Hitler hat er zum Reichskanzler ernannt, der Monarchist galt nicht als demokratisch gesinnt: Die nach Reichspräsident Paul von Hindenburg benannte Parkanlage wollen die Jusos nun umbenennen.

Fröndenberg

, 18.10.2018, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema brannte den Fröndenberger Jungsozialisten schon länger auf den Nägeln: Darf eine Parkanlage als Hindenburghain bezeichnet werden und damit den Namen eines Mannes tragen, der Hitler kraft seines Amtes an die Macht gebracht hat und dessen Rolle zum Ende des Ersten Weltkriegs ebenfalls massiv kritisiert wird? „Das ist ein schwieriges Thema“, sagt Sebastian Kratzel. Der Vorsitzende und seine Mitstreiter bei den Jusos haben viele Gespräche geführt, bevor die Entscheidung, den Namen „Hindenburghain“ nicht länger in der Stadt mittragen zu wollen, feststand. „Es gibt auch Fröndenberger, die sagen, man möchte daran erinnern, was Hindenburg Schlimmes getan hat“, weiß Kratzel. „Das Argument kann man so oder so sehen.“

Symbolfigur für Versagen der Weimarer Republik

Die Initiative, die die Jusos nun ergreifen, ist nicht neu. Vor sechs Jahren erst hatten die Grünen im Rat der Stadt beantragt, den Hindenburghain in Ruhrpark umzubenennen. Der Vorstoß damals fand keine Mehrheit. Stadtarchivar Jochen von Nathusius hatte damals in einer Stellungnahme eine Umbenennung als „logisch und nachvollziehbar“ eingeschätzt, weil der Name Hindenburg heute für das Versagen der Weimarer Republik, den Standesdünkel ostelbischer Großgrundbesitzer, für die Vorrechte des Adels sowie für die Verherrlichung von Militärpersonen stehe. Letztlich gab er indes zu bedenken, „dass Benennungen aus dem Kontext der jeweils herrschenden politischen Verhältnisse und Stimmungslage der Bevölkerung heraus entstanden sind und dieser Kontext in Fröndenberg dann nicht mehr sichtbar ist.“

Jusos wollen „Zeichen gegen Rechts“ setzen

Das Argument sehen die Jusos ebenfalls, halten es aber für wichtiger „ein Zeichen gegen Rechts zu setzen und den Hindenburghain endlich umzubenennen.“ Hindenburg habe nicht nur Hitler an die Macht verholfen, sondern nach dem Ersten Weltkrieg gemeinsam mit General Erich Ludendorff die Dolchstoßlegende in die Welt gesetzt: Ganz bewusst hätten die Militärs Politiker den Waffenstillstand unterzeichen lassen, „um von ihrem eigenen Versagen abzulenken“, heißt es im Antrag der Jusos an den Rat. Der Reichspräsident habe auch eingewilligt, 1933 den Reichstag aufzulösen. „Das ist eindeutig antidemokratisch“, betont Sebastian Kratzel. Die Idee der Umbenennung sei daher ja schon älter als der Antrag der Grünen von 2012, bereits Willi Demmer und Ulrich Biederbeck und weitere Sozialdemokraten hätten sich intensiv mit einer Änderung des Namens auseinandergesetzt. Dass es bislang nicht dazu kam, bedauert Sebastian Kratzel.

Adressänderungen wären bei der Umbenennung des Parks nicht nötig

Dabei sei es doch bei einer Parkanlage viel einfacher: Der Aufwand für Bürger wie bei einer Straßenumbenennung falle hier ja weg, führt der 24-Jährige ins Feld. Vor allem aus diesem Grund wolle man nicht am Namen Ostmarkstraße rühren.

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Sebastian Kratzel und die Jusos hoffen, dass - auch durch den Antrag der CDU, künftig neue Straßen nach Opfern und Gegnern des NS-Systems zu benennen - die Debatte nun Fahrt aufnimmt und möglicherweise eine Pro-Stimmung für eine Umbenennung des Hindenburghains entstehen wird. Der soll nach dem Willen der Jusos wieder Ruhrpark heißen wie schon vor 1933. Person und Rolle Hindenburgs, auch die damalige Stimmungslage in der Bevölkerung sollen damit nicht kaschiert werden. Auch dass er beliebtester Politiker der 1920er-Jahre gewesen ist, nicht. Jochen von Nathusius, der eine Erklärtafel am Hindenburghain befürwortet, meint: „Dass er dies gewesen ist, damit müssen wir Nachgeborenen leben, allerdings Sorge dafür tragen, dass eine Verherrlichung antidemokratischer Kräfte ein absolutes No-Go deutscher Politik und Kultur bleibt.“

Sebastian Kratzel sieht es strikter: „Man kann an solche Menschen auch anders erinnern.“

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