suizidversuchen nicht

dzJustizvollzugskrankenhaus

Bereits viermal hatten Häftlinge im JVK versucht, sich selbst, ihre Kleidung oder ihr Bett in Brand zu stecken. Ein Mann kam dabei ums Leben. Als Konsequenz bleibt es beim Rauchverbot.

Fröndenberg

, 01.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die jüngsten Selbstmordversuche im Justizvollzugskrankenhaus NRW innerhalb weniger Tage werfen Fragen auf. Wie konnte es erneut zu einem Vorfall mit Feuer kommen? Warum dürfen Patienten im JVK Gürtel tragen, mit denen sie sich strangulieren könnten? Und was ist aus den Bemühungen geworden, in der Einrichtung feuerfeste Kleidung einzuführen? Anstaltsleiter Joachim Turowski gibt Antworten.

Jetzt lesen

Im ersten der beiden jüngeren Fälle hatte ein Patient der psychiatrischen Abteilung wieder mit einem Feuerzeug in seinem Krankenzimmer gezündelt. Der Fall ist mit den Bränden vor mehreren Monaten vergleichbar, bei denen im Dezember des vergangenen Jahres ein Häftling ums Leben gekommen ist.

Inzwischen gilt Rauchverbot für Selbstmordgefährdete

Inzwischen dürfen die akut selbstmordgefährdeten Insassen im JVK nicht mehr unbeaufsichtigt rauchen. Das Krankenhaus hatte bereits ein vorübergehendes Rauchverbot verhängt. Zunächst konnte sich die Einrichtungsleitung nicht dazu durchringen, das Rauchen dauerhaft zu verbieten. Seien die Patienten in ihrer ohnehin angespannten Situation doch noch gereizter, wenn ihnen das Rauchen verboten werde. Rauchen dürfen sie jetzt nur noch mit Aufsicht.

Diese Lösung ist aus Sicht der Krankenhausleitung nun doch die effektivere und vor allem günstigere Lösung, als feuerfeste Kleidung. Nachdem sich ein Inhaftierter in Brand gesteckt hatte und später an seiner Verletzungen starb, hatte das JVK den Kontakt zu Fachfirmen gesucht, um gegebenenfalls sichere Kleidung anfertigen zu lassen. Die ist aber schlichtweg zu teuer, erklärt Anstaltsleiter Joachim Turowski nun.

Jetzt lesen

Feuerfeste Kleidung gebe es nicht von der Stange bei Kik. Ein Satz hätte mehrere Hundert Euro gekostet. Auf der Station für akut gefährdete Patienten liegen 13 Kranke. Und für die hätte jeweils mit mehreren Sätzen geplant werden müssen. Feuerzeuge und Zigaretten zu verbieten, ist also die wesentlich günstigere Brandschutzvariante.

Nicht alle Patienten können gleichgut überwacht werden

Wenn denn bekannt ist, dass es sich um einen suizidgefährdeten Patienten handelt, können Zündeleien in Zukunft also zuverlässig verhindert werden. Im Krankenhaus gibt es allerdings noch 3000 weitere Patienten, die nicht so gut überwacht werden können, wie einige wenige akut gefährdete.

JVK Fröndenberg: Feuerfeste Kleidung kommt auch nach den jüngsten Suizidversuchen nicht

In einem solchen Haftraum im JVK haben sich zuletzt einige Suizidversuche ereignet. © Marcel Drawe

Und als ein solcher „normaler“ Patient sei der Häftling eingestuft worden, der vor wenigen Tagen versucht hat, sich mit einem Gürtel zu strangulieren. Erst nach dem Suizidversuch habe das Krankenhaus herausgefunden, dass der Patient in der Vergangenheit bereits mehrmals versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, so Turowski. Nur auf der psychiatrischen Spezialstation gebe es eine besondere Kleiderordnung. Die anderen Patienten tragen ganz normale Kleidung, wozu etwa auch Bademäntel mit Gürteln zählen.

Justizministerium will feuerfeste Matratzen und Bettwäsche einführen

Grundsätzlich sei das Krankenhaus auf solche Informationen von außen angewiesen, nehme Neuankömmlinge aber auch in Augenschein – und entscheide so von Fall zu Fall, auf welcher Station sie untergebracht werden. Während die akut Gefährdeten in ihren Krankenzimmern sogar videoüberwacht werden, sei es bei den rund 3000 anderen Häftlingen personell gar nicht möglich, sie ähnlich streng zu beobachten.

Von Justizministerium sollen jetzt immerhin feuerfeste Kleidung und Bettwäsche eingeführt werden, sagt Turowski. Auch in einigen Justizvollzugsanstalten hat es in der Vergangenheit Zellenbrände gegeben. Ob sich die neue Bettwäsche allerdings auch für den Krankenhausbetrieb eignet, bei dem häufiger mit hohen Temperaturen gewaschen werden müsste, steht noch nicht fest.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Ideenwettbewerb

Gute Nachricht für Autofahrer: Auch 2020 kein Wettbewerb für Karl-Wildschütz-Parkplatz

Hellweger Anzeiger Fröndenberg macht an

Weihnachtsbeleuchtung in Fröndenberg: Dieses Jahr sind es rund 90.000 LED

Hellweger Anzeiger Mord am Hellweg

Krimi-Cops ermitteln in Fröndenberg die besten Schauplätze für schaurige Verbrechen

Hellweger Anzeiger Bürgermeisterwahl

Bürgermeister-Kandidatur: FWG will nur einen Fröndenberger ins Amt hieven