Mit mehr angekündigtem Impfstoff kann die Stadt das Immunisieren beschleunigen. © Stephan Schütze
Corona-Schutzimpfung mit Attest

Junge Krebskranke ohne Impfung erfährt spontane Hilfsbereitschaft

Die Geschichte einer jungen Krebspatientin aus Fröndenberg, die sich vergeblich um ihre Impfung kümmerte, löste spontane Hilfsbereitschaft von Leidensgenossen und bereits geimpften Vorerkrankten aus.

Der Leidensdruck bei schwer kranken Menschen ist offenbar besonders groß: Die 45-jährige krebskranke Fröndenbergerin, die sich erfolglos um einen Impftermin bemühte, erhält Beistand von Menschen in ähnlicher Situation.

»Das tat mir einfach leid, als ich das gelesen habe.«

Asthmapatient aus Unna (52)

„Das tat mir einfach leid, als ich das gelesen habe“, meldete sich noch am Montag ein Unnaer. Er gibt einen Tipp: Er sei selbst kürzlich als Asthmatiker im Impfzentrum am Dortmunder Phönixsee geimpft worden. Diesen Hinweis hätten ihm Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung gegeben, als er Karsamstag seine Eltern ins Impfzentrum begleitet hatte.

Impffahrplan in Dortmund berücksichtigt Vorerkrankte

Tatsächlich sieht der Impffahrplan der Stadt Dortmund vor, dass Personen mit bestimmten chronischen Vorerkrankungen, zum Beispiel auch Diabetes, im dortigen Impfzentrum die Spritze bekommen können.

Dortmund orientiert sich dabei an Paragraf 3 der Impfverordnung des Bundes, der die Vorerkrankungen ausdrücklich auflistet. Dagegen beschränkt sich das Impfzentrum in Unna auf Impfwillige mit alters- oder berufsbedingter Priorität und wird hierin auch vom NRW-Gesundheitsministerium bestärkt.

Auch der Bruder des Unnaers, ebenfalls Asthmatiker, ließ sich in Dortmund impfen. Seinen Namen möchte der 52-Jährige übrigens nicht nennen, um nicht fälschlich als „Impfvordrängler“ abgestempelt zu werden.

Ein ärztliches Attest, betont er, sei jedenfalls unabdingbar: Ein Impfwilliger in Dortmund sei mit einem Rezept, auf dem immerhin die Schlüsselnummer der Diagnose stand, zurückgewiesen worden – dies reiche für die Impfung nicht.

»Ich bin nun wirklich ratlos und nahezu verzweifelt.«

Krebspatientin aus Kamen (52)

Ebenfalls meldete sich eine 52 Jahre alte Frau aus Kamen. Sie sei seit November 2020 Krebspatientin, pflege ihre 83-jährige an Demenz erkrankte Mutter im gemeinsamen Haushalt und bemühe sich „nun seit zwei Wochen vergeblich um einen Impftermin“, wie sie schreibt.

Sie habe alles versucht, die Impf-Hotline 116117 und das Kreisgesundheitsamt Unna angerufen, einen schriftlichem „Härtefallantrag“ dort gestellt und sich auch an das Impfzentrum Unna gewendet – vergebens.

Angebot: Austausch mit der Leidensgenossin

Ihr Gynäkologe impfe nicht und die Urlaubsvertretung ihres Hausarztes führe bereits eine eigene Warteliste. Selbst ihre Krankenkasse und die Deutsche Stiftung Patientenschutz hätten ihr keine weiteren Tipps geben können, wie sie als Risikopatientin an eine Impfung kommen soll.

„Ich bin nun wirklich ratlos und nahezu verzweifelt“, schreibt die Kamenerin, die ungenannt bleiben möchte. Sie bietet ihrer Leidensgenossin aus Fröndenberg an, sich untereinander auszutauschen und womöglich davon zu profitieren.

Zur Sache

Impffahrplan der Stadt Dortmund

  • Alle im Impffahrplan der Stadt Dortmund freigegebenen Priorisierungsgruppen – dazu gehören auch Menschen mit Vorerkrankungen gemäß Paragraf 3 Absatz 1 Nr. 2 Corona-Impfverordnung – stehen unter dem Vorbehalt der Impfstoffverfügbarkeit, teilt die Stadt Dortmund auf Anfrage mit.
  • Impfungen könnten ausschließlich mit zuvor vereinbartem Termin durchgeführt werden.
  • Die Impftermine würden dann entsprechend den vom Land NRW zugesagten Impfstoffmengen freigegeben.
  • Grundsätzlich seien die Bürger angehalten, Termine in dem Impfzentrum zu vereinbaren, das für den Kreis/die kreisfreie Stadt, in dem/in der sie wohnhaft sind, zuständig ist.
Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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